Schelte für Irak-Krieg Tutu fordert Prozess gegen Bush und Blair

Der Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu fordert einen Strafprozess gegen George W. Bush und Tony Blair. In einer Zeitung wirft er den ehemaligen Machthabern vor, sie hätten den Irak-Krieg mit einer Lüge begründet. Blair spricht von einer "Fehlmeldung".
Tony Blair und George W. Bush (Archivbild): "Die Welt destabilisiert und polarisiert"

Tony Blair und George W. Bush (Archivbild): "Die Welt destabilisiert und polarisiert"

Foto: ANDREW MEDICHINI/ AP

London - Klare Worte: Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu will George W. Bush und Tony Blair vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag sehen - wegen ihrer Rollen im Irak-Krieg.

Der frühere US-Präsident Bush und Großbritanniens ehemaliger Premierminister Blair hätten den Angriff beider Länder auf den Irak mit Massenvernichtungswaffen begründet, schrieb der Friedensnobelpreisträger in der britischen Wochenzeitung "The Observer". Das sei "eine Lüge" gewesen. Deshalb sollten die früheren Machthaber in Den Haag vor Gericht kommen.

"Die Welt destabilisiert"

Mit dem Interview begründete Tutu, warum er zuletzt nicht an einer Konferenz in Johannesburg teilgenommen hatte, bei der auch Blair anwesend war. Dieser habe ebenso wie Bush lediglich den damaligen irakischen Machthaber Saddam Hussein "loswerden" wollen. Mit dem Einmarsch in den Irak hätten sie jedoch "die Welt in einem bis dahin in keinem Konflikt der Geschichte gekannten Ausmaß destabilisiert und polarisiert", sagte Tutu. Die Massenvernichtungswaffen, mit denen die Invasion gerechtfertigt wurde, wurden nie gefunden.

Blair verteidigte sich in einer Stellungnahme im "Observer": Es sei falsch, immer wieder die "Fehlmeldung" zu verbreiten, mit Blick auf Geheimdiensterkenntnisse zu Massenvernichtungswaffen sei gelogen worden. "Jede einzelne unabhängige Analyse hat herausgefunden, dass das komplett falsch ist", erklärte Blair. Der Irak sei nun ein blühenderes Land als unter Saddam Hussein. Hussein habe Hunderttausende seiner Bürger ermordet; zu behaupten, das sei unerheblich für die moralische Rechtfertigung seines Sturzes, sei "bizarr" .

juh/dpa
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