Inhaftierter Reporter in der Türkei Menschenrechtsgerichtshof befasst sich mit Fall Deniz Yücel

Neuigkeiten im Fall Deniz Yücel: In Kürze will sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit seiner Klage gegen die Untersuchungshaft in der Türkei befassen. Zuletzt hatte Kanzlerin Merkel erneut seine Freilassung gefordert.
Protestplakate mit Yücel-Konterfei

Protestplakate mit Yücel-Konterfei

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Seit mehr als 100 Tagen sitzt der "Welt"-Reporter Deniz Yücel in der Türkei in Haft - nun will sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit seinem Fall befassen.

Das Straßburger Gericht habe die Beschwerde Yücels gegen dessen Untersuchungshaft angenommen und wolle sie nun zügig behandeln, berichtete die "Welt". Das gehe aus einem Schreiben des Gerichts hervor, das Yücels Anwalt Veysel Ok am Donnerstag zugestellt wurde.

In dem Schreiben heißt es demnach, der Fall Yücels solle "vorrangig behandelt" und "in kürzest möglicher Zeit untersucht werden". Der Journalist wird seit Februar in der Türkei gefangen gehalten. Ihm werden "Volksverhetzung und Terrorpropaganda" vorgeworfen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete ihn zudem als deutschen Spion und Agenten der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Die Bundesregierung hat scharfe Kritik an dem Verfahren geäußert und dringt auf die Freilassung Yücels. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Donnerstag bei einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Rande des Nato-Gipfels in Brüssel erneut die Freilassung des Reporters gefordert.

Inzwischen hat die Türkei zudem einen Besuch von Botschafter Martin Erdmann bei Yücel genehmigt. Erdmann werde Deniz Yücel wohl "in einigen Wochen" besuchen können, sagte ein Außenamtssprecher. Zuletzt hatte der deutsche Generalkonsul in Istanbul, Georg Birgelen, die Genehmigung erhalten, Yücel im Gefängnis zu besuchen.

Yücel meldete sich unterdessen mit einer Botschaft aus dem Gefängnis zu Wort. In einem "Welt"-Beitrag berichtete er von den Haftbedingungen und davon, dass er erstmals seit seiner Haft den Sportplatz des Gefängnisses betreten durfte.

vks/dpa/AFP