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23. Oktober 2011, 09:31 Uhr

Deutsche Waffen in Libyen

Staatsanwalt ermittelt gegen Heckler & Koch

Der deutsche Waffenhersteller Heckler & Koch hat nach SPIEGEL-Informationen wegen des Verdachts auf illegale Rüstungsexporte Ärger mit der Justiz: Truppen des libyschen Ex-Diktators Gaddafi hatten Sturmgewehre vom Typ G 36 benutzt. Nun ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft.

Hamburg - Wegen des Verdachts der illegalen Lieferung von Sturmgewehren vom Typ G 36 an das Terrorregime des jetzt getöteten libyschen Despoten Muammar al-Gaddafi hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Verfahren eingeleitet - gegen den Hersteller, die Waffenschmiede Heckler & Koch im baden-württembergischen Oberndorf. "Wir ermitteln gegen Verantwortliche der Firma wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz", bestätigte Staatsanwältin Claudia Krauth dem SPIEGEL.

Dutzende G 36 waren libyschen Rebellen in die Hände gefallen, als sie Ende August Tripolis eroberten und die Kaserne Bab al-Asisija stürmten, in deren Mitte Gaddafi in einem Zelt lebte. Viele Gewehre waren noch verpackt, als die Rebellen sie fanden. Wegen eines Embargos hätten die deutschen Waffen nicht im Besitz der Truppen des Diktators sein dürfen.

Das Unternehmen Heckler & Koch räumte mittlerweile ein, die Lieferung stamme aus einer Tranche von 608 Gewehren und 500.000 Schuss Munition, die 2003 offiziell und mit Genehmigung deutscher Behörden an das ägyptische Verteidigungsministerium gegangen seien. Wie sie von dort nach Libyen gelangten, sei nicht bekannt.

Dschibril hätte Gaddafi lieber vor Gericht gesehen

Libyens neue Führung hat unterdessen den Tod des langjährigen Machthabers bedauert. Er hätte Gaddafi lieber vor Gericht gesehen, sagte der Chef der Übergangsregierung, Mahmud Dschibril, am Samstag der BBC. Dort hätte Gaddafi erklären sollen, warum er das libysche Volk mehr als 40 Jahre unterdrückt habe. Dschibril fügte hinzu, dass die Übergangsregierung zu einer vom Uno-Menschenrechtskommissariat geforderten Untersuchung der Todesumstände bereit sei und dazu auch internationale Beobachter zulassen könne.

Noch vor den geplanten Feiern zur Befreiung des Landes an diesem Sonntag wurde der Streit um die Leiche des Ex-Diktators vorerst beigelegt. Die Leichen Gaddafis und seines Sohns Mutassim sollen nun an Angehörige übergeben werden, statt wie ursprünglich geplant, an einem unbekannten Ort vergraben zu werden.

Nach wie vor ist unklar, wie Gaddafi ums Leben kam. Es gibt auch den Verdacht, dass er gelyncht wurde. Gaddafi wurde am Donnerstag zunächst in einem Wasserrohr unter einer Straße in der Nähe seiner Heimatstadt Sirt entdeckt und lebend gefangengenommen. Nach Darstellung des Übergangsrats starb Gaddafi später in einem Krankenwagen. Der Fahrer des Wagens sagte allerdings der Nachrichtenagentur Reuters, Gaddafi sei bereits tot gewesen, als er den Körper in Empfang genommen habe.

Ein Sprecher des Übergangsrats hatte erklärt, Gaddafi sei ins Kreuzfeuer seiner Anhänger und der Regierungstruppen geraten und dabei getötet worden. Die halbnackte Leiche Gaddafis mit Einschusswunde am Kopf wurde auch noch am Samstag in einem Kühlraum in der Stadt Misurata zur Schau gestellt.

wit/Reuters/dpa

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