Dänemark Polizei nimmt drei Terrorverdächtige fest

Der Zugriff erfolgte an mehreren Orten gleichzeitig: Im Großraum Kopenhagen hat die Polizei am Freitag drei Männer festgenommen. Sie sollen einen Anschlag geplant haben. Stehen sie womöglich in Verbindung mit den Terrorverdächtigen im Fall der Mohammed-Karikaturen?

DPA

Kopenhagen - Während laufender Gerichtsverhandlungen gegen die Verdächtigen, die wegen der umstrittenen Mohammed-Karikaturen einen Anschlag auf die Zeitung "Jyllands-Posten" geplant haben sollen, geraten in Dänemark drei weitere Männer ins Visier der Justiz. Der dänische Geheimdienst PET und die Polizei des Landes haben am Freitag drei Männer unter dem Verdacht der Planung eines Anschlags festgenommen.

Es handle sich um einen 22-jährigen Jordanier und einen 23 Jahre alten Türken, die beide in Dänemark lebten, sowie einen in Ägypten lebenden Dänen, teilte der Geheimdienst mit. Sie würden verdächtigt, "Schnellfeuerwaffen zu besitzen und einen Terrorakt geplant zu haben".

Den Angaben der Behörden zufolge wurden die Männer an zwei verschiedenen Orten im Großraum der dänischen Hauptstadt Kopenhagen gefasst. Es habe Durchsuchungen gegeben. Die Polizei beschlagnahmte offenbar drei Autos im Vorort Herlev. Die Festgenommenen mit wahrscheinlich radikalislamistischem Hintergrund sollen am Samstag einem Haftrichter vorgeführt werden. Im Großraum Kopenhagen werden nach weiteren Verdächtigen gesucht.

Details zu dem mutmaßlich geplanten Anschlag nannte der Geheimdienst nicht. Auch ob sie womöglich in Verbindung mit den Terrorverdächtigen im Fall der Mohammed-Karikaturen stehen, wurde bislang nicht bekannt.

Ein Gericht der dänischen Hauptstadt verhandelt derzeit gegen vier Männer, denen die Vorbereitung eines Terroranschlags auf die Kopenhagener Redaktion der Zeitung "Jyllands-Posten" vorgeworfen wird. Der Prozess hatte Mitte April begonnen. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft wollten die Männer bei dem geplanten Angriff im Dezember 2010 so viele Menschen wie möglich töten. Der Vergeltungsanschlag soll auch dem dänischen Kronprinzen Frederik gegolten haben.

Die Zeitung "Jyllands-Posten" hatte im Jahr 2005 zwölf Mohammed-Karikaturen veröffentlicht, die den islamischen Propheten unter anderem als Terroristen mit Bombe im Turban zeigt. Die Karikatur war in vielen westlichen Zeitungen nachgedruckt worden und löste teils gewaltsame Proteste in islamischen Ländern aus.

Bereits Ende Januar waren in Oslo zwei Terrorverdächtige zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden, weil sie einen Sprengstoffanschlag auf die "Jyllands-Posten" und den Karikaturisten Kurt Westergaard geplant hatten. Der heute 76-jährige Westergaard hatte einen Mordanschlag am Neujahrstag 2010 in seinem dänischen Haus in Aarhus nur knapp überlebt.

bos/AFP/dpa/Reuters

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