Deutsche Geiseln Jemen verhaftet Stammesmitglieder

Die Geiselnahme im Jemen steht angeblich kurz vor dem Ende: Laut der Nachrichtenagentur Reuters wurden mehrere Stammesangehörge verhaftet, die für die Entführung dreier Deutscher verantwortlich sein sollen.


Sanaa/Berlin - Das jemenitische Militär hat mehrere Angehörige des Stammes festgenommen, der für die Geiselnahme von drei Deutschen verantwortlich sein soll. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Sicherheitskreise. Bereits am Montag hatten jemenitische Truppen den mutmaßlichen Rückzugsort der Entführer umzingelt.

SPIEGEL ONLINE
Die Soldaten hätten sich dem Berggebiet 60 Kilometer östlich der Hauptstadt von vier Seiten genähert, zitierte die Internet-Sseite der Regierungspartei den Vizegouverneur der Provinz Sanaa, Abdulmalek al-Gharbi. Ein Vertreter der jemenitischen Sicherheitsbehörden hatte am Montag erklärt, dass Stammesangehörige eine Uno-Mitarbeiterin und deren Eltern bei einem Ausflug verschleppt hätten.

Hintergrund der Tat ist nach jemenitischen Angaben ein Streit zweier Stämme um Grund und Boden. Zudem verlangen die Geiselnehmer vom Stamm der Bani-Thabjan die Freilassung zweier Stammesmitglieder, die wegen einer früheren Entführung in Haft sitzen.

Ausländer sind im Jemen wiederholt Opfer von Entführungen geworden, womit Stammesangehörige ihre Forderungen durchzusetzen versuchen. In den meisten Fällen kamen die Geiseln unverletzt frei.

Das Auswärtige Amt rät bei Reisen in den Jemen wegen bestehender Terrorgefahr und Risiko von Entführungen zu besonderer Vorsicht. Von Reisen in die Regionen Marib und Saada wird ebenso abgeraten wie von Einzelreisen durch das Land.

Ende der neunziger Jahre wurden Touristen mehrfach Opfer von Entführungen. Im März 1997 wurden vier Touristen - zwei Männer und zwei Frauen aus Nordrhein-Westfalen und Brandenburg - in der Wüste von Marib östlich der Hauptstadt Sanaa verschleppt. Sie kamen nach zehntägiger Gefangenschaft wieder frei. Im Dezember 1998 wurden drei Frauen und ein Mann von Mitgliedern der Volksgruppe der Bani-Thabjan entführt und bis Ende des Monats festgehalten. Im Januar 1999 wurde eine 30-jährige Hebamme aus Deutschland zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder von Angehörigen eines Stammes im Norden des Landes verschleppt. Nach vier Tagen wurde die Entwicklungshelferin freigelassen.

Auch in anderen Ländern sind immer wieder Entführungen von Deutschen gemeldet worden. Erst im September waren Touristen in Ägypten betroffen, darunter fünf Deutsche. Im Juli wurden drei deutsche Bergsteiger im Osten der Türkei von Rebellen der Kurdischen Arbeiterpartei PKK entführt.

Auch Deutsche wurden bereits im Jemen entführt. Im Juli 2001 nahmen bewaffnete Stammesangehörige in Sanaa einen deutschen Diplomaten als Geisel. Erst Ende September ließen ihn seine Entführer frei. Ende Dezember 2005 wurden im Ostjemen der frühere Staatssekretär Jürgen Chrobog, seine Frau und seine drei Söhne verschleppt. Nach drei Tagen wurde die Familie unversehrt freigelassen.

cte/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.