Aus Gefangenenlager al-Haul in Syrien IS-Anhängerin kehrt nach Deutschland zurück

In den kommenden Tagen kehrt eine weitere deutsche Anhängerin des "Islamischen Staats" in ihre Heimat zurück. Nach Erkenntnissen der Behörden hatte sich Laura H. der Terrorgruppe schon 2016 angeschlossen.
Lager im syrischen al-Haul (Archivbild): Katastrophale Zustände

Lager im syrischen al-Haul (Archivbild): Katastrophale Zustände

Foto: Maya Alleruzzo/ AP/ DPA

Nach wochenlangen Verhandlungen ist es dem Auswärtigen Amt in Zusammenarbeit mit einer amerikanischen Hilfsorganisation gelungen, die Deutsche Laura H. gemeinsam mit drei Kindern aus dem Gefangenenlager al-Haul in Nordsyrien zu holen.

Die Frau aus Hessen, die seit Dezember 2018 in dem Lager für gefangene IS-Anhänger war, soll nun in den nächsten Tagen über die nordirakische Stadt Erbil nach Deutschland ausgeflogen werden. Sie hatte sich im März 2016 aus dem Raum Gießen mit ihren Kindern auf den Weg nach Syrien gemacht und sich dort im Sommer dem IS angeschlossen.

Hierzulande interessieren sich die Behörden für die Rückkehrerin aus dem Kriegsgebiet. Gegen die Mutter wird schon länger wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe ermittelt. Zudem läuft gegen sie ein Verfahren wegen der Verletzung der Fürsorgepflicht, weil sie ihre Kinder mit in die Krisenzone nahm.

Laura H. ist die erste erwachsene Deutsche, die aus dem Gefangenenlager al-Haul herausgeholt wurde. Bisher hatte die Bundesregierung nur Kinder von deutschen IS-Anhängern aus dem Camp evakuiert. In dem Lager haben kurdische Sicherheitskräfte Tausende mutmaßliche IS-Anhänger eingesperrt, laut Berichten von Helfern herrschen katastrophale Zustände, die für die vielen Kinder lebensgefährlich sind.

Offenbar gelang die Aktion nur, weil Laura H. ein Kind mit US-Staatsbürgerschaft bei sich hat und sich deswegen eine amerikanische Hilfsorganisation vor Ort in Syrien für die Freilassung engagierte.

Die Bundesregierung steht nach entsprechenden Gerichtsurteilen massiv unter Druck, weitere Frauen von IS-Kämpfern aus dem Lager zu holen. Bisher argumentiert das Auswärtige Amt (AA), dies sei wegen der chaotischen Lage in Nordsyrien unmöglich.

Die USA und auch die Kurden in der Region drängen seit langer Zeit darauf, dass die Europäer inhaftierte Kämpfer des IS und deren Ehefrauen und Kinder in ihre Heimat zurückbringen und selbst vor Gericht stellen. Laut einer aktuellen Statistik sitzen in Syrien 81 deutsche IS-Anhängerinnen und IS-Anhänger in Lagern oder Gefängnissen, die in den letzten Jahren in das Krisengebiet gezogen sind.

Im Fall der Deutschen besteht die Sorge, dass sie nach einer Rückkehr weiter eine Gefahr darstellen. Ob man sie überhaupt vor deutschen Gerichten verurteilen kann, ist ungewiss, da in vielen Fällen handfeste Beweise fehlen. Folglich liegen auch nur gegen 26 Personen bisher in Deutschland Haftbefehle vor.

Kürzlich hatte die Türkei zwei deutsche IS-Anhängerinnen nach Deutschland abgeschoben, die aus Lagern in Nordsyrien fliehen konnten und dann von türkischen Sicherheitskräften festgesetzt worden waren. Öffentlich droht die Regierung in Ankara immer wieder damit, noch weitere Terrorverdächtige nach Deutschland abzuschieben. Um wen es dabei geht, wissen die deutschen Behörden bisher nicht.

mgb/srö/wow
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