Demonstration in London China nennt Proteste bei Fackellauf "Sabotage"

China hat die massiven Proteste während des Fackellaufs in London als Sabotage kritisiert. Die Demonstration von Tibetern verletzte den olympischen Geist, hieß es aus Peking. Auch in der nächsten Station Paris sind Störaktionen von Bürgerrechtlern geplant.


Peking - Die Proteste von Bürgerrechtlern und tibetischen Unabhängigkeitsaktivisten beim olympischen Fackellauf in London behagen China nicht. Einige Demonstranten hätten versucht, die Veranstaltung "zu sabotieren", wurde ein Sprecher des Organisatorenkomitees der Olympischen Sommerspiele von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zitiert. Die Störungen in der britischen Hauptstadt seien "abscheuliche Missetaten" tibetischer Separatisten.

Bei dem Fackellauf in der britischen Hauptstadt hatte es am Sonntag wiederholt massive Proteste gegeben. Ein Demonstrant versuchte, die Flamme einem Läufer zu entreißen, ein weiterer versuchte, sie mit einem Feuerlöscher auszublasen. 37 Personen wurden nach Polizeiangaben festgenommen. Bürgerrechtler und Tibet-Aktivisten wollten mit den Protestaktionen auf die Menschenrechtssituation in China aufmerksam machen.

Chinas Regierung ist nicht nur wegen ihres Vorgehens gegen die anti-chinesischen Proteste in Tibet international in der Kritik, sondern mit Blick auf die Darfur-Krise auch wegen ihrer Beziehungen zum Sudan sowie wegen der Menschenrechtslage im eigenen Land. Die Olympischen Sommerspiele in Peking beginnen am 8. August.

Am Montag soll das Olympische Feuer durch Paris getragen werden, bevor es über den Atlantik nach San Francisco geflogen wird. Auch in der französischen Hauptstadt sind Demonstrationen geplant. China plant, die Fackel im Juni durch die zuletzt von Unruhen erschütterte Provinz Tibet tragen zu lassen.

IOC-Präsident Jacques Rogge zeigte sich unterdessen tief besorgt wegen der Lage in Tibet. Die internationale Situation im Zusammenhang mit den Olympischen Sommerspielen in China bereite ihm Sorge, sagte Rogge in Peking.

"Der Fackellauf ist zur Zielscheibe geworden. Das IOC hat ernste Sorge zum Ausdruck gebracht und ruft zu einer schnellen, friedlichen Lösung in Tibet auf." Rogge betonte, "Gewalt egal aus welchem Grund" sei nicht mit den Werten des Fackellaufs und der Olympischen Spiele vereinbar. Allerdings sehe er auch weiterhin "keine Bewegung hin zu einem allgemeinen Boykott" der Spiele im Sommer.

als/AP/Reuters/dpa



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