Clintons Wahlkampfschulden Fünf Dollar für ein Date mit Hillary

Hillary Clinton wird ihre Wahlkampfschulden nicht los. Nun bettelt die Ex-Präsidentschaftskandidatin mit einer schwülstigen E-Mail bei ihren Anhängern: Fünf Dollar für ein gemeinsames Dinner. Neu ist derartiges Geldeintreiben in den USA allerdings nicht - auch Obama macht Ähnliches.

New York - Monatelang sind wir ihr hinterhergezuckelt. Von Des Moines nach Nashua, von Las Vegas nach Austin, von Cleveland nach Charlotte. Immer war uns Hillary Clinton zum Greifen nahe - und doch so fern: die Präsidentschaftskandidatin auf der Bühne, die Reporter hinter stählernen Gattern, wie Vieh im Gatter, gehütet von streng dreinblickenden Wahlkampfhelfern. Mit ihr sprechen durften nur die Auserwählten der "Traveling Press": jene US-Reporter, die mit ihr im Jet flogen, für Abertausende Dollar.

Wie schnell sich das Blatt wendet: Der Vorwahlkampf ist vorbei - und der Demokratin ist nichts geblieben als 25 Millionen Dollar Schulden. Die Miesen abzustottern, erweist sich nun offenbar als weitaus schwieriger als gedacht.

Clintons Plan war es gewesen, dass der siegreiche Barack Obama ihr galant dabei helfen solle - denn der scheffelt Geld en masse. Im Gegenzug wollte Clinton ihm weiteres Engagement im Wahlkampf garantieren. Doch Obamas Geldspender scheinen wenig Lust zu haben, die bösen Attacken Clintons auf ihren Heroen rückwirkend zu finanzieren.

"Ganz unter uns"

Deshalb nun dieser Schachzug: "Lieber Marc", begann eine E-Mail von Hillary Clinton, die ich kürzlich erhielt. "Es ist wirklich schön, ein bisschen mehr Zeit zu haben, und ich würde einen Teil davon gerne mit Dir verbringen. Möchtest Du mit mir zum Abendessen gehen?"

Nach all den gescheiterten journalistischen Annäherungsversuchen an die Kandidatin nun das? Ich solle nicht böse sein, schrieb Clinton, so sei das nun mal, wenn man viel zu tun habe, zum Beispiel mit einem erfolglosen Wahlkampf: "Dies ist meine erste Gelegenheit, mich mit Dir hinzusetzen und ein bisschen Zeit mit Dir zu verbringen, ganz unter uns." Man könne "über alles sprechen, was Du willst". Ein romantisches Picknick vielleicht: "Dinner unter den Sternen."

Doch zu früh gefreut. Die Sache hatte einen Haken, wie auch schon Clintons "Liebesbrief" zum Valentinstag im Februar. Beide "persönlichen" E-Mails waren natürlich computergesteuerte Massenpost, die an alle Abermillionen Adressen in Clintons Wahlkampfverzeichnis gesendet wurden - nichts anderes als Spendenaufrufe, damals wie heute.

Der jetzige Aufruf ging jedoch ein bisschen weiter. Für eine Gabe von nur fünf Dollar, so Clinton, könne man ein Date mit ihr gewinnen - ohne Bill, wohlgemerkt. Der Erlös werde mit den Millionen Dollar verrechnet, die sie "kleinen Betrieben im ganzen Land" schulde. Was wiederum nicht ganz stimmt. Denn Clinton ist ihrem jüngsten Buchhaltungsbericht zufolge vor allem bei vielen großen Telemarketing- und Direktmail-Firmen im Rückstand, etwa bei MSHC Partners (921.409 Dollar) und O'Brien McConnell & Pearson (385.223 Dollar). 

"Es wird eine Nacht werden, die Du genießen wirst"

Allerdings, selbst ihr einstiger Rivale braucht trotz seines demokratischen Siegeszugs weiterhin jeden Cent. Auch Obama kann man mit etwas Glück und ein paar Dollar näher kennenlernen - dafür trommelte Ehefrau Michelle in einer E-Mail an Unterstützer. So werden beispielsweise zehn Obama-Fans, die sich mit einer Spende bis zum 31. Juli bewarben, den US-Senator rund um den Demokraten-Parteitag Ende August in Denver begleiten. Inklusive Flug nach Colorado und Hotelzimmer. Michelle Obamas Appell: "Leistet noch heute Euren Beitrag und Ihr könntet Eure eigene Backstage-Geschichte mit Barack erzählen." Solche privaten Spende-Aktionen sind in US-Wahlkämpfen nicht ganz neu.

Hillary Clintons Tombola scheint aber nicht ganz so zu laufen wie geplant, trotz des Hauptpreises, einem Dinner-Date mit der First Lady a.D. Denn zwei Tage später landete eine weitere E-Mail in meinem elektronischen Briefkasten - diesmal von Bill Clinton. "Lieber Marc", begann auch diese Avance, doch der Ton war nun etwas drängender.

Nach einer erneuten "Jetzt-haben-wir-endlich-Zeit-Füreinander"-Charmeoffensive kam auch der Ex-Präsident schnell zur Sache: Fünf Dollar, und Hillary ist dein. Und dann legte er noch einen drauf: "Es wird eine Nacht werden", prophezeite er, und man konnte seine Augen zwinkern sehen, "an die Du dich noch lange erinnern und die Du wirklich genießen wirst".

So weit ist es also gekommen. Der Ex-Präsident verkuppelt seine Gattin - für den Preis einer kubanischen Zigarre. Fünf Millionen Bewerber müsste es da schon geben, um vollends die Schuld zu tilgen, die Hillary Clinton in all den Wochen angehäuft hat, in denen wir artig hinter den Stahlgattern warten mussten.

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