Nach massiver Kritik Hunderte Migrantenkinder aus umstrittenem US-Grenzlager gebracht

Sie waren hungrig, verdreckt, überfordert: Hunderte Migrantenkinder hausten unter katastrophalen Zuständen in einem Auffanglager in Texas. Nach Protesten kommen sie nun in anderen Einrichtungen unter.
US-Auffanglager für Flüchtlinge an der mexikanischen Grenze an der US-Grenze

US-Auffanglager für Flüchtlinge an der mexikanischen Grenze an der US-Grenze

Foto: Jose Luis Gonzalez/ REUTERS

Nach massiver Kritik von Politikern und Aktivisten konnten mehr als 249 Migrantenkinder ein umstrittenes US-Auffanglager im texanischen Clint verlassen. Das berichtet die "New York Times"  und beruft sich dabei auf Angaben der Behörden.

Meldungen über die unhaltbaren Zustände in der Einrichtung waren am vergangenen Wochenende publik geworden. US-Anwälte hatten mehrere Auffanglager für aufgegriffene Migranten entlang der Grenze zu Mexiko besuchen können, darunter die Einrichtung in Clint. In Gesprächen mit verschiedenen Medien schilderten die Anwälte dann mehrere Fälle drastischer Vernachlässigung und Unterversorgung.

In dem Lager in Clint trafen die Anwälte beispielsweise Sieben- und Achtjährige in völlig verdreckter Kleidung, die sich um noch jüngere, ihnen fremde Kinder kümmerten. Es habe weder Zahnbürsten noch Zahnpasta oder Seife für die Kinder gegeben. Die meisten von ihnen hätten seit ihrer Ankunft im Lager weder duschen noch ihre Kleidung waschen können. Es mangele an Nahrung, an Wasser und an angemessener medizinischer Versorgung, berichteten die Anwälte.

"Die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer"

Auffanglager wie das in Clint sind eigentlich dafür vorgesehen, dass beim Grenzübertritt aus Mexiko aufgegriffene Migrantenkinder höchstens drei Tage dort festgehalten werden - spätestens dann müssen sie in Jugendeinrichtungen untergebracht werden, die über das ganze Land verteilt sind. Einige der besuchten Kinder seien aber schon seit fast einem Monat dort gewesen, hieß es von den Anwälten.

Nach Bekanntwerden dieser Schilderungen hatte es massive Kritik gegeben, sie kam aus der Bevölkerung, aber auch von prominenten demokratischen und republikanischen Politikern.

"Wir erleben weiterhin eine humanitäre und Sicherheitskrise an der Südgrenze der Vereinigten Staaten, und die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer", zitiert die "New York Times" nun eine Sprecherin des Office of Refugee Resettlement (ORR ). Dabei handelt es sich um eine Abteilung des US-Gesundheitsministeriums, die sich nach dem Verstreichen der 72-Stunden-Frist in den ersten Auffanglagern um die Unterbringung von minderjährigen Migranten kümmert. Den Angaben der Sprecherin zufolge wurden nun 249 Kinder aus dem Lager in Clint in ORR-Einrichtungen gebracht.

Zudem wurde eine unbekannte Zahl von Kindern der Zeitung zufolge aus Clint in ein temporäres Zeltlager in El Paso gebracht. Die "NYT" beruft sich dabei auf Angaben einer Sprecherin der demokratischen Politikerin Veronica Escobar, die Texas im US-Repräsentantenhaus vertritt. Demnach sind nun nur noch etwa 30 Kinder in dem Lager in Clint untergebracht.

Mexiko verlegt fast 15.000 Soldaten an Grenze zu USA

In den vergangenen Monaten war die Zahl der Flüchtlinge aus Ländern wie Honduras, Guatemala und El Salvador deutlich gestiegen. Allein im Mai wurden an der US-Südgrenze 144.000 Einwanderer aufgegriffen, darunter 57.000 Minderjährige - das war die höchste Zahl seit 13 Jahren.

Im Streit mit US-Präsident Donald Trump hat Mexiko vor wenigen Wochen verstärkte Grenzkontrollen zugesagt. Am Montag erklärte Verteidigungsminister Luis Cresencio Sandoval, knapp 15.000 Soldaten an der Grenze zwischen Mexiko und den USA einzusetzen. Sie unterstützten die nationale Migrationsbehörde dabei, illegale Grenzübertritte in Richtung USA zu verhindern.

aar/dpa
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