Deutsch-amerikanische Beziehungen "USA erleben demokratische Erneuerung"

Karsten Voigt, Koordinator der Bundesregierung für deutsch-amerikanische Beziehungen, verbrachte die Wahlnacht vor CNN. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE sieht er auf die europäischen Verbündeten der USA größere Forderungen zukommen - egal ob Obama, Clinton oder McCain siegen.


SPIEGEL ONLINE: Herr Voigt, nach dem bisherigen Stand des Super Tuesday liegt Hillary Clinton vorne. Was würde eine Präsidentin Clinton für die US-Außenpolitik bedeuten, in Abgrenzung zu Barack Obama?

Karsten Voigt: "Mein Bauch spricht für Obama, mein Kopf für Clinton."
MARCO-URBAN.DE

Karsten Voigt: "Mein Bauch spricht für Obama, mein Kopf für Clinton."

Voigt: Obama und Clinton verkörpern zwar einen unterschiedlichen Politikstil und unterschiedliche Generationen. Aber sie liegen in den außen- und sicherheitspolitischen Positionen sehr nah beieinander. Sie werden die Macht und die Anziehungskraft der USA ausbauen. Das bedeutet auch ein stärkeres Zugehen auf die europäischen Verbündeten. Das wird verbunden sein mit Forderungen, sich stärker zu engagieren. Zivil, militärisch, regional und global. Europa wird immer mehr zu einem Teil der Problemlösung.

SPIEGEL ONLINE: Was würden Sie von einem republikanischen Präsidenten McCain für die bi- und multilateralen Beziehungen erwarten?

Voigt: McCain vertritt durch sein eigenes Lebensschicksal sehr feste Überzeugungen in der Außen- und Sicherheitspolitik. Sie gehen von einer starken Rolle der USA aus - das verbindet ihn mit den Demokraten. Er legt den Akzent jedoch stärker auf die militärische Sicherheit. Genauso wie die Demokraten würde er die Europäer zu einem größeren Engagement auffordern, im zivilen, aber vor allem im militärischen Bereich.

SPIEGEL ONLINE: Wie frei wird ein neuer US-Präsident egal welcher Partei sein, die Außenpolitik der USA umzugestalten?

Voigt: In Krisenzeiten spielt die Person des Präsidenten eine große Rolle, positiv wie negativ. Daher ist wichtig, wer letztendlich gewählt wird. Gleichzeitig sind einige Dinge unumstritten: dass man die USA als führende Weltmacht erhalten will. Dass die USA ein starkes Militär brauchen. Aber es gibt Akzentunterschiede: Wie weit man auf die Verbündeten hört, wenn man ihre Unterstützung will. Wie weit man sich auf multilaterale Institutionen wie Uno und Nato zubewegt. Aber kein amerikanischer Präsident wird, wenn die Sicherheit der USA auf dem Spiel steht, seine Entscheidung von multilateralen Institutionen abhängig machen.

SPIEGEL ONLINE: Laut einer Forsa-Umfrage würden 43 Prozent der Deutschen Barack Obama Hillary Clinton im Oval Office vorziehen. Wie steht es um Sie?

Voigt: Mir geht es wie den meisten Deutschen: Ich schwanke zwischen beiden. Mein Bauch spricht für Barack Obama, mein Kopf für Hillary Clinton.

SPIEGEL ONLINE: Wie würden Sie als Wahlbeobachter die bisherigen Ergebnisse des Super Tuesday deuten?

Voigt: Das Land erlebt diesen Prozess der Vorwahlen als einen demokratischen Erneuerungsprozess, denn das persönliche und finanzielle Engagement vieler kleiner Leute hat einen Einfluss auf den Ausgang der Wahlen genommen. Das nehmen viele Amerikaner als Bestätigung wahr.

Das Gespräch führte Leonie Wild.



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