Deal mit NBC Obama besiegelt historischen Olympia-Werbepakt

Es ist der größte politische Werbedeal in der Geschichte der Olympischen Spiele: US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama wird für fünf Millionen Dollar Co-Sponsor der NBC-Berichterstattung. Ein teurer PR-Coup - landesweit unterbrechen Obama-Spots die Wettkämpfe, Rivale McCain hat das Nachsehen.

Von , New York


New York - Jetzt greift Barack Obama auch noch zu olympischem Gold: Für fünf Millionen Dollar hat sich der US-Präsidentschaftskandidat als Co-Sponsor der Olympiaberichterstattung eingekauft. US-Medienberichten zufolge wird der Demokrat während der Sportübertragungen aus Peking sowohl auf dem TV-Network NBC wie auch auf dessen Kabeltöchtern Wahlwerbespots schalten. Sie werden zur besten Sendezeit zu sehen sein - in allen 50 US-Bundesstaaten.

Kandidat Obama (Anfang Juli in Washington): Zusammen mit Coca-Cola und McDonald's Sponsor der NBC-Übertragung
AFP

Kandidat Obama (Anfang Juli in Washington): Zusammen mit Coca-Cola und McDonald's Sponsor der NBC-Übertragung

Der Mega-Deal, der am Abend unter Berufung auf NBC unter anderem von der "New York Times" und dem Branchenblatt "Advertising Age" gemeldet wurde, wurde vom Obama-Team zwar noch nicht bestätigt, erschien aber kurz darauf auch in einem Blog auf Obamas Wahlkampf-Website. Es soll das größte politische Werbepaket in der Geschichte der Olympischen Spiele sein - und das erste Mal seit mindestens 1996, dass sich ein US-Kandidat so breit im Fernsehen engagiert. Damals schaltete der Republikaner Bob Dole einen einzigen, US-weiten Network-Spot.

Für Obama ist es ein gut durchdachter Coup. NBC plant über seinen US-Stammsender und seine Kabelfilialen CNBC, MSNBC, USA Network, Oxygen und Telemundo rund 3600 Stunden flächendeckende Berichterstattung aus Peking, davon 2200 Stunden im Internet - auch das ein Rekord. So kann Obama nun auf einen Schlag in allen Ecken der USA für sich trommeln. Ein teurer Spaß: Ein 30-Sekunden-Spot kostet nach Angaben des "Hollywood Reporters" im Schnitt 750.000 Dollar.

"Dies erreicht das ganze Land"

"Sowohl das Ausmaß wie der Rahmen machen Obamas Deal beispiellos", sagte Evan Tracey, der Geschäftsführer der Research-Firma Campaign Media Analysis Group, der "New York Times". "Dies geht über die umkämpften Bundesstaaten hinaus. Dies erreicht das ganze Land." Obama kann sich den Großangriff leisten: Allein im Juni sammelte er 52 Millionen Dollar Wahlkampfspenden - mehr als doppelt so viel wie McCain (21,5 Millionen Dollar).

Nach Schätzung der Campaign Media Analysis Group dürften die Kandidaten in diesem US-Wahlkampf insgesamt eine Rekordsumme von 800 Millionen Dollar für Werbung ausgeben. Bei der letzten Wahl im Jahr 2004 waren es noch 500 Millionen Dollar gewesen. Derzeit gäben sowohl Obama wie McCain pro Woche rund sechs Millionen Dollar für TV-Spots aus.

Dank einer neuen Sonderregelung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) hofft NBC dieses Jahr auf Sponsoren-Rekordeinnahmen in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar. Demnach darf der Sender 20 Prozent des TV-Bildschirms für Werbung freistellen. Unter den anderen NBC-Sponsoren der Spiele, die am 8. August beginnen, befinden sich McDonald's, Coca-Cola, Anheuser-Busch, United Airlines und Audi.

Der Olympiaeinstieg entspricht Obamas "50-Staaten-Strategie", mit der er sich nicht nur auf "swing states" und demokratensichere Regionen verlässt, sondern auch Republikanerhochburgen knacken will - ein gewagtes Risiko. Sein Konkurrent John McCain dagegen konzentriert sich bisher nicht zuletzt aus Kostengründen nur auf eine Handvoll Staaten.

Obamas Heimatstadt Chicago bewirbt sich um die Austragung der Sommerspiele 2016.

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