Demo in Usbekistan Hunderte fordern Freiheit für Rebellen-Chef

Im Osten Usbekistans haben hunderte Menschen gegen den Präsidenten Islam Karimow demonstriert, obwohl die letzten Proteste blutig erstickt worden waren. US-Außenministerin Rice macht deutlich: Wenn das Regime keine unabhängige Untersuchung der Gewalt zulässt, werde es keine Entwicklungshilfe mehr geben.


Kirgisische Truppen schützen Brücke: Flüchtlinge sammeln sich an der Grenze
DPA

Kirgisische Truppen schützen Brücke: Flüchtlinge sammeln sich an der Grenze

Korassuw - Die neuen Proteste ereigneten sich am Morgen in der usbekischen Grenzstadt Korassuw. Mehrere hunderte Demonstranten verlangten die Freilassung von Rebellenführer Bachtijor Rachimow. Dessen Anhänger hatten die Stadt an der Grenze zu Kirgisien vergangenen Samstag nach den Unruhen eingenommen. Am Donnerstag eroberten Regierungstruppen die Stadt zurück und nahmen Rachimow und mehrere seiner Vertrauten fest.

Nach Meldungen der russischen Nachrichtenagentur RIA-Nowosti wurden bei den Protesten erneut Oppositionelle verhaftet.

Dutzende Soldaten gingen an einer Brücke auf der kirgisischen Seite der Grenze in Stellung. Rachimows Miliz hatte diese Brücke wieder aufgebaut, nachdem sie von der Regierung geschlossen worden war. Die Regierungstruppen ließen die Brücke am Samstag offen, so dass hunderte Menschen aus dem verarmten Korassuw zu dem Basar auf der kirgisischen Seite strömten. Ein Bruder des festgenommenen Rebellenführers, Fasildschon Rachimow, rief die Demonstranten auf, ihre Plakate einzurollen und nach Hause zu gehen, um neue Gewalt zu verhindern.

Rice: Keine Untersuchung, kein Geld

Die USA kritisierten derweil die Weigerung von Präsident Karimow, eine internationale Untersuchung der gewaltsamen Zwischenfälle im Osten des Landes zuzulassen. Außenministerin Condoleezza Rice appellierte an die Regierung in Taschkent, auf die "berechtigten Sorgen der internationalen Gemeinschaft" einzugehen. US-Entwicklungshilfezahlungen an Usbekistan hingen von der Erfüllung bestimmter menschenrechtlicher Standards ab, fügte Rice hinzu.

In der ostusbekischen Stadt Andidschan hatten Regierungstruppen vor einer Woche das Feuer auf Demonstranten eröffnet, die ein Gefängnis gestürmt und mehrere Verwaltungsgebäude besetzt hatten. Dabei kamen nach Regierungsangaben 169, nach Darstellung von Opposition und Bürgerrechtsorganisationen sogar viele hundert Menschen ums Leben.

Die USA bemühten sich in Zusammenarbeit mit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und einzelnen europäischen Regierungen weiter um eine "glaubhafte und transparente Einschätzung oder Untersuchung dessen, was in Andidschan passiert ist", sagte Außenamtssprecher Richard Boucher.



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