Syrien Deutsche Abgeordnete fordern Aufnahme von Flüchtlingen

Immer mehr Syrer flüchten vor den Kämpfen, sie suchen Schutz in den Nachbarländern. Doch diese kommen langsam an ihre Grenzen. In Deutschland fordern nun führende Außenpolitiker, Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland aufzunehmen.

Syrische Flüchtlinge in Jordanien: Tausende Menschen retten sich über die Grenze
dapd

Syrische Flüchtlinge in Jordanien: Tausende Menschen retten sich über die Grenze


Damaskus/Berlin - Seit 18 Monaten tobt der Bürgerkrieg in Syrien schon. Immer mehr Menschen fliehen vor der Gewalt in die Nachbarländer. Angesichts der dramatischen Lage werden in Deutschland die Rufe lauter, auch Flüchtlinge nach Deutschland zu holen. Unions-Fraktionschef Volker Kauder kündigte am Freitag an. Gespräche darüber mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und den Bundesländern zu führen. "Wir müssen bereit sein, Verfolgte, Verletzte und Bedrohte aus Syrien in Europa aufzunehmen", sagte er der "Schwäbischen Zeitung".

Außenpolitiker aller anderen Bundestagsfraktionen plädierten ebenfalls für die Öffnung der deutschen Grenzen für notleidende Syrer. "Moralisch wäre eine Aufnahme in Deutschland grundsätzlich geboten", sagte der SPD-Obmann im Auswärtigen Ausschuss, Rolf Mützenich der "Welt". Das sehen auch die Außenpolitiker Rainer Stinner (FDP), Kerstin Müller (Grüne) und Wolfgang Gehrke (Linke) so.

Philipp Mißfelder, CDU-Obmann im Auswärtigen Ausschuss, sprach sich dafür aus, nur ausgewählte Flüchtlinge ins Land zu lassen. Große Sorgen mache ihm die Lage der Christen in Syrien, da der Bürgerkrieg vor allem auch religiös motiviert sei. "Deshalb sollte Deutschland an dieser Stelle eine Aufnahme von Flüchtlingen nicht ausschließen."

Das Auswärtige Amt warnte vor einem deutschen Alleingang. Außenamts-Sprecher Andreas Peschke betonte, dass Deutschland eine solche Entscheidung nicht alleine treffen könne. "Es kann in so einer wichtigen, sensiblen Frage keine Alleingänge geben." Auch die Einrichtung von militärisch geschützten Flüchtlingszonen in Syrien lehnte Peschke ab. In den internationalen Gremien sei man sich bewusst, welche schwerwiegenden Konsequenzen so etwas haben könne, sagte er zur Begründung.

Die internationale Gemeinschaft sei sich derzeit einig, die Hilfe weiterhin auf Maßnahmen vor Ort zu konzentrieren. Die Bundesregierung hat bisher 22 Millionen Euro für humanitäre Hilfe zur Verfügung gestellt.

Nach Angaben der Regierung in Ankara überquerten in dieser Woche binnen 24 Stunden mehr als 3500 Menschen die Grenze. Das ist einer der höchsten Werte seit Beginn der Gewalt im Land. Das Uno-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) sprach am Freitag von mehr als 200.000 Menschen, die bereits Schutz in der Türkei, im Libanon, dem Irak und Jordanien gesucht haben.

In New York empfing Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon den neuen Sondergesandten der Weltorganisation, Lakhdar Brahimi. Bans Sprecher Martin Nesirky zitierte den Generalsekretär mit den Worten, Brahimis außerordentliche Kompetenz werde für die äußerst wichtige Frage gebraucht, "Frieden und Stabilität nach Syrien zu bringen und die Menschenrechte dort zu fördern". Brahimi tritt offiziell am 1. September die Nachfolge von Kofi Annan an, dessen Friedensplan gescheitert ist. Am Donnerstag hatten die letzten Uno-Beobachter Damaskus verlassen-.

heb/dpa/Reuters

insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kritiker111 24.08.2012
1. Wen noch alles?
Natürlich ist es entsetzlich, was in Syrien vor ich geht! Aber wen sollen wir noch alles aufnehmen? Unsere Kapazitäten sind langsam auch erschöpft! Vor allem wächst der Anteil an Ausländern ständig - und das ohne einen positiven ffekt, eher im Gegenteile. Die Bewohner mancher Viertel können ein ungutes Lied davon singen. Unsere Abgeordneten, vor allem die der Roten und Grünen, reden sich leicht - sie sind "weit ab vom Schuss" und bekommen von diesen ganzen Problemen kaum etwas mit. Wir sind nicht die Retter der ganzen Welt, auch wenn sich unsere Politiker damit - zu Lasten der Bevölkerung dieses Landes - damit groß tun und sich positiv in den Medien präsentieren wollen!
yas 24.08.2012
2. denken
...man sollte vielleicht nicht zu voreilige Schluesse ziehen. Warum geht es uns denn in deutschland bzw. Europa so gut...? Das liegt bestimmt nicht daran, dass wir so ein tolles Volk waren oder sind.... Solidaritaet mit menschen, wo es um Leben oder Tot geht gehoert zum Menschsein dazu, wenn es uns bspw. in Deutschland so gehen wuerde, wie es gerade dem syrischen oder einem anderem Volk geht, dann waeren auch wir gluecklich und dankbar ueber eine Rueckzugsmoeglichkeit...
glaubblosnix 24.08.2012
3. Doch, können wir!
Zitat von kritiker111Natürlich ist es entsetzlich, was in Syrien vor ich geht! Aber wen sollen wir noch alles aufnehmen? Unsere Kapazitäten sind langsam auch erschöpft! Vor allem wächst der Anteil an Ausländern ständig - und das ohne einen positiven ffekt, eher im Gegenteile. Die Bewohner mancher Viertel können ein ungutes Lied davon singen. Unsere Abgeordneten, vor allem die der Roten und Grünen, reden sich leicht - sie sind "weit ab vom Schuss" und bekommen von diesen ganzen Problemen kaum etwas mit. Wir sind nicht die Retter der ganzen Welt, auch wenn sich unsere Politiker damit - zu Lasten der Bevölkerung dieses Landes - damit groß tun und sich positiv in den Medien präsentieren wollen!
Wir können es uns leisten Menschen vor Tod und Folter zu retten. Wir sollten diesen Menschen helfen zu überleben. Das dürfte den deutschen bzw. europäischen Steuerzahler weit weniger kosten als irgendwelche korrupten Griechen zu finanzieren. Allerdings sollten sie auch in die Heimat zurückkehren wenn die Lage dort wieder für sie scher ist.
Nucky 24.08.2012
4.
Zitat von kritiker111Natürlich ist es entsetzlich, was in Syrien vor ich geht! Aber wen sollen wir noch alles aufnehmen? Unsere Kapazitäten sind langsam auch erschöpft! Vor allem wächst der Anteil an Ausländern ständig - und das ohne einen positiven ffekt, eher im Gegenteile. Die Bewohner mancher Viertel können ein ungutes Lied davon singen. Unsere Abgeordneten, vor allem die der Roten und Grünen, reden sich leicht - sie sind "weit ab vom Schuss" und bekommen von diesen ganzen Problemen kaum etwas mit. Wir sind nicht die Retter der ganzen Welt, auch wenn sich unsere Politiker damit - zu Lasten der Bevölkerung dieses Landes - damit groß tun und sich positiv in den Medien präsentieren wollen!
Ganz genau. Das Boot ist voll! Moment, wo hab ich das schon mal gehört... Nachdem der Westen (und der Rest der Welt) Syrien mehr als ein Jahr lang sich selbst und seinen Schlächtern überlassen hat, will man nun seine Hände in Unschuld waschen und so tun, als gingen einem diese Greuel nichts an. Das wird leider nicht funktionieren. Der Preis für das verantwortungslose Verhalten der Weltgemeinschaft ist ein Konflikt, der womöglich noch jahrelang Opfer und Flüchtlinge produzieren wird und sich - euphemistisch ausgedrückt - ungünstig auf die Region auswirken wird. Die Art und Weise, wie manche Kommentatoren vom hohen Ross von Frieden, Wohlstand und Sicherheit auf ihre Mitmenschen in weit schlechteren Lebensumständen herabblicken ist, entschuldigen Sie meine Verärgerung zu später Stunde, einfach ekelhaft.
athene noctua 24.08.2012
5.
Zitat: "Philipp Mißfelder, CDU-Obmann im Auswärtigen Ausschuss, sprach sich dafür aus, nur ausgewählte Flüchtlinge ins Land zu lassen." Wie sind denn die Kriterien
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.