Deal mit der CIA Irakischer General soll Saddam verraten haben

Maher Sufian al-Tikriti hatte eine große Aufgabe: In Bagdad sollte die Einheit des Generals den Feind in blutige Gefechte verwickeln. Doch jetzt erhält ein Gerücht neue Nahrung: Die CIA soll den General gekauft haben - für 25 Millionen Dollar. Saddam bemerkte den Verrat zu spät.

Hamburg - Offiziell ist Maher Sufian al-Tikriti seit dem 6. April tot. Das amerikanische "Marine Combat Headquarter" verkündete sein Ableben zwei Tage später in einer Pressemitteilung. Der General, ein Cousin Saddam Husseins, der in dessen Republikanischer Garde eine Spezialeinheit befehligte, sei in einem weißen Toyota mit seinem Chauffeur in eine amerikanische Straßensperre geraten und dort zu Tode gekommen. Viele Medien veröffentlichten die Meldung in jenen letzten Kriegstagen. Die meisten werteten den Vorfall als Indiz dafür, dass selbst hochrangige Militärs keinen Schimmer davon hatten, wie weit die feindlichen Streitkräfte schon vorgedrungen waren.

Doch immer mehr Beobachter zweifeln am Wahrheitsgehalt der Meldung. Vielmehr sei Tikriti an just dem Tag, als sein Tod publik gemacht wurde, von den Amerikanern in einem Militärflugzeug des Typs C-130 ausgeflogen worden. Die erste US-Maschine, die am 8. April auf dem gerade erst eingenommenen Flughafen von Bagdad gelandet sei, habe den Verräter Saddams und etwa 20 Personen aus seinem Umfeld an einen sicheren Ort transportiert - vermutlich auf einen US-Stützpunkt außerhalb des Irak. Das schreibt die französische Wochenzeitung "Le Journal du Dimanche". Ein weiterer General und Verwandter Tikritis, Ali Abdul Raschid al-Tikriti, sei ebenfalls an Bord gewesen.

Die wöchentlich erscheinende ägyptische Oppositionszeitung "al-Usbu" berichtet, der Vertrauensmann des irakischen Diktators habe sich von einem amerikanischen Geheimdienst 25 Millionen Dollar bezahlen lassen. Dafür habe er seine Kämpfer zurückgezogen und der US-Armee den geheimen Verteidigungsplan der Iraker mitgeteilt. Dieser habe vor allem darin bestanden, in sieben mit Öl gefüllten Gräben von ungefähr fünf Metern Tiefe ferngesteuert Dynamit explodieren zu lassen. Die Explosionen sollten mindestens 25.000 feindliche Soldaten in den Tod reißen.

Nicht nur Geld und freies Geleit sollen die USA dem irakischen Befehlshaber für seine unschätzbare Hilfe bei der Einnahme Bagdads nach dieser ägyptischen Quelle zugesichert haben. Auch ein hochrangiger Posten im Nachkriegsirak sei ihm versprochen worden.

Ein anderer irakischer General habe bestätigt, dass Tikriti seinen Soldaten befohlen habe, die Waffen ruhen zu lassen und sich zurückzuziehen, schreibt das "Journal du Dimanche". Saddam Hussein soll den Verrat erst begriffen haben, als am 7. April die ersten Panzer durch Bagdad rollten. Dem alten irakischen Regime nahe stehende Personen sollen dem französischen Blatt zufolge Saddam am 7. April beim Beten in der Moschee Abu Hanifa beobachtet haben, wie er immerzu wiederholt habe: "Ich bin verraten worden."

Eine nicht näher bezeichnete "arabische diplomatische Quelle" wird von der Zeitung wie folgt zitiert: "Die Irak-Angelegenheit war zu mehr als 60 Prozent eine Sache der Geheimdienste, wobei die Leute der CIA mit denen von (US-Verteidigungsminister) Donald Rumsfeld konkurriert haben. Viele Koffer voller Dollars waren im Umlauf."

Dass sich die USA den Sieg in Bagdad auch einige Bestechungsgelder kosten ließen, geben auch Quellen aus amerikanischen Regierungskreisen mittlerweile zu. Die in England erscheinende Zeitung "The Independent" will jedoch von einem Mitarbeiter des Pentagons erfahren haben, die Summe sei nicht besonders hoch gewesen.

Überlebende Anhänger Saddam Husseins in Bagdad sind ebenfalls überzeugt, in der Armeeführung habe ein Verräter gesessen, der sie im Stich ließ und es sich auf Kosten der Amerikaner jetzt gut gehen lässt. Doch gehen bei den betroffenen Soldaten die Meinungen auseinander, wer der Verbindungsmann der Amerikaner gewesen sei.

Niemand hat Maher Sufian al-Tikriti seit dem 6. April gesehen, und aus den Vereinigten Staaten gibt es keinerlei Bestätigung für die Theorien, die sich um ihn ranken. Eine plausible Erklärung, wieso die Iraker ihre Hauptstadt fast ohne Gegenwehr dem Feind überließen, bleiben die Amerikaner allerdings ebenfalls schuldig.

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