D-Day-Feiern Festung Paris erwartet US-Präsident Bush

Etwa eine Million Menschen werden am Sonntag zu den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie erwartet. Von den 24 Staats- und Regierungschefs aus 16 Ländern werden angesichts der massiven Sicherheitsvorkehrungen nur die wenigsten etwas zu sehen bekommen.


Arc de Triomphe in Paris: Verkehrschaos durch Großdemonstration und 20.000 Sicherheitsleute
DPA

Arc de Triomphe in Paris: Verkehrschaos durch Großdemonstration und 20.000 Sicherheitsleute

Paris - Sicherheit wurde seit jeher groß geschrieben in der Normandie, doch in diesem Jahr herrscht für Polizei und Geheimdienste Ausnahmezustand. Aber nicht allein wegen der Angst vor Terroranschlägen sprengen die Sicherheitsmaßnahmen zu den Gedenkfeiern jeden bis jetzt da gewesenen Rahmen. Auch die Protestaktionen gegen die Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush rauben den Sicherheitsleuten den Schlaf. Um absolut jeden Zwischenfall auszuschließen, richteten sie in großem Abstand rund um das Gelände der Feierlichkeiten eine hermetische abgeschottete Sicherheitszone ein.

Fahrzeuge ohne Sondererlaubnis werden bereits 100 Kilometer vor der Küste abgefangen. In Arromanches am Gold Beach, wo am Sonntag die Hauptzeremonie stattfindet, patrouillieren seit Tagen Hubschrauber. Mirage-Jäger, AWACS-Aufklärungsflugzeuge und Boden-Luft-Raketen haben die Franzosen in Stellung gebracht, um die 17 offiziellen Feiern entlang der Landungsstrände Sword, Juno, Gold, Omaha und Utah sowie in Caen und Bayeux zu sichern. An den Landesgrenzen Frankreichs sind ausnahmsweise sogar wieder Grenzkontrollen eingeführt worden.

Angesichts des massiven Aufgebots haben die rund dreißig linksgerichteten politischen Parteien und Menschenrechtsgruppen ihre Großkundgebungen für Samstag nach Paris verlegt. Doch auch in der französischen Hauptstadt geben die Sicherheitskräfte kein Pardon. Rund 20.000 Polizisten und Soldaten, darunter hunderte US-Spezialisten, führten bereits am Freitag intensive Kontrollen durch. Rund um den Place de la Concorde ging am gestrigen Freitag bereits nichts mehr. Autofahrer kamen nur mit speziellen Passierscheinen durch.

Soldatenfriedhof in der Normandie: Sicherheit durch Mirage-Jäger und AWACS-Aufklärer
DPA

Soldatenfriedhof in der Normandie: Sicherheit durch Mirage-Jäger und AWACS-Aufklärer

Erwartet werden zu den Gedenkfeiern rund 15.000 geladene Gäste, 8000 Weltkriegs-Veteranen und insgesamt etwa eine Million Besucher. Bush wird am Sonntag zunächst den amerikanischen Friedhof in Colleville-sur-Mer besuchen. Dort liegen tausende junger Soldaten begraben, die an dem blutigsten Strandabschnitt "Omaha-Beach" am 6. Juni 1944 starben. Am Ende des "längsten Tages" war der Wendepunkt im Kampf gegen Nazi-Deutschland erreicht.

Bundeskanzler Gerhard Schröder, der als erster deutscher Regierungschef an den Feierlichkeiten teilnehmen wird, verzichtet dagegen auf den Besuch des größten deutschen Soldatenfriedhofs in Le Cambre. Die Entscheidung war insbesondere in konservativen Kreisen auf Kritik gestoßen.

In der Samstagsausgabe der "Bild"-Zeitung schlossen sich auch Schriftsteller wie Walter Kempowski und Ralph Giordano der Kritik an. Der Entschluss des Kanzlers sei sehr traurig und zeige, dass Deutschland mit seiner Vergangenheit nicht im Reinen sei.

Den Publizisten Peter Scholl-Latour zitierte das Blatt mit den Worten: "Es wäre besser, der Kanzler würde auch der toten Deutschen gedenken. Die dort bestatteten Angehörigen der Waffen-SS sollten ihn daran nicht hindern." Dagegen verteidigte der Historiker Reinhard Rürup laut "Bild" die Entscheidung Schröders: "Der D-Day wird begangen als ein Tag der entscheidenden Wende im Kampf gegen das Dritte Reich. An einem solchen Tag kann man nicht diejenigen besonders würdigen, die das Dritte Reich verteidigt haben."

Am Freitag hatte der Kanzler die Kritik aus CSU und FDP an seinem Besuchsprogramm zurückgewiesen. Er werde selbstverständlich einen Soldatenfriedhof besuchen und selbstverständlich der deutschen Toten gedenken. Nach Schröders Worten handelt es sich um einen Friedhof, auf dem Tote aus acht Nationen, auch Alliierte, und mehr als 300 deutsche Soldaten liegen. Das, was sich am Sonntag in der Normandie ereigne, sei zu wichtig und zu sensibel, um für parteipolitische Erwägungen instrumentalisiert zu werden.



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