Debatten-Faktencheck Wo die Kandidaten nicht die Wahrheit sagten

In ihrem dritten Fernsehduell haben sich die US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain viele gegenseitige Vorwürfe gemacht. Ein Faktencheck zeigt, dass einige zentrale Behauptungen nicht richtig waren.


Obama: "100 Prozent, John, von Ihren Fernsehspots, 100 Prozent sind negativ gewesen."
Die Fakten: Die Äußerung trifft zu, wenn man die gegenwärtig ausgestrahlten Spots betrachtet. Dies hat eine Studie der Universität von Wisconsin-Madison ergeben. Zu Beginn des Wahlkampfs wurden von McCain aber auch Wahlkampfspots mit positiven Aussagen gesendet.

McCain: "Senator Obama gibt einen beispiellos hohen Geldbetrag für Werbung mit negativen Attacken gegen mich aus."
Die Fakten: Obama gibt beispiellos viel Geld für Wahlkampfwerbung aus. Punkt. Der Betrag ist mehr als doppelt so hoch wie bei den Republikanern. Allerdings können zurzeit lediglich 34 Prozent der Werbespots von Obama als negativ eingestuft werden, wie eine Studie der Universität von Wisconsin-Madison ergab. Im August waren es noch 90 Prozent.

Obama: "Ich will Steuerkürzungen für 95 Prozent der beschäftigten Amerikaner, 95 Prozent."
Die Fakten: Die von Obama vorgeschlagenen Steuersenkungen erfassen nach Angaben des unabhängigen Tax Policy Centers 81,3 Prozent der Haushalte.

McCain: "Er hatte diese miese Idee, den Irak in drei Länder aufzuteilen" (über Obamas Vizepräsidentschaftskandidaten Joe Biden)
Die Fakten: Biden hat vorgeschlagen, den Irak in drei halbautonome Regionen zu teilen, nicht in einzelne Länder.

Obama: "Für jeden Dollar, den ich (für Ausgaben) vorgeschlagen habe, habe ich eine zusätzliche Kürzung vorgeschlagen, so dass beides zusammenpasst."
Die Fakten: Die überparteiliche Organisation Committee for a Responsible Federal Budget schätzt, dass die von Obama angekündigten Programme per Saldo eine Ausgabensteigerung um 281 Milliarden Dollar bis zum Ende seiner ersten Amtszeit bedeuten.

McCain: "Wir müssen damit aufhören, 700 Milliarden Dollar im Jahr in Länder zu schicken, die uns nicht sehr leiden können."
Die Fakten: Der Senator bezieht sich damit auf die US-Ausgaben für Ölimporte. Die von McCain mehrfach genannte Zahl ist übertrieben und irreführend. Nach Angaben der Behörden haben die USA 2007 für 246 Milliarden Dollar Rohöl importiert, und der größte Teil davon entfiel auf befreundete Länder wie Kanada und Mexiko. Weitere 82 Milliarden Dollar wurden für Produkte von Ölraffinerien ausgegeben. Davon wurde der größte Teil aus den Niederlanden, Kanada, Großbritannien und Trinidad-Tobago importiert.

AP



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