Impeachment-Vorermittler Adam Schiff Trumps Ankläger

Diese Woche beginnen die öffentlichen Zeugenauftritte im Vorverfahren zu einem Impeachment Donald Trumps. Die Anhörungen werden vom Demokraten Adam Schiff geleitet - einem stillen, aber cleveren Ex-Staatsanwalt.
Trumps gefährlichster Widersacher: Adam Schiff leitet die Impeachment-Vorermittlungen

Trumps gefährlichster Widersacher: Adam Schiff leitet die Impeachment-Vorermittlungen

Foto: LEAH MILLIS/ REUTERS

Der FBI-Agent, der mit der KGB-Spionin schlief: Was wie der Titel eines Krimis klingt, geschah 1984 wirklich. Der Agent hieß Richard Miller, er lebte in Los Angeles und hatte eine Affäre mit einer ehemaligen Sowjetbürgerin, der er Geheiminformationen verkaufte, bevor er aufflog.

Die US-Justiz brauchte drei Prozesse, um Miller 1990 wegen Spionage hinter Gitter zu bringen. Das erfolgreiche Plädoyer hielt ein 30-jähriger Staatsanwalt namens Adam Schiff. Es war sein erster großer Fall.

Zeugen der Anklage

Heute sitzt Schiff für die Demokraten im US-Kongress. Dort wird er jetzt einen noch viel größeren Fall verhandeln, vor der ganzen Welt und mit enormem Risiko - ein potenzielles Amtsenthebungsverfahren wegen Machtmissbrauchs gegen Präsident Donald Trump.

Seit Ende September leitet Schiff die Vorermittlungen zu einem solchen Impeachment. Bislang spielten sie sich hinter verschlossenen Türen ab, im Keller des Kapitols. Doch am Mittwoch sollen die ersten Zeugen der Anklage öffentlich aussagen, vor laufenden Kameras.

Es dürften die dramatischsten TV-Szenen werden, die das politische Washington seit dem Watergate-Skandal erlebt hat.

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Als Chef des federführenden Geheimdienstausschusses rückt Schiff, 59, damit vollends ins Rampenlicht. Der Abgeordnete, der sich erstmals in der Russlandaffäre profilierte, steht vor einer brenzligen Aufgabe: Die Anhörungen könnten der Anfang vom Ende Trumps sein - oder, sollten sie zum Zirkus geraten, so verpuffen wie der Bericht des Russlandermittlers Robert Mueller im Frühjahr.

Das jedenfalls ist das Ziel der Republikaner, auch wenn es ihnen zunehmend schwerer fällt, Trump in der Ukraineaffäre zu verteidigen. Bei dieser jüngsten der vielen Affären des US-Präsidenten geht es um eine mutmaßliche Kampagne Trumps, die neue ukrainische Regierung zu drängen, gegen den Demokraten Joe Biden zu ermitteln - einen möglichen Konkurrenten im Rennen um die Präsidentschaft.

Bei den geschlossenen Anhörungen hatten etliche Zeugen das bereits unter Eid bestätigt. Um davon abzulenken, war den Republikanern kein Trick zu schade: Sie verurteilten die - in der Verfassung verankerte - Kongressuntersuchung als verfassungswidrig, sie stürmten und besetzten den abgesicherten Sitzungssaal, sie diskreditierten die Zeugen, darunter mehrere verdiente US-Diplomaten.

Die jüngste Strategie, die sich abzeichnet, ist Flucht nach vorne: Ja, es habe eine solche Kampagne gegeben, doch das rechtfertige keine Amtsenthebung.

Das entspricht Trumps absolutistischem Selbstverständnis, half aber auch Richard Nixon schon wenig. "Wenn der Präsident es tut", hatte Nixon erklärt, "dann heißt das, dass es nicht illegal ist." Trotzdem stürzte er damals über sein Handeln.

So wird Schiff zu Trumps gefährlichstem Widersacher. Schon vom Naturell her ist er dessen Gegenpol: ruhig, fast phlegmatisch, höflich, bedacht - doch als Jurist nicht zu unterschätzen. Dass Trump ihn fast täglich beschimpft ("korrupt", "Schwächling", "verlogener Dreckskerl"), stört ihn wenig.

Dubiose Ukraine-Kampagne

Denn schon die schwierigen Ermittlungen gegen den FBI-Agenten Miller härteten ihn ab. Sie machten ihn zudem mit den Geheimnissen von Spionage und Gegenspionage vertraut - und mit dem Talent Moskaus, angreifbare Amerikaner anzuzapfen.

Diese Erkenntnisse nutzten ihm zuletzt bei den Russland-Ermittlungen, sie dürften ihm auch jetzt wieder gelegen kommen. Ein weiteres Ziel der Ukraine-Kampagne soll es ja gewesen sein, die Verantwortung für die Manipulation der US-Wahlen 2016 von Moskau auf Kiew abzuschieben - und Trump damit bei der Wiederwahl 2020 zu helfen.

Die komplexen Details ließen sich bisher nur in den Transkripten der internen Zeugenauftritte  nachlesen - ein Drehbuch für die öffentlichen Anhörungen diese Woche. Am Mittwoch sollen Bill Taylor, der amtierende US-Botschafter in der Ukraine, und Staatssekretär George Kent aussagen, gefolgt am Freitag von Ex-Botschafterin Marie Yovanovitch. Alle drei hatten Trump schon in den vergangenen Wochen belastet.

Schiff bringt noch eine andere Lektion der Vergangenheit mit. Vor 19 Jahren schaffte er den Sprung ins US-Repräsentantenhaus, indem er den Republikaner Jim Rogan schlug, der 1998 eine führende Rolle beim Impeachment von Bill Clinton gespielt hatte.

Nicht nur Rogan erlebte damals, wie ein Amtsenthebungsverfahren nach hinten losgehen kann. Die Republikaner, die Clinton stürzen wollten, überschätzten die Geduld und den Willen der Wähler: Clinton wurde freigesprochen.

Das könnte den Demokraten nun durchaus ähnlich gehen. Ohnehin eher moderat, hatte Schiff es lange vermieden, allzu fanatisch für ein Impeachment zu trommeln. Schließlich haben die Republikaner im Senat, der letztlich über eine Amtsenthebung entscheidet, die Mehrheit. Ein Schuldspruch bleibt also unwahrscheinlich.

Das sagten manche aber auch 1990 beim Prozess gegen den FBI-Agenten Richard Miller.

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