Bürgerkrieg in Syrien Regime meldet Bombenanschlag auf Staatsfernsehen

In Syrien ist nach Angaben der Regierung ein Anschlag auf ein Gebäude des staatlichen Fernsehens und Rundfunks verübt worden. Bei der Bombenexplosion seien drei Menschen verletzt worden.

Bild aus syrischem Staatsfernsehen: Bombenexplosion im TV-Gebäude
AFP / Syrian TV

Bild aus syrischem Staatsfernsehen: Bombenexplosion im TV-Gebäude


Beirut - Auf ein Gebäude des staatlichen Fernsehens und Rundfunks in Syrien ist nach offiziellen Angaben ein Bombenanschlag verübt worden - den Angaben zufolge explodierte der Sprengsatz im dritten Stock des Gebäudes. "Mehrere Mitarbeiter" seien verletzt worden, sagte Informationsminister Omran al-Soabi. Schwerverletzte und Tote habe es aber nicht gegeben und das Programm sei nicht unterbrochen worden, fügte er hinzu.

Das Gebäude liegt im Bezirk Omajjad, einer streng gesicherten Zone der Stadt mit zahlreichen Sicherheitskontrollen. Auch für den Eintritt in das Rundfunkgebäude sind mehrere Kontrollen nötig. Am 18. Juli war in Damaskus ein Anschlag auf den innersten Zirkel der Regierung unter Staatschef Baschar al-Assad verübt worden. Dabei waren vier ranghohe Sicherheitsvertreter getötet worden. Die vor allem aus Deserteuren gebildete Freie Syrische Armee hatte die Verantwortung für den Angriff übernommen.

In Damaskus hatten nach tagelangen heftigen Kämpfen Assads Truppen mit dem Stadtviertel al-Tadamun die letzte Rebellenhochburg zurückerobert. Nach Angaben eines lokalen Aktivisten sollen die Sicherheitskräfte bei Hausdurchsuchungen mehrere Menschen an Ort und Stelle erschossen haben. Von unabhängiger Seite lassen sich diese Informationen nicht überprüfen.

Als nächstes will Assad die Wirtschaftsmetropole Aleppo von den Aufständischen komplett zurückerobern. Regierungstruppen attackierten mehrere Stadtviertel, berichteten die syrischen Menschenrechtsbeobachter in der Nacht zum Montag im Internet.

Im britischen Sender BBC hieß es am Sonntagabend, die syrischen Regierungstruppen seien in Vorbereitung auf einen noch größeren Angriff auf Aleppo ständig verstärkt worden. Eine große Zahl von Soldaten sowie Panzern und anderen Militärfahrzeugen sei zusammengezogen worden, berichtete BBC-Korrespondent Richard Galpin von der türkischen Grenze. Kampfflugzeuge, Helikopter und Artillerie hätten Positionen der Rebellen attackiert.

Das Rote Kreuz appellierte an Regierung und Rebellen, keine Gewalt gegen Zivilisten anzuwenden. Als eines der ersten europäischen Länder erwägt die Schweiz die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen. Man prüfe Möglichkeiten zur Hilfe für eine begrenzte Zahl von Syrern, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Migration in Bern.

48 iranische Pilger entführt

Russische Medien berichteten, dass dem Regime vor allem raffinierte Erdölprodukte wie Diesel ausgehen. Die Delegation um Vizeregierungschef Kadri Dschamil habe in Moskau "eine gewisse Summe in harter Währung beantragt, um die komplizierte Lage in Syrien zu überbrücken". Von russischer Seite lag zunächst keine Reaktion vor.

Am Samstag entführte eine islamistische Aufständischen-Gruppe in Damaskus 48 iranische Pilger, denen sie unterstellt, feindliche Agenten zu sein. Iran ist einer der engsten Verbündeten von Machthaber Baschar al-Assad - die Rebellen bekommen vom iranischen Erzrivalen Saudi-Arabien Geld und Waffen. Knapp 17 Monate Rebellion und die Sanktionen des Westens haben Syrien auch wirtschaftlich ausbluten lassen.

Ein Video, das der saudische Nachrichtensender al-Arabija am Sonntag ausstrahlte, zeigt einen Teil der entführten Iraner in der Gewalt der sogenannten al-Baraa-Märtyrerbrigade. Sie hatte sich im Februar mit dem Ziel gegründet, Einrichtungen des Assad-Regimes mit Selbstmordanschlägen anzugreifen. Der Kommandeur der Einheit, Nasser al-Schumeir, hält ausweisartige Dokumente in die Kamera, die die Zugehörigkeit der Entführten zu den iranischen Revolutionsgarden beweisen sollen. Unabhängig überprüfen ließ sich das nicht.

Das iranische Außenministerium entgegnete, dass es sich bei den Entführten einzig um gottesfürchtige Pilger handele. "Wir weisen diese Berichte einiger arabischer Medien kategorisch zurück", sagte ein Ministeriumssprecher am Sonntag in Teheran.

anr/dpa/dapd/Reuters/AFP

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uschikoslowsky 06.08.2012
1.
Das waren die bestimmt selber. Die guten für die Freiheit kämpfenden und bedacht handelnden Rebellen würden sowas ja nie machen! Oder?
Raphael 06.08.2012
2. Einmal ein Lob an den SPON
Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einmal ein Lob an den SPON richten könnte aber immerhin ist dieser Bericht teilweise differenziert geschrieben worden, sogar mit Vermerken, dass einige Angaben nicht überprüft werden können. Offenbar tut sich was in der Redaktion und man schaltet die Köpfe wieder zum selbstständigen Denken ein. Dass es nun gezielte Angriffe auf das syrische Staatsfernsehen gibt, bestätigt auch frühere Meldungen, nachdem dieser Krieg letztlich dadurch gewonnen werden soll, dass in den Medien die Niederlage Assads verkündet werden soll, obwohl dies nicht den Tatsachen entspricht. Das letzte Hindernis bei der Durchführung eines solchen Planes würde das syrische Staatsfernsehen darstellen. Sobald es keine Darstellungen mehr von syrischer Seite gibt, kann der Westen berichten was er will und niemand wird mehr eine Gegendarstellung zu hören bekommen. Dann kann man, a'la Wag the dog, den Krieg rein medial zu Ende bringen. Es handelt sich dabei zwar nur um eine Spekulation aber der gezielte Angriff auf das Staatsfernsehen ist ein erhärtender Hinweis auf die Richtigkeit dieser Vermutung. Die Glaubwürdigkeit der westlichen Medien hat ohnehin unter dieser Krise mehr als gelitten und wer einmal lügt, dem glaubt man nicht mehr. In diesem Sinne bin ich froh, dass es offenbar doch wieder Tendenzen hin zur journalistischen Ehrlichkeit gibt. Daumen hoch.
membot 06.08.2012
3. titel
Zitat von uschikoslowskyDas waren die bestimmt selber. Die guten für die Freiheit kämpfenden und bedacht handelnden Rebellen würden sowas ja nie machen! Oder?
Warum sollten die "Guten" so was nicht machen? Die Informations- und Propagandakanäle des Feindes zu zerstören, gehört in jedem Krieg zu einem der wichtigen Ziele.
JDR 06.08.2012
4. ...
Zitat von uschikoslowskyDas waren die bestimmt selber. Die guten für die Freiheit kämpfenden und bedacht handelnden Rebellen würden sowas ja nie machen! Oder?
Och, die Assad-Schergen machen sowas schon, aber im Moment scheint eher ein Beürfnis zu herrschen, so etwas wie "Kontrolle" zu demonstrieren ...
nachdenklich1 06.08.2012
5. Regime meldet Bombenanschlag
Bei befreundeten Ländern würde man "Regierung meldet Terroranschlag" als Überschrift wählen... Manchmal zeigt schon die Überschrift wo die Sympathien liegen.
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