Debatte der US-Demokraten Joe Biden verteidigt sich und seinen Sohn in Ukraineaffäre

Los ging es mit Rufen nach einer Amtsenthebung Donald Trumps - und mit Fragen nach dem Verhalten von Joe Biden und seinem Sohn in der Ukraineaffäre: In Ohio trafen die US-Demokraten zur Debatte aufeinander.

Die zwölf Kandidaten der vierten TV-Debatte der US-Demokraten: Diesmal trafen sie in Westerville (Ohio) aufeinander
Aaron Josefczyk/ REUTERS

Die zwölf Kandidaten der vierten TV-Debatte der US-Demokraten: Diesmal trafen sie in Westerville (Ohio) aufeinander


Die demokratischen Präsidentschaftsbewerber in den USA sind in der Nacht zu Mittwoch in Westerville im Bundesstaat Ohio zu ihrer vierten Fernsehdebatte angetreten. Erstmals standen dabei zwölf Kandidaten gemeinsam auf der Bühne, darunter die beiden in Umfragen Führenden: der frühere US-Vizepräsident Joe Biden sowie die Senatorin Elizabeth Warren.

Biden hatte das demokratische Bewerberfeld über Monate mit weitem Abstand angeführt, in den vergangenen Wochen holte Warren jedoch enorm auf. Die beiden liefern sich nun ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mit Spannung wurde deshalb erwartet, ob die TV-Debatte in Westerville einem von beiden einen besonderen Schub gibt.

Gleich im zweiten Gesprächspunkt der Debatte ging es dann um das Verhalten von Joe Biden und seinem Sohn in der Ukraineaffäre. Der ehemalige Vizepräsident sagte: "Mein Sohn hat nichts Unrechtes getan. Ich habe nichts Unrechtes getan." Weiteren Nachfragen zu möglichen eigenen Verfehlungen in dem Fall wich er allerdings mehrfach aus und versuchte stattdessen, die Aufmerksamkeit auf US-Präsident Donald Trump zu leiten: "Es geht hier um Trumps Korruption. Darauf sollten wir uns konzentrieren."

Die jüngste Erklärung seines Sohnes spreche für sich, sagte Biden weiter. Damit bezog er sich auf ein Interview Hunter Bidens mit dem Sender ABC. Darin hatte er Fehler bei seinen Geschäften in China und der Ukraine eingeräumt; zugleich beteuerte er aber, nie etwas Unzulässiges getan zu haben.

Sanders: Trump ist der "korrupteste" Präsident aller Zeiten

Trump wirft den Bidens ohne Nennung irgendwelcher Belege vor, in Korruptionsvorgänge in der Ukraine und China verwickelt gewesen zu sein. Die US-Demokraten wiederum werfen Trump vor, in der Ukraineaffäre die Macht seines Amtes missbraucht zu haben, damit sich eine ausländische Regierung zu seinen Gunsten in den Wahlkampf einmischt. Sie prüfen deshalb ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump.

Bei der Debatte in Ohio war dies dann auch die erste Frage der Moderatoren an die Politiker: Ob die Demokraten überhaupt eine andere Chance hätten, als ein solches Verfahren einzuleiten? Nein, sagte beispielsweise Bernie Sanders. Er nannte Trump den "korruptesten" Präsidenten aller Zeiten - und erntete dafür Zustimmung von Joe Biden. Elizabeth Warren erklärte einmal mehr, niemand stehe über dem Gesetz, auch nicht der Präsident. Und Kamala Harris kritisierte, Trump sei nicht nur korrupt, sondern zutiefst unpatriotisch.

Sanders legte insgesamt einen energischen Auftritt hin - zwei Wochen nach seinem Herzinfarkt. "Ich bin gesund", sagte der 78-Jährige und kündigte an, dass er seinem Kampf um die Kandidatur mit einer "energischen Kampagne" im ganzen Land einen neuen Schub verleihen wolle. Er bedankte sich zugleich für die "Liebe" und guten Wünsche, die er nach seinem Herzinfarkt empfangen habe, auch aus den Reihen seiner Mitbewerber auf der Debattenbühne.

Die Fernsehdebatten bieten den Demokraten die Gelegenheit, sich vor einem nationalen Publikum zu präsentieren. Für die Teilnahme müssen sie in Umfragen und beim Spendenaufkommen bestimmte Mindestwerte vorweisen. Qualifiziert haben sich für diese Runde folgende zwölf Politiker: Biden, Warren, Sanders, Harris, Pete Buttigieg, Andrew Yang, Cory Booker, Beto O'Rourke, Amy Klobuchar, Julián Castro, Tulsi Gabbard und Tom Steyer. Mehr Hintergründe zu den zwölf Kandidaten erfahren Sie in folgender Fotostrecke:

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Fotostrecke: Die Kandidaten der TV-Debatte - wer sie sind und was sie wollen

Die eigentlichen parteiinternen Vorwahlen, bei denen die Demokraten ihren Kandidaten für die Präsidentenwahl im November 2020 festlegen, beginnen erst im Februar. Amtsinhaber Trump will bei der Wahl für die Republikaner erneut antreten.

aar/dpa/AP

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Seite 1
gunpot 16.10.2019
1. So, der Bidens Sohn Hunter hat
Fehler eingeräumt. Die wurden noch vor ein, zwei Wochen vehement zurückgewiesen. Trump mag diese Entwicklung mit großer Schadenfreude beobachten. Wenn der Sohn Bidens vielleicht nichts ungesetzliches getan hat, sollte nun aber in den nächsten Tagen ein weiteres bisher unbekanntes und für Hunter Biden nicht vorteilhaftes Detail ans Tageslicht kommen, dann hat das sicherlich Auswirkungen auf die Wahlchancen seines Vaters, weil immer zuerst alle Vorwürfe brüsk und mit Empörung zurückgewiesen worden ist. Danach wird nur das zugegeben, was ohnehin gerade - sicherlich auch von auf den Fall von Trump bezahlten eingesetzten"Researchern" - herausgefunden wurde. Semper aliquid haeret.
pavel1100 16.10.2019
2. Verdrehte Tatsachen
Zitat von gunpotFehler eingeräumt. Die wurden noch vor ein, zwei Wochen vehement zurückgewiesen. Trump mag diese Entwicklung mit großer Schadenfreude beobachten. Wenn der Sohn Bidens vielleicht nichts ungesetzliches getan hat, sollte nun aber in den nächsten Tagen ein weiteres bisher unbekanntes und für Hunter Biden nicht vorteilhaftes Detail ans Tageslicht kommen, dann hat das sicherlich Auswirkungen auf die Wahlchancen seines Vaters, weil immer zuerst alle Vorwürfe brüsk und mit Empörung zurückgewiesen worden ist. Danach wird nur das zugegeben, was ohnehin gerade - sicherlich auch von auf den Fall von Trump bezahlten eingesetzten"Researchern" - herausgefunden wurde. Semper aliquid haeret.
Das stimmt so nicht ganz. Die Bidens haben die Vorwürfe, die ihnen gemacht wurden vehement zurückgewiesen. Und die Vorwürfe lauteten Korruption und persönliche Bereicherung. Dafür gibt es bis jetzt aber nicht den geringsten Hinweis. Der Fehler der eingeräumt wurde ist, dass die Jobs des Juniors wegen des Geruchs der Vetternwirtschaft der Kandidatur des Seniors schaden. Das ist ohne Frage so. Allerdings ist Vetternwirtschaft nicht strafbar sonst würden die aktuellen Akteure Putin und Trump längst im Gefängnis sitzen. Wenn jemand den Bidens am Zeuge flicken will, sollte er nach so vielen Jahren langsam mal mit Beweisen rüberkommen. Mit grundlosen Verdächtigungen und übler Nachrede wird wohl eher das Gegenteil erreicht. Man könnte meinen, da will jemand nur von seiner eigenen Korruption ablenken.
FrankDunkel 16.10.2019
3.
Wenn man sich die Entwicklung der letzten zwei Wochen so betrachtet, dann scheint Trump mit seinen Anschuldigungen so falsch wohl nicht zu liegen.
derjoey 16.10.2019
4.
Zitat von FrankDunkelWenn man sich die Entwicklung der letzten zwei Wochen so betrachtet, dann scheint Trump mit seinen Anschuldigungen so falsch wohl nicht zu liegen.
Licht ins Dunkel könnten die Dokumente von Mr. Giuliani und Mr. Pence über deren Aktivitäten in der Ukraine bringen. Leider weigern sich die beiden, die entsprechenden Papiere dem Untersuchungskomitee zu übergeben. Warum eigentlich, wenn angeblich einzig und allein die Bidens hier krumme Geschäfte gemacht haben sollen? Oder könnten die Anschuldigungen an Mr. Giuliani und Mr. Pence vielleicht nicht ganz so falsch sein?
pavel1100 16.10.2019
5. Anschuldigungen
Zitat von FrankDunkelWenn man sich die Entwicklung der letzten zwei Wochen so betrachtet, dann scheint Trump mit seinen Anschuldigungen so falsch wohl nicht zu liegen.
Eine Anschuldigung wäre es, wenn es Beweise gäbe. So ist es eben nur üble Nachrede um einen politischen Gegner mit Dreck zu bewerfen.
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