Clinton-Affäre Hillarys Bruder verdiente an Begnadigungen

Die Affäre um ungereimte Amnestien Bill Clintons zieht immer weitere Kreise. Jetzt wurde bekannt, dass Hillary Clintons Bruder für Begnadigungen kassiert haben soll.


Hillary Clinton
AFP

Hillary Clinton

Washington - In einer Erklärung der Clintons hieß es, sie hätten erst jetzt von den Geldern für Hugh Rodham erfahren. Sie seien tief betroffen und hätten auf der Rückgabe der Summen bestanden. Hugh Rodham hatte in zwei Fällen jeweils 200.000 Dollar genommen. Er hatte die Begnadigung eines verurteilten Betrügers vermittelt und die Freilassung eines Drogenhändlers. Medienberichten zufolge ist Hugh Rodham inzwischen der Aufforderung der Clintons gefolgt und hat zugleich darauf hingewiesen, dass er nichts Rechtswidriges getan habe.

Clinton hatte wenige Stunden vor dem Ausscheiden aus dem Amt am 20. Januar 140 Amerikaner amnestiert. Am heftigsten umstritten ist sein Pardon für den Finanzier Marc Rich, der sich vor 17 Jahren vor einem Prozess wegen schwerer Steuerhinterziehung in die Schweiz abgesetzt hatte. Die Bundesanwaltschaft hat strafrechtliche Ermittlungen zur Klärung der Hintergründe für die Rich-Amnestie eingeleitet. Auch zwei Kongress-Ausschüsse untersuchen den Fall.

Rodham setzte sich für die Begnadigung von Almon Glenn Braswell ein, der vor fast 20 Jahren wegen Geschäftsbetruges und anderer Vergehen zu drei Jahren Haft mit anschließender fünfjähriger Bewährung verurteilt worden war. Clinton ließ dieses Urteil als Vorstrafe mit der Begründung tilgen, dass Braswell sich seitdem nichts mehr zu Schulden habe kommen lassen. Kurz nach der Verkündung dieser Amnestie wurde bekannt, dass die kalifornischen Behörden wegen des Verdachts des massiven Steuerbetrugs und der Geldwäsche gegen Braswell ermitteln.

Im zweiten Fall geht es um den verurteilten Kokain-Händler Carlos Vignali. Clinton ließ ihn nach Verbüßung von sechs Jahren einer 15- jährigen Haftstrafe auf freien Fuß setzen. Zur Begründung sagte Clinton, Vignali sei ein Ersttäter gewesen und habe lange genug "gesessen". Er, Clinton, sei generell besorgt über die harschen Urteile für Menschen, die sich zum ersten Mal eines Drogenvergehens schuldig gemacht hätten.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.