Demokraten in Nevada Clinton und Obama kämpfen um den Jackpot

Obama setzt auf die Gewerkschafter - Clinton liegt bei den Latinos weit vorn: Mit aller Härte bekämpfen sich die beiden führenden Demokraten in Nevada, wo heute Vorwahlen stattfinden. Um den Platz der Wahllokale streiten sie sogar vor Gericht.

Aus Las Vegas berichtet


Das "Bellagio" ist mit 3933 Zimmern eines der gewaltigsten Luxushotels in Las Vegas, und der "Tower Ballroom" liegt in einem besonders feinen Flügel. Auf dem Weg zum Ballsaal passieren Besucher eine wertvolle Ausstellung von Picassos Keramikarbeiten. Das geräumige Spa des Hotels, in der 50-Minuten-Massagen 470 Dollar kosten, ist nur ein paar Schritte entfernt. Auch die Hochzeitskapelle mit den prunkvollen Sereotto-Kronleuchtern aus Italien lugt gleich um die Ecke.

Barack Obama in Las Vegas: Kampf um jede Stimme
AFP

Barack Obama in Las Vegas: Kampf um jede Stimme

Hier hat Anthony an einem normalen Tag gar nichts zu suchen. Er ist einer der sonst unsichtbaren Kräfte des riesigen Luxus-Komplexes. Anthony, kleingewachsen und drahtig, schrubbt Töpfe in einem der 17 Restaurants. Am heutigen Samstag, wenn die nächsten Vorwahlen der Demokraten in Nevada stattfinden, muss er eine Zehn-Stunden-Schicht absolvieren - wie fast jedes Wochenende.

Aber Anthony ist auch Mitglied der Culinary Union, der Las-Vegas-Gewerkschaft für Mitarbeiter in Restaurants und Bars. Die hat sichergestellt, dass die Caucuses - bis zu zwei Stunden lange Diskussionen, bei denen Wähler sich für einen der Präsidentschaftsbewerber entscheiden müssen - in der Nähe von den Arbeitsstätten ihrer Mitglieder stattfinden müssen. Und dass Leute wie Anthony daran teilnehmen können.

Deshalb wird der sich am Samstagmittag Punkt 12 Uhr stolz in Küchenuniform in den "Tower Ballroom" aufmachen, um seine Stimme abzugeben. Dann geht er gleich wieder zurück zu seiner Schicht. "Die Gewerkschaft hält man halt nicht so einfach auf", sagt Anthony grinsend.

Die Rivalen zanken sich um den Ort der Wahllokale

Versucht wird es schon. Im leidenschaftlichen Zweikampf zwischen Barack Obama und Hillary Clinton in den demokratischen Vorwahlen sind selbst die Wahllokale zum heftigen Zankapfel avanciert. Der Auslöser: Die mächtigsten Gewerkschaften in Nevada - allein die Culinary Union zählt rund 60.000 Mitglieder - haben eine Wahlempfehlung für Obama ausgesprochen. Und seither sind die Caucus-Stätten in den Kasinos, die ursprünglich alle Bewerber unterstützten, ein echtes Politikum geworden. Denn auch aufgrund der Gewerkschaftsanstrengungen rechnen Beobachter an diesem Samstag mit bis zu 40.000 Teilnehmern - das wäre eine Verdreifachung gegenüber weniger als 15.000 bei den demokratischen Vorwahlen vor vier Jahren.

Das Clinton-Lager fürchtet, dass Obama die meisten dieser Stimmen erhält. Seit Tagen macht es Stimmung gegen die Kasino-Wahllokale. Am Donnerstag musste sogar ein Richter in Nevada entscheiden, dass die Abhaltung der Caucus-Veranstaltungen in den Kasinos rechtens ist. Geklagt hatte eine andere Gewerkschaft, die den Clintons nahe steht.

Und so spiegeln die hektischen Tage vor den Vorwahlen in Nevada die Fieberhaftigkeit der Auseinandersetzung zwischen Obama und Clinton präzise wider. Selbst technische Abläufe sind zum Politikum geworden. Denn von Nevada, der ersten Abstimmung seit Clintons überraschendem Comeback in New Hampshire, wird Signalwirkung erwartet. In den jüngsten Umfragen liegen Obama, Clinton und John Edwards dort nahezu gleichauf.

Also nutzt vor allem Barack Obama den skurrilen Rechtsstreit über die Kasino-Wahllokale, um seine Anhänger aufzuputschen. Er steht am Sonntag vor Hunderten Gewerkschaftsmitgliedern und donnert: "Wollt ihr, dass ein paar Anwälte den Wandel aufhalten?" "Nein", schreit die Menge. Zur gleichen Zeit sitzt Hillary Clinton bei der TV-Sendung "Meet the Press". Der Moderator fragt sie, warum ihr Team die Abstimmungen in den Kasinos verhindern wolle. Clinton windet sich, sie betont, die Klage dagegen gehe ja nicht direkt auf sie zurück.

Aber Obama schlägt schon kurz darauf mit kalkulierter Symbolik zurück. Er gibt einer Zeitung in Las Vegas ein Interview zur Diskussion um die Wahllokale. Er sitzt dabei direkt unter einem Porträt des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King - dessen Kampf sich ja gerade ums Wahlrecht für alle drehte. Immer wieder baut Obama in seine Antworten den Satz ein, beide Seiten müssten sich an die Spielregeln halten.



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