Demonstration Irans Polizei geht mit Knüppeln gegen Trauernde vor

Die Lage in Teheran ist gespannt: Bei einer Trauerkundgebung für die Opfer der Proteste nach den Wahlen sind iranische Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Oppositionelle vorgegangen. Deren Führer Mussawi wurde zum Verlassen des Friedhofs gezwungen.

Teheran - Die iranische Polizei ist am Donnerstag gewaltsam gegen eine Trauerfeier für ums Leben gekommene Demonstranten vorgegangen. Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi wurde von den Sicherheitskräften gezwungen, den Friedhof Behescht-e Sahra im Süden der Hauptstadt Teheran zu verlassen, wie Augenzeugen berichteten. Zudem wurden demnach mehrere Teilnehmer der Zeremonie festgenommen. Auf den Internet-Plattformen Twitter und Facebook hieß es, dass zwei iranische Filmemacher auf dem Friedhof festgenommen wurden.

Mussawi und der Oppositionspolitiker Mehdi Karubi wollten die Gräber der Demonstranten besuchen, die bei den Protesten gegen den Ausgang der Präsidentenwahl vom 12. Juni getötet wurden. Vor Beginn der Veranstaltung am Donnerstag war die Polizei mit Knüppeln gegen rund 500 Menschen vorgegangen, die sich an dem Friedhof versammelt hatten.

Wie Augenzeugen berichteten, gelang es Mussawi, aus seinem Auto auszusteigen und bis zu dem Grab der Studentin Neda Agha-Soltan zu gehen, die bei den Protesten gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad erschossen wurde. Nach wenigen Augenblicken wurde Mussawi den Angaben zufolge von Polizisten umstellt und wieder in sein Auto geführt. Nachdem die Sicherheitskräfte Demonstranten vertrieben hatte, die den Wagen umringten, fuhr der Oppositionspolitiker demnach davon.

Die geistliche Führung des Landes hat jede Form der Versammlung in der Öffentlichkeit verboten. Die Oppositionspolitiker Mussawi und Karubi waren bei der Präsidentenwahl am 12. Juni gegen Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad angetreten, dem sie Wahlfälschung vorwerfen. Der Ausgang der Wahl hatte zu den schwersten Protesten in Iran seit der islamischen Revolution 1979 geführt. Nach Darstellung der Behörden wurden dabei 20 Menschen getötet.

Unter den Toten war auch die 26-jährige Studentin Neda Agha-Soltan. Im Internet verbreitete Filmaufnahmen ihres Todes machten sie zu einem Symbol des Widerstands gegen die konservative Führung des Landes. Ihre Mutter hat zu dem Gedenken an Nedas Grab 40 Tage nach dem Tod der Studentin eingeladen.

anr/AFP/Reuters

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