Couchsurfing USA Zu Gast beim Fan der Mini-Partei

Der nächste US-Präsident wird Republikaner oder Demokrat sein, soviel ist sicher. Doch es gibt in Amerika auch Mini-Parteien wie zum Beispiel die Libertarians. Einer ihrer größten Unterstützer ist Peter aus San Rafael, ein begnadeter Koch und mein nächster Couch-Gastgeber.

Astrid Langer

Von Astrid Langer


Steile Klippen, das tobende Meer, Möwen und Seehunde am Strand - die Route 1 von Santa Cruz nach San Francisco zählt zu den schönsten Küstenstraßen der USA. Trotz angekündigtem Unwetter scheint heute die Sonne, als ich im Auto nach Norden fahre. Hoffentlich hält meine Glückssträhne an - in wenigen Stunden werde ich bei meinen nächsten Couch-Surfern vor der Tür stehen. Peter und Petra leben in San Rafael, nördlich von San Francisco, und arbeiten dort als Umweltingenieure - das ist so ziemlich alles, was ich weiß. Peter klang zumindest sehr nett, als ich eben anrief, um zu sagen, dass es bei mir etwas später wird. Die vielen Aussichtspunkte waren einfach zu schön, um daran vorbeizudüsen.

Rund 100 Meilen und drei Stunden später sitze ich vor einem Teller mit Steak, Ofenkartoffeln und frischem Gemüse. Peter, ein gemütlicher Mann mit vollem braunem Haar, ist Hobbykoch und ein begnadeter dazu. Ihm beim Kochen zuzuschauen war allein schon ein Genuss: wie er die Zucchinis für den Salat schnibbelte, den Parmesan hobelte und die Pinienkerne und das Olivenöl darüber tröpfelte. Während Peter das Kochen zelebrierte, führte mich Petra durch ihren Garten mit Tomatensträuchern, Feigenbäumen und Zitronenstauden. Petra stammt gebürtig aus Esslingen, lebt aber seit 18 Jahren in Kalifornien. Auch nach so vielen Jahren ist der amerikanische Wahlkampf für sie ein Zirkus, eine riesige Show. "Ich wünschte, es ginge mehr um Inhalte als um das Aussehen der Kandidaten", sagt sie.

Wählen darf Petra zwar nicht in den USA, dafür müsste sie ihre deutsche Staatsbürgerschaft abgeben. Über amerikanische Politik diskutiert sie trotzdem gerne. Besonders gut geht das mit ihrem Mann Peter. Er ist das, was man in den USA einen "Libertarian" nennt, also einen Verfechter persönlicher Freiheiten und eines minimalen Staates. Peter stammt aus dem Bundesstaat Maine an der Ostküste und hat schon die ganze Welt bereist. Ein Jahr nahm er seine drei Söhne aus der Schule, um mit ihnen von Südamerika bis nach Nepal am Äquator entlang zu reisen. Das hat sein Weltbild geprägt: Wenn es nach Peter ginge, gäbe es keine Landesgrenzen, die Steuern wären viel niedriger als sie es derzeit sind und Marihuana würde legalisiert. Petra lacht nur, als Peter das erzählt.

"Endlich raus Afghanistan"

Der Sieger am 6. November wird ganz sicher Romney oder Obama heißen, Peter's Stimme bekommt aber keiner von beiden. Ron Paul mag er, Romney findet er furchtbar. Peters Stimme geht an den Kandidaten der "Libertarian Party", Gary Johnson, ehemaliger Gouverneur von New Mexiko. Dessen Wahlprogramm sieht vor, die amerikanische Zentralbank abzuschaffen, alle Grenzen zu öffnen und Guantanamo zu schließen. Schätzungen zufolge wird Johnson wohl ein bis eineinhalb Prozent der Wählerstimmen bekommen. Manche Kritiker sagen, dass man seine Stimme verschwende, wenn man nicht für Republikaner oder Demokraten stimmt. Das sieht Peter ganz anders. "Bei einer kleinen Partei hat meine Stimme viel mehr Gewicht", findet er. Außerdem sei Kalifornien so oder so demokratisch, unabhängig von seinem Wahlentscheid.

Das Thema, das Peter am meisten bewegt, ist die Außenpolitik der USA. "Der Krieg in Afghanistan ist absoluter Quatsch, wir sollten da endlich raus", sagt er zwischen zwei Bissen Steak. Die letzte TV-Debatte fand er fürchterlich, weil beide Kandidaten die USA als Weltpolizei dargestellt hätten. "Wir sollten andere Länder in Ruhe lassen und uns aus deren Angelegenheiten raushalten!" Petra lacht auf und streckt Peter ihre Hand entgegen, "endlich sind wir mal einer Meinung", sagt sie, und ihr Mann klatscht ab.

Das Kreuzchen hinter dem Namen des Präsidentschaftskandidaten ist für Peter aber gar nicht das wichtigste. Viel mehr interessieren ihn die elf anderen Fragen, die hier in Kalifornien auf dem Wahlzettel stehen: "Sollte die Todesstrafe abgeschafft werden?" "Sollten genetisch modifizierte Lebensmittel gekennzeichnet werden?" Beides wird er mit ja beantworten.

Voll mit köstlichem Essen und neuen politischen Ansichten lege ich mich nachts in mein Bett im Gästezimmer, das Petra schon frisch bezogen hat. Am nächsten Morgen kocht uns Peter vor meiner Weiterreise Rührei mit selbstgemachtem Pesto, dazu gibt es Feigen aus dem Garten und geräucherten Lachs, den sein Sohn gefangen hat. Pappsatt steige ich ins Auto und bin mir sicher: Egal, wo mich die Reise nun hinführen wird, so köstlich essen werde ich nirgends mehr.

insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
240379 28.10.2012
1. Freiheit
Die Freiheit, die von der die Libertarians reden, ist die Freiheit unter der nächsten Brücke zu verrecken. Keine Krankenversicherung, keine sozialen Sicherungssysteme, keine Standards bei Umweltschutz, keine Rechte für Arbeitnehmer, jeder ist sich selbst der nächste und wer nicht in der Lage ist aus eigener Kraft zu überleben hat halt Pech gehabt. Sozialdarwinismus in seiner reinsten Form.
The Geek 28.10.2012
2. Falsch
"Wählen darf Petra zwar nicht in den USA, dafür müsste sie ihre deutsche Staatsbürgerschaft abgeben." Falsch. Sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die USA erlauben die doppelte deutsch-amerikanische Staatsbuergerschaft. Als amerikanischer Staatsbuerger besitzt man das Wahlrecht, unabhaengig davon, ob man noch eine andere Staatsbuergerschaft besitzt. Nicht nur das, man kann sogar Gouverneur von Kalifornien werden: Arnold Schwarzenegger besitzt die oesterreichische Staatsbuergerschaft. Macht immer wieder Spass, diese Artikel ueber die USA in deutschen Zeitungen und Zeitschriften zu lesen. Wird da eigentlich irgendetwas auf Korrektheit ueberprueft? Anscheinend nicht.
Judge Dredd 28.10.2012
3. -
Zitat von The Geek"Wählen darf Petra zwar nicht in den USA, dafür müsste sie ihre deutsche Staatsbürgerschaft abgeben." Falsch. Sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die USA erlauben die doppelte deutsch-amerikanische Staatsbuergerschaft. Als amerikanischer Staatsbuerger besitzt man das Wahlrecht, unabhaengig davon, ob man noch eine andere Staatsbuergerschaft besitzt. Nicht nur das, man kann sogar Gouverneur von Kalifornien werden: Arnold Schwarzenegger besitzt die oesterreichische Staatsbuergerschaft. Macht immer wieder Spass, diese Artikel ueber die USA in deutschen Zeitungen und Zeitschriften zu lesen. Wird da eigentlich irgendetwas auf Korrektheit ueberprueft? Anscheinend nicht.
So viel ich weiß, darf ein Deutscher nur die deutsche und amerikanische Staatsbürgerschaft besitzen, wenn er dies hinreichend begründen kann und eine Beibehaltungsgenehmigung von Deutschland erhält. Dies kann der Fall sein, wenn z.B. nahe Verwandte in Deutschland leben oder man in Deutschland einen Wohnsitz oder einen Unternehmensstandort hat. Ist dies alles nicht der Fall oder wird es vom Staat nicht anerkannt, so muss man die deutsche Staatsbürgerschaft ablegen, um die US-amerikanische anzunehmen. Beantragt man diese Beibehaltungsgenehmigung nicht, so verliert man automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft. Ich habe auch nur noch die US-amerikanische, allerdings habe ich die deutsche abgelegt, weil ich zwar in Deutschland aufgewachsen, aber in Texas geboren wurde und mich mit Deutschland nie identifizieren konnte. Wurde die Beibehaltungsgenehmigung der Frau abgelehnt, so macht der Artikel Sinn. Das dies generell der Fall ist, stimmt aber eindeutig nicht, da haben sie dann wieder recht.
lug&trug 28.10.2012
4. SPON Geographie
Zitat von sysopAstrid LangerDer nächste US-Präsident wird Republikaner oder Demokrat sein, soviel ist sicher. Doch es gibt in Amerika auch Mini-Parteien wie zum Beispiel die Libertarians. Einer ihrer größten Unterstützer ist Peter aus San Rafael, ein begnadeter Koch und mein nächster Couch-Gastgeber. http://www.spiegel.de/politik/ausland/couch-surfing-zu-gast-bei-peter-in-san-rafael-a-863343.html
SPON macht sich die Welt widde-widde-wie sie ihm gefällt... Kann natürlich auch sein, dass der Reisende Quark erzählt oder die Schreiberin ihn nicht richtig verstanden hat. Aber so ein bisschen auf inhaltlichen Müll prüfen könnte man die Artikel doch. Und die auf der Karte dargestellte Route von Santa Cruz nach San Rafael/San Francisco ist nicht die im Artikel erwähnte gemütliche Küstenstraße (Highway/Route 1), sondern der "Nimitz Freeway" (Interstate 880), der im Inland das Silicon Valley mit Oakland verbindet.
koala2 28.10.2012
5. Wahl zwischen Pest und Cholera
In den USA besteht nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Die Libertarians scheinen auch etwas merkwürdige Ansichten zu besitzen, wenn sie Drogen legalisieren wollen.
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