Colin Powell über Saddam "Er ist Müll, der abgeholt werden muss"

US-Präsident George W. Bush hält es nur für eine Frage der Zeit, bis Saddam Husseins Massenvernichtungsarsenal gefunden und der Ex-Diktator gefasst wird. Sein Außenminister Colin Powell fand drastischere Worte für den flüchtigen früheren irakischen Staatschef.

Washington - "Saddam Hussein ist nicht mehr länger eine schlechte Nachricht", sagte Powell der Nachrichtenagentur Reuters in Washington. "Er ist Müll, der darauf wartet, abgeholt zu werden." Die Schlinge um den Hals des Ex-Diktators ziehe sich weiter zu, sagte der US-Außenminister. "Aber ich kann nicht darüber spekulieren, wie nahe man dran ist, Saddam Hussein tatsächlich zu fassen."

Ähnlich optimistisch gab sich auch Bush. Er wisse nicht, wie dicht die Fahnder Saddam auf den Fersen seien, sagte der US-Präsident auf seiner ersten offiziellen Pressekonferenz seit mehr als vier Monaten im Rosengarten des Weißen Hauses. Die USA und ihre Verbündeten würden ihre Einsätze im Irak und in Afghanistan jedoch erfolgreich abschließen. "Wir werden den Krieg gegen Terror gegen jeden Feind führen, der etwas gegen unser Volk im Schilde führt", sagte Bush.

Die US-Soldaten durchkämmten am Mittwoch bei der Suche nach Saddam erneut Dörfer in der Nähe seiner Heimatstadt Tikrit. In der vergangenen Woche waren dessen Söhne Udai und Kussei von US-Soldaten getötet worden. Die USA haben 25 Millionen Dollar Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung Saddams führen.

Der Tod der beiden Saddam-Söhne habe das Vertrauen der Iraker in die Besatzungsmacht gestärkt, behauptete Bush. Die USA hätten der irakischen Bevölkerung damit gezeigt, dass das alte Regime für immer vernichtet sei.

Bush gab sich nach wie vor überzeugt, "dass der Irak von Saddam Hussein eine Bedrohung für die USA und für den Frieden in der Region war". Die Wahrheit über das Waffenprogramm des gestürzten irakischen Machthabers werde ans Licht kommen. Der Präsident mahnte zugleich zur Geduld. Mittlerweile seien im Irak Berge von Dokumenten gefunden worden, und es erfordere Zeit, diese Unterlagen zu analysieren.

Zuvor hatten die US-Streitkräfte mitgeteilt, dass die Angriffe auf amerikanische Soldaten im Irak offenbar von Guerillakämpfern aus dem Ausland unterstützt würden. Im Norden des Landes seien Granaten mit Raketenantrieb gefunden worden, die mit Zeitzündern verdrahtet waren. Solche Waffen setzten Rebellenkämpfer in Afghanistan ein, hieß es.

Generalstabschef Richard Myers bestätigte in einem von dem pakistanischen Fernsehsender Geo-TV ausgestrahlten Interview die Anwesenheit der nicht-irakischen Guerillakämpfer. "Wir wissen sicher, dass es fremde Kämpfer gibt, die aus Syrien stammen, und tatsächlich wurden vor einigen Wochen 80 von ihnen in einem Trainingslager angeheuert, und es waren keine Iraker", sagte Myers. Für die Angriffe auf US-Truppen in Afghanistan werden al-Qaida-Terroristen und frühere Taliban-Kämpfer verantwortlich gemacht.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.