Brief von Deniz Yücel "Tageslicht! Frische Luft! Rauchen!" 

In einer kurzen Botschaft hat sich der inhaftierte Türkei-Korrespondent Deniz Yücel an seiner Unterstützer gewandt. "Glaubt mir: Es tut gut, verdammt gut", schrieb der "Welt"-Journalist.

Türkei-Korrespondent der «Welt», Deniz Yücel
DPA

Türkei-Korrespondent der «Welt», Deniz Yücel


Seine Festnahme hatte in Deutschland für heftige Proteste gesorgt - jetzt hat sich der deutschtürkische Journalist Deniz Yücel aus der Haft zu Wort gemeldet. In einer über seinen Anwalt übermittelten handschriftlichen Notiz dankte der in der Türkei inhaftierte Korrespondent seinen Freunden und Unterstützern. "Glaubt mir: Es tut gut, verdammt gut", schrieb er an die Adresse derjenigen, die sich für seine Freilassung einsetzen. Der Text wurde von der Zeitung "Die Welt" veröffentlicht, für die Yücel bisher als Korrespondent tätig war.

Auf dem Zettel mit der Anrede "Hallo Welt" beschreibt Yücel, dass sich seine Haftbedingungen in der Untersuchungshaft im Vergleich zum vorherigen Polizeigewahrsam verbessert hätten. "Tageslicht! Frische Luft! Richtiges Essen! Tee und Nescáfe! Rauchen! Zeitungen! Ein echtes Bett! Eine Toilette für mich alleine, die ich aufsuchen kann, wann ich will", schreibt er in der Notiz. Tagsüber könne er sich mit einer Handvoll politischer Häftlinge in Küche und Hof aufhalten, abends habe er eine Zelle für sich allein.

Brief von Deniz Yücel
WeltN24

Brief von Deniz Yücel

"Es mag sich merkwürdig anhören, aber mir kommt es so vor, als hätte ich ein kleines Stück meiner Freiheit zurückgewonnen", kommentiert Yücel die Veränderungen. "Und obwohl sie mich meiner Freiheit beraubt haben, bringen mich das Verhör und die Urteilsbegründung noch immer zum Lachen."

Zehneinhalb Jahre Haft drohen

Yücel schrieb die Notiz laut "Welt" am Mittwoch in der Untersuchungshaftanstalt Metris, kurz bevor er am Vormittag in das Gefängnis Silivri, ebenfalls in Istanbul, verlegt wurde. Dem Blatt zufolge sollen dort ähnliche Bedingungen herrschen wie in Metris.

Nach Auskunft seines Anwalts drohen Yücel zehneinhalb Jahre Haft. Dies sei die Höchststrafe für Volksverhetzung und "Terrorpropaganda", die dem deutschtürkischen Journalisten zur Last gelegt werden, sagte der Rechtsanwalt Anwalt Veysel Ok der. Dieser legte demnach Einspruch gegen die Untersuchungshaft für Yücel ein. Der Journalist hatte sich am 14. Februar freiwillig der Polizei gestellt.

Am Mittwoch hatte auch Berlin die Freilassung Yücels gefordert. Bei einer Veranstaltung zum politischen Aschermittwoch in Mecklenburg-Vorpommern sagte Kanzlerin Angela Merkel, die Bundesregierung werde "alles in ihrer Macht stehende tun, damit das geschieht."

kev/AFP



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