Depeschen-Enthüllung Australische Polizei ermittelt gegen WikiLeaks-Chef

Der Druck auf Julian Assange wächst: Selbst in seinem Heimatland Australien ermittelt die Polizei inzwischen gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft lässt prüfen, ob der WikiLeaks-Chef gegen die Gesetze des Landes verstoßen hat und deshalb angeklagt werden muss.

WikiLeaks-Gründer Assange: Gejagter im eigenen Land
REUTERS

WikiLeaks-Gründer Assange: Gejagter im eigenen Land


Manama - Julian Assange ist nun auch in seinem Heimatland ein Gejagter. Der australische Außenminister Kevin Rudd erklärte am Samstag, die Polizei ermittele auf Anweisung des Generalstaatsanwaltes gegen den Chef des Enthüllungsportals WikiLeaks. Man prüfe, ob Assange gegen die Gesetze des Landes verstoßen habe und deshalb angeklagt werden solle. Falls die Polizei Gesetzesverstöße feststelle, werde sie den Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben.

Die australische Regierung verurteile die Veröffentlichung geheimer US-Diplomatenberichte aufs schärfste, erklärte Rudd bei einer Konferenz in Bahrain. Assange hat nach der Veröffentlichung Hunderttausender geheimer Depeschen nach eigenen Angaben Morddrohungen erhalten. Er wird auch international gesucht, wegen Vergewaltigungsvorwürfen aus Schweden.

Assange hatte ein Verhör in London vorgeschlagen. Doch Schwedens Oberstaatsanwältin Marianne Ny lehnt das ab. "Das kann ich nicht machen. Ich muss die Regeln für Kontakte und Verhöre auf fremdem Territorium befolgen."

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Vergewaltigung und anderen sexuellen Zwang bei Begegnungen mit zwei Schwedinnen im August. Ny hatte Mitte der Woche erklärt, dass sie von den britischen Behörden die umgehende Festnahme sowie anschließend die Auslieferung des Australiers erwarte. Dieser hält sich an einem geheimen Ort in England auf und will sich einer Auslieferung nach Schweden juristisch widersetzen.

Dass Assange von Schweden an die USA ausgeliefert werden könnte, schloss Ny aus. Sie sagte: "Das ist in einem Fall wie diesem nicht möglich." Nach der Veröffentlichung der Depeschen hat der Australier die Befürchtung geäußert, dass ihm Geheimdienste oder andere US-Stellen nach dem Leben trachten könnten.

ssu/dpa/Reuters



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Ty Coon, 04.12.2010
1.
Zitat von sysopDie Online-Plattform WikiLeaks stellt immer wieder geheime Dokumente ins Netz. Die Regierungen in den USA und Frankreich versuchen nun mit Macht, die Betreiber aus dem Web zu verbannen. Wie viel Geheimnis verdient die Politik?
Sehr viel. Vertrauliche Gespräche sind die Grundlage der Diplomatie. Wenn es allerdings darum geht, verbrecherische Machenschaften aufzudecken, dann sind solche Plattformen wie WikiLeaks legitim.
eikfier 04.12.2010
2. ...bestenfalls
Zitat von sysopDie Online-Plattform WikiLeaks stellt immer wieder geheime Dokumente ins Netz. Die Regierungen in den USA und Frankreich versuchen nun mit Macht, die Betreiber aus dem Web zu verbannen. Wie viel Geheimnis verdient die Politik?
...die Frage ist natürlich völlig berechtigt? Schließlich hat kein Geringerer als unser späterer Bundespräsident Gustav Heinemann mal geseufzt:"...regiere du mal dieses Welt!" - und meinte damit sicherlich auch unsere gehaßt-geliebten und in jedem demokratischen Falle dringend benötigten Journalisten, ist meine Meinung - Wer den Journalisten nicht nur in Gedanken, sondern tatsächlich einen Maulkorb umhängt, dem geht´s mindestens so wie Kaiser WilhelmII. in der bekannten "Feuerzangenbowle", wenn er nicht sogar Micky-Leaks zu ungeahnter Popularität verhilft - ein bißchen schlimm, ein bißchen doof, ein bißchen lächerlich, denke ich bestenfalls...
Sharoun 04.12.2010
3. Wieviel Wahrheit traut man dem Souverän zu?
Aus teilweise nachvollziehbaren Gründen trauen Exekutive und Legislative ihrem Wahlvolk nicht über den Weg. Allright; das sollte dann aber auch so benannt werden und nicht die übergroße Fahne einer allgegenwärtigen Mitbestimmung -verwirklicht in dieser und durch diese Gesellschaft- geschwenkt werden. Denn das ist nur noch Verhöhnung!
sieben777 04.12.2010
4. PayPal Konto gelöscht
Wir Internet-Nutzer sind nun gefragt. Wehren wir uns gegen dieses Doppelmoral-System? Warum beachten jetzt plötzlich PayPal und Amazon ihre eigenen AGBs? Warum funktioniert die Löschung der verschiedenen Webseiten von Wikileaks so zügig aber bei den der Kinderporno Seiten denn nicht??? Da kann etwas nicht stimmen.
maximillian64 04.12.2010
5. Paypal, DNS, Hosting für Wikileaks abgestellt.
Die sukzesive Verabschiedung der USA von der Meinungsfreiheit ist wie jede Aufgabe von Grundrechten im Tausch gegen Sicherheit ist ein Punktsieg der Kräfte mit all den Gesetzten eigentlich Bekämpft werden sollen. Das Internet ist heute nur noch für cyber- und echte- krimminelle und wirklich frei. Was meinen die Strafverfolger, Politiker und Serviceprovider in den USA den wo WikiLeaks demnächst gehostet wird und spenden einsammelt? Wenn der Druck so weiter aufrecht erhalten wird wird auch die Schweiz und andere Nationen dem Portal die Gastfreunschaft kündigen. Wikileaks wird dann wohl bald bei den gleichen Providern gehostet die Heute bereits Al Quaida Blogs und deren Paymentprovider hosten? Verkehrte Welt!
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