Desaströse Jahresbilanz Zwei Drittel der Franzosen unzufrieden mit Sarkozy

Vernichtende Umfrageergebnisse für Frankreichs Präsidenten: Nach einer Studie sind zwei Drittel der Bevölkerung mit Nicholas Sarkozys Politik unzufrieden. Der Staatschef steht damit nach einem Jahr im Amt so schlecht da wie seit Jahrzehnten kein französischer Präsident.

Paris - Ein Jahr nach seinem Triumph bei der Präsidentschaftswahl ist Nicolas Sarkozy bei seinen Landsleuten in Ungnade gefallen. Gegenüber dem Institut OpinionWay gaben 66 Prozent der Befragten an, mit dem Ergebnis von Sarkozys Politik unzufrieden zu sein.

Beim für die Franzosen wichtigsten Thema der Kaufkraft attestieren ihm 85 Prozent ein glattes Scheitern, wie aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage für das Magazin "Le Nouvel Observateur" hervorgeht.

Paradoxerweise finden zahlreiche seiner Reformen und Reformpläne eine breite Zustimmung. Die Verschärfung des Strafrechts und die Abgabenbefreiung für Überstunden werden von fast 80 Prozent unterstützt. Der Abbau von Beamten- und Lehrerstellen wird dagegen von der klaren Mehrheit abgelehnt. Mehr als 70 Prozent halten auch die von Sarkozy beschlossene Truppenverstärkung für Afghanistan für einen Fehler.

Unklar ist, ob Frankreich Sarkozy wiederwählen würde, sollte die Wahl vom 6. Mai 2007 heute wiederholt werden. Das Institut LH2 ermittelte, dass er gegen seine sozialistische Gegenkandidatin Ségolène Royal klar mit 47 zu 53 Prozent verlieren würde. In einer anderen Umfrage für den regierungsnahen "Le Figaro" lägen Sarkozy und Royal dagegen gleichauf.

Auch aus der Opposition hagelt es Kritik: Die Sozialdemokraten werfen Sarkozy vor, vor allem eine Politik für die Reichen zu machen. "Nicolas Sarkozy ist der Verschwendungspräsident", sagte Oppositionsführer François Hollande der Zeitung "Le Parisien". Der konservative Staatschef habe "15 Milliarden Euro an Freibeträgen und Steuergeschenken für die höchsten Einkommen verschleudert". Zugleich habe er beispielsweise Selbstbeteiligungen im Gesundheitswesen eingeführt, so dass nun "Kranke für andere Kranke zahlen". Sarkozy habe eine "schockierende Vorstellung" von Solidarität. Er sei "ein Herr Mehr für die Reichsten und ein Herr Weniger für alle anderen".

Es sei kein Zufall, dass Sarkozy in den Umfragen äußerst schlecht dastehe, sagte der sozialistische Oppositionsführer. Der Präsident habe seinen Wahlkampf auf das Thema Kaufkraft aufgebaut, und für dieses Versprechen hätten seine Landsleute ihn gewählt. "Er hat es nicht gehalten, und die Franzosen bekommen die Folgen jeden Tag zu spüren", warf Hollande dem Staatschef vor. "Seine Unbeliebtheit geht nicht auf ein Missverständnis oder einen einfachen Stimmungswechsel zurück - sie beruht auf einem Wortbruch." Für Frankreich sei Sarkozys erstes Jahr im Amt vor allem "ein Jahr der Enttäuschung und des Rückschrittes", sagte Hollande.

Sarkozy hatte bei der Stichwahl um das Präsidentenamt vergangenen Jahres gegen die sozialistische Kandidatin Ségolène Royal gesiegt. Er trat sein Amt am 16. Mai an.

ssu/AP/AFP