Clinton Besuch im neuen Vietnam

Historische Visite: US-Präsident Bill Clinton ist als erster amerikanischer Präsident nach Ende des Vietnamkrieges in die sozialistische Republik gereist.


Zu Gast in Vietnam: Bill Clinton
REUTERS

Zu Gast in Vietnam: Bill Clinton

Hanoi - Nach dem Treffen mit Präsident Tran Duc Laong führt Clinton ein Gespräch mit Ministerpräsident Pham Van Khai. Außerdem spricht er vor Studenten der Universität von Hanoi. Clinton wollte nach Angaben des Weißen Hauses die junge Generation des Landes dazu aufrufen, sich auf ein neues Kapitel in den Beziehungen beider Länder zu konzentrieren. Das vietnamesische Fernsehen werde die Rede und andere Clinton-Auftritte während des dreitägigen Besuches übertragen, sagte der US- Botschafter in Vietnam, Douglas "Pete" Peterson.

Emotionaler Höhepunkt wird am Samstag der Besuch eines Reisfeldes in einem Dorf bei Hanoi sein, wo nach den Überresten eines amerikanischen Kriegstoten gesucht wird. Am Sonntag macht der Präsident auch in Ho-Tschi-minh-Stadt, dem früheren Saigon, Station.

Mit seinem Aufenthalt will Clinton die schon 1995 eingeleitete Normalisierung der Beziehungen vorantreiben und die seither erreichten Fortschritte unterstreichen. Im Vietnamkrieg hatten 58.000 US-Soldaten auf der Seite des antikommunistischen Südvietnam ihr Leben gelassen. Nach der Einnahme Saigons durch nordvietnamesische Truppen vor 25 Jahren waren der Norden und der Süden am 2. Juli 1976 offiziell wiedervereinigt worden.

Gegner der kommunistischen Regierung in Hanoi haben Clinton vorgeworfen, er unterstütze mit seinem Besuch ein repressives Regime. Clinton wird nach Angaben von Botschafter Peterson keine Dissidenten treffen. Der Präsident werde aber Menschenrechtsverletzungen deutlich ansprechen. "Wir wollen, dass internationale Standards in allen Bereichen eingehalten werden", forderte Peterson, der selbst in Vietnam gekämpft und sechs Jahre in Kriegsgefangenschaft zugebracht hatte, "in allen Bereichen, seien es Menschenrechte, Religionsfreiheit oder Wirtschaftsfragen."

Für einen Wermutstropfen sorgte die Weigerung der Vietnamesen, einen Korrespondenten des US-Senders "Radio Free Asi" aus Washington einreisen zu lassen. Der aus Hanoi stammende Journalist konnte Clinton nur bis Brunei begleiten. Die US-Regierung protestierte vergebens. Ein Sprecher des Weißen Hauses unterstrich, ein Ziel der Reise sei es auch, auf die Bedeutung einer freien Presse hinzuweisen.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.