Clearstream-Affäre Stundenlange Durchsuchung bei Ex-Premier Villepin

Fast sechseinhalb Stunden lang haben französische Ermittler die Privatwohnung des früheren Regierungschefs Villepin durchsucht. Sie wollten Beweise finden in der Clearstream-Affäre, bei der es um eine Rufmordkampagne gegen Politiker geht. Doch die Justizbeamten gingen laut Augenzeugen mit leeren Händen.


Paris - Als die beiden Ermittlungsrichter der Pariser Finanzbehörde, Jean-Marie-d'Huy und Henri Pons, in Begleitung weiterer Ermittler heute Abend die Wohnung von Dominique de Villepin verließen, trugen sie offensichtlich keine Kartons oder andere mögliche beschlagnahmte Objekte bei sich. Das berichtete ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP.

Die Durchsuchung stand im Zusammenhang mit der Clearstream-Affäre. Dabei waren der heutige französische Präsident Nicolas Sarkozy sowie weitere Politiker und Geschäftsleute über gefälschte Kontenlisten angeschwärzt worden, bei einem Fregattenverkauf an Taiwan angeblich Schmiergelder empfangen zu haben.

Villepin steht in der Rufmordaffäre unter wachsendem Druck. Vor der Durchsuchung war weiteres belastendes Material gegen ihn aufgetaucht. Laut Daten auf dem Laptop eines Geheimdienstgenerals soll Villepin dafür gesorgt haben, dass die erfundenen Vorwürfe gegen Sarkozy einem Untersuchungsrichter offenbart wurden. Dem Radiosender France Info zufolge wird auch der ehemalige Staatschef Jacques Chirac belastet.

Der Villepin- und Chirac-Rivale Sarkozy hatte die Clearstream-Affäre als politisches Manöver gedeutet, mit dem er auf
dem Weg zur Präsidentschaftskandidatur der Regierungspartei UMP noch aufgehalten werden sollte. Sarkozy tritt als Nebenkläger in dem Verfahren auf.

kai/AFP



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