Debatte über Uran-Deal Bush macht CIA verantwortlich

Im Streit über falsche Informationen, die US-Präsident Bush vor Beginn des Irak-Kriegs verbreitet hat, liegt der Schwarze Peter nun beim US-Geheimdienst. Die CIA habe seine Rede vom Januar vorab gelesen und nicht beanstandet, erklärte Bush.


Die CIA gab ihr okay: Präsident Bush in Entebbe
AP

Die CIA gab ihr okay: Präsident Bush in Entebbe

Entebbe - George W. Bush wandte sich damit gegen den Vorwurf, er habe in der Rede zur Lage der Nation vom 28. Januar Informationen verwandt, die die Geheimdienste als zweifelhaft eingestuft hätten. Hochrangige US-Beamte hatten am Donnerstag erklärt, die in Bushs Rede zitierten britischen Informationen über versuchte Uran-Käufe des Irak seien schon vor seiner Ansprache von den Geheimdiensten in Zweifel gezogen worden.

Bushs Sicherheitsexpertin Condoleezza Rice sprang ihrem Chef zur Seite. Falls es innerhalb der CIA solche Bedenken gegeben habe, seien diese Zweifel dem Präsidenten nicht mitgeteilt worden, sagte sie am Freitag. "Wenn die CIA ... gesagt hätte, 'nehmt dies aus der Rede heraus', dann wäre dies getan worden." Rice und Bush äußerten sich vor Journalisten an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One auf dem Flug nach Uganda.

Die CIA habe Bushs Redemanuskript komplett abgesegnet, sagte Rice. Nur die Aussage, Irak versuche das Urankonzentrat Yellow Cake zu beschaffen, habe der Geheimdienst beanstandet. "Daraufhin wurden Details über Menge und Ort gestrichen", sagte Bushs Sicherheitsberaterin. Sie bestätigte indessen, dass Außenminister Colin Powell schon zu diesem Zeitpunkt Zweifel an den britischen Geheimdienstinformationen hegte und deshalb beschloss, sie in seiner Präsentation vor dem Weltsicherheitsrat, wenige Tage nach Bushs Rede, nicht zu erwähnen.

Bush hatte im Januar in seiner Rede zur Lage der Nation erklärt, nach britischen Erkenntnissen habe Irak kurz zuvor versucht, bedeutende Mengen Uran in Afrika zu kaufen. Am Mittwoch musste die US-Regierung einräumen, dass diese Aussage falsch war, weil die britischen Informationen auf gefälschten Dokumenten aus Niger beruhten.

Hochrangigen US-Beamten zufolge bestanden jedoch schon seit Anfang 2002 erhebliche Zweifel an dem britischen Geheimdienstbericht. Die "Washington Post" berichtet am Freitag, die CIA solle im September 2002 versucht haben, London davon abzubringen, die Vorwürfe in einem Geheimdienstdossier zu erheben.

Das Blatt zitiert einen Geheimdienstexperten der US-Regierung mit den Worten: "Wir berieten über das Papier und empfahlen, das Material nicht zu benutzen." Die britische Regierung habe die US-Anregungen jedoch zurückgewiesen. Sie habe darauf verwiesen, dass sie Erkenntnisse habe, die dem CIA nicht bekannt seien.

Die US-Regierung und die britische Regierung sind dem Vorwurf ausgesetzt, sie hätten Geheimdienstinformationen über Massenvernichtungswaffen aufgebauscht, um Argumente für den Krieg gegen den Irak zu haben.



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