Corazon Aquino Frühere philippinische Präsidentin ist tot

Die ehemalige philippinische Präsidentin Corazon Aquino ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Aquino litt an Darmkrebs. In ihrer Heimat galt sie als Vorkämpferin der Demokratie.


Manila - "Unsere Mutter ist friedlich um 3.18 Uhr (Ortszeit, Anm. d. Red.) am 1. August an einem Herz- und Lungenstillstand gestorben", sagte Senator Benigno "Noynoy" Aquino III. Cory, wie die früherer Präsidentin auf den Philippinen liebevoll genannt wurde, war seit Ende Juni wegen ihres Darmkrebsleidens in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Manila. Zuvor hatte sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert und der Krebs auf andere Körperteile übergegriffen.

Ex-Präsidentin Aquino (2005): Im Alter von 76 Jahren gestorben
REUTERS

Ex-Präsidentin Aquino (2005): Im Alter von 76 Jahren gestorben

Aquino war die Vorkämpferin der Demokratie in ihrer Heimat: Sie löste 1986 nach 20 Jahren der Unterdrückungsherrschaft den Diktator Ferdinand Marcos mit einer friedlichen Revolution ab und überstand dann in sechs Jahren ihrer Regierungszeit sieben Putschversuche.

Ein schwerer Schicksalsschlag hatte die ehemalige Hausfrau in die Rolle der Oppositionsführerin katapultiert. Als ihr Mann, Oppositionsführer Benigno "Ninoy" Aquino, 1983 aus dem US-Exil zurückkehrte, um Marcos herauszufordern, wurde er noch auf dem Flughafen erschossen - wie sich später herausstellte, vom Militär. Die Ermordung brachte die Philippiner gegen Marcos auf und verlieh der Opposition Schwung.

Die ehemalige Hausfrau war nach dem Volksaufstand gegen Diktator Ferdinand Marcos von 1986 bis 1992 Präsidentin der Philippinen. Ihr Mann Benigno Aquino, ein prominenter Marcos-Gegner, war 1983 bei seiner Rückkehr aus dem Exil auf dem Flughafen von Marcos-Schergen erschossen worden. Nach dem Mord wuchs der Widerstand gegen den Diktator und gipfelte schließlich in dem Umsturz des Marcos-Regimes.

Aquino stand in der ersten Reihe zahlloser Massenproteste nach der Ermordung ihres Mannes. Als der bedrängte Marcos 1986 plötzlich Blitzwahlen ausrief, ließ sie sich widerwillig auf eine Kandidatur ein. Der vermeintliche Wahlsieg, den Marcos kurz nach einer völlig undurchsichtigen Stimmenauszählung verkünden ließ, führte zu heftigen Protesten. In dem viertägigen Volksaufstand brachte sie Marcos und seine Familie zu Fall und trieb ihn in die Flucht nach Hawaii.

Sie entließ politische Gefangene aus den Gefängnissen, in denen auch ihr Mann jahrelang ausgeharrt hatte. Doch die unerfahrene Politikerin hatte auch mit kommunistischen Rebellen und reaktionären Putschisten zu kämpfen, und rieb sich im Gezerre um eine neue Verfassung und eine Agrarreform auf. 1992 trat sie nicht erneut zur Wahl an.

Weil sie den Philippinen die Demokratie zurückgebracht hatte, genoss sie nicht nur zuhause, sondern auch international hohes Ansehen. Das US-Nachrichtenmagazin "Time" machte Aquino 1986 zur "Frau des Jahres", 1987 wurde sie für den Friedensnobelpreis nominiert.

Aquino, die die jetzige Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo 2001 unterstützt hatte, wurde zu einer scharfen Kritikerin ihrer Amtsnachfolgerin, die nach den umstrittenen Wahlen 2004 der Fälschung bezichtigt worden war. Sie hatte in dem Zusammenhang Arroyo zum Rücktritt aufgefordert.

wit/dpa/AP/AFP



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