PKK-Hochburg Türkei hebt Ausgangssperre in Cizre auf

Die seit Tagen umkämpfte türkische Stadt Cizre ist nicht mehr abgeriegelt. Die Bürgermeisterin wurde abgesetzt. Ihr wird vorgeworfen, zum bewaffneten Aufstand angestachelt zu haben, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Straßensperre bei Cizre (Foto vom 9. September): Die Ausgangssperre wurde aufgehoben
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Straßensperre bei Cizre (Foto vom 9. September): Die Ausgangssperre wurde aufgehoben


Nach mehr als einer Woche haben die türkischen Behörden die Ausgangssperre in der Stadt Cizre im Kurdengebiet im Südosten der Türkei wieder aufgehoben. Die Ausgangssperre lief am Samstagmorgen aus, der Verkehr in und aus der Stadt war wieder möglich. Allerdings gibt es weiterhin Kontrollposten an den Zufahrtsstraßen nach Cizre.

In der 120.000-Einwohner-Stadt Cizre, einer Hochburg der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), lieferten sich türkische Soldaten und Polizisten mit kurdischen Rebellen in den vergangenen Tagen heftige Gefechte.

Kurdische Parlamentarier und Kabinettsmitglieder hatten sich auf den Weg nach Cizre gemacht, weil sie den Tod vieler Zivilisten befürchteten, waren aber von der türkischen Armee gestoppt worden.

Nach Angaben der im Parlament vertretenen prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP) wurden dabei mindestens 21 Zivilisten getötet, darunter auch Kinder. Die türkische Regierung erklärte hingegen, mehr als 30 PKK-Kämpfer und ein Zivilist seien getötet worden.

Bürgermeistern Leyla Imret wurde ihres Amtes enthoben. Die Staatsanwaltschaft in Cizre ermittelt gegen sie. Imret wird "Anstachelung zum bewaffneten Aufstand" und "Terrorpropaganda" vorgeworfen. Sie selbst sprach gegenüber SPIEGEL ONLINE davon, dass sie Dutzende Morddrohungen erhalte und sich womöglich in Sicherheit bringen müsse.

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Cizre: Kampf zwischen Kurden und türkischem Staat
Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Nils Muiznieks, rief die türkischen Behörden auf, unabhängige Beobachter nach Cizre an der Grenze zum Irak zu lassen.

Der Konflikt in der Türkei hatte sich Ende Juli verschärft. Die türkische Regierung und die von ihr als "Terrororganisation" gebrandmarkte PKK werfen sich gegenseitig vor, die bis dahin geltende Waffenruhe gebrochen zu haben. In den vergangenen Wochen verübte die PKK in der Türkei zahlreiche Anschläge auf Sicherheitskräfte. Die Armee reagierte mit Bombardierungen von mutmaßlichen PKK-Stellungen im Nordirak und schickte inzwischen Spezialkräfte zur Jagd auf PKK-Kämpfer über die Grenze.

Türkische Ultranationalisten, unter ihnen Rechtsextremisten der sogenannten Grauen Wölfe, verübten in den vergangen Tagen zahlreiche gewalttätige Angriffe gegen kurdische Geschäfte und HDP-Büros.

kaz/wbr/AFP



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