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30. August 2016, 11:10 Uhr

Flüchtlinge in Dänemark

"Nie wieder Chaos mit Völkerwanderungen auf Autobahnen"

Deutlich weniger Flüchtlinge als erwartet kommen in Dänemark an. Die Regierung will die Zahl noch weiter senken - und ihre Asylpolitik verschärfen.

Dänemark erwartet in diesem Jahr viel weniger Asylbewerber als ursprünglich angenommen. Statt bislang geschätzten 25.000 Menschen rechnet die Regierung in Kopenhagen mit nur rund 10.000, die in dem Land Asyl suchen. So heißt es in einem Finanzplan, den die dänische Regierung vorstellen wollte. Dadurch sollen rund drei Milliarden Kronen (rund 400 Mio Euro) gespart werden.

"Das ist gut. Das ist Geld, das wir für etwas anderes nutzen können. Aber es sind immer noch zu viele. Die Zahl muss weiter runter", sagte Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen in einer live gesendeten Rede auf Facebook. "Deshalb müssen wir weiter verschärfen. Und wir müssen uns schützen, damit wir nie wieder Chaos mit Völkerwanderungen auf Autobahnen erleben." Ein Teil des Geldes soll in Hilfe in den Krisengebieten fließen, ein anderer Teil in den dänischen Sozialstaat investiert werden. Dänemark hatte zuletzt im Winter seine Asylgesetze massiv verschärft.

Dänemarks skandinavisches Nachbarland Norwegen rechnet derweil damit, rund die Hälfte der 2015 in das Land gekommenen Asylbewerber zurückschicken zu können. "Manche haben vielleicht gedacht, 31.000 Asylbewerber bedeuten 31.000 Flüchtlinge, die in die norwegische Gesellschaft integriert werden sollen", schrieb der Direktor der Ausländerbehörde, Frode Forfang, in seinem Blog. "In Wirklichkeit sind es sehr viel weniger, die eine Aufenthaltsgenehmigung in Norwegen bekommen." Bis zu 15.000 Menschen steht demnach eine Ablehnung ihrer Asylanträge bevor. Jeder dritte Asylbewerber kommt nach einem Bericht des Fernsehsenders NRK vom Dienstag aus Syrien. In Deutschland wurden im ersten Halbjahr 2016 mehr als 60 Prozent aller Asylanträge positiv beschieden - deutlich mehr als die Hälfte aller Antragsteller erhielten also Schutz in Deutschland.

462 Flüchtlinge kommen an einem Tag auf griechischen Inseln an

Während Dänemark und Norwegen darüber reden, wie sie die Flüchtlingszahlen weiter reduzieren oder Migranten abschieben können, sind in Griechenland plötzlich deutlich mehr Flüchtlinge ankommen als zuvor. In den vergangenen 24 Stunden hätten 462 Migranten von der türkischen Küste auf griechische Ägäis-Inseln übergesetzt, teilte der Stab für die Flüchtlingskrise in Athen mit.

Das ist die größte Zahl von Flüchtlingen und anderen Migranten, die seit Inkrafttreten des EU-Flüchtlingsabkommens mit der Türkei Anfang April an einem Tag registriert worden ist. In den vergangenen sieben Tagen zuvor waren es durchschnittlich 74 Menschen.

"Wir beobachten das Phänomen und stehen in engem Kontakt mit den türkischen Behörden", hieß es aus Kreisen des Stabes. "Wir hoffen, dass das mit dem guten Wetter zusammenhängt und nicht ein Zeichen seitens der Türkei ist", sagte ein Offizier der Küstenwache der Deutschen Presse-Agentur. Gemeint ist das Abkommen der EU mit der Türkei. Im Zuge des Paktes hatte die Türkei zugesagt, alle Flüchtlinge zurückzunehmen, die seit dem 20. März Griechenland erreichen.

Video: Rettungsaktion vor Sizilien

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