Demo in Budapest Tausende Ungarn fordern Gyurcsany zum Rücktritt auf

Tausende Menschen haben in Budapest in der vergangenen Nacht den Rücktritt von Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany gefordert. Die Polizei ging mit Tränengas gegen militante Regierungsgegner vor. Insgesamt verliefen die Proteste aber friedlich.

Budapest - Starke Polizeikräfte dominierten in Budapest die Straßen in der Umgebung des Parlamentsgebäudes. Die Versammlung der rund 15.000 Menschen auf dem Platz vor dem Parlamentsgebäude verlief weitgehend friedlich. Die Demonstranten forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Gyurcsany. Es war die dritte nächtliche Protestkundgebung in Folge in der ungarischen Hauptstadt.

Mehreren hundert Polizisten sei es unter Einsatz von Tränengas gelungen, etwa 80 offensichtlich gewaltbereite Skinheads einzukesseln, die sich von der Kundgebung vor dem Parlament entfernt hätten, berichtete der private Fernsehsender HIR TV. Die Rechtsextremisten hätten zuvor versucht, die anderen Demonstranten zu Gewaltaktionen aufzurufen. Einige der Randalierer wurden vorerst in Gewahrsam genommen.

Die Regierung erklärte, dass sie alle Mittel einsetzen werde, um für Ordnung zu sorgen. Justizminister Jozsef Petretei sagte im staatlichen Rundfunk, dass notfalls auch ein Ausgehverbot verhängt werden könnte.

Der umstrittene Regierungschef Gyurcsany kündigte Reformen zur Überwindung der Wirtschaftskrise und des hohen Staatsdefizits an. Auslöser der Unruhen war die Veröffentlichung eines Tonbandprotokolls, in dem sich der Ministerpräsident selbst als Wahlkampf-Lügner bezichtigt hatte. Darin gab er unumwunden zu, das Volk bewusst über die prekäre Wirtschaftslage getäuscht zu haben. Im Wahlkampf vor der Abstimmung im April hatte er noch Steuererleichterungen in Aussicht gestellt.

Trotz des Skandals, der das Land in die schwersten Unruhen seit dem Fall des Kommunismus stürzte, will der Regierungschef nicht abtreten. Der bürgerliche Oppositionschef Viktor Orban distanzierte sich von den gewaltbereiten Demonstranten, nannte die Sozialisten jedoch regierungsunfähig.

als/Reuters/AP/AFP

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