Deutschland-Besuch Gerichtsvollzieher verfolgen Argentiniens Präsidentin

Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner schreitet bei ihrer Deutschland-Visite mit der Kanzlerin über den roten Teppich und posiert mit dem Bundespräsidenten. Peinlich: In Frankfurt am Main wurde der Besuch von Gerichtsvollziehern begleitet. 

dapd

Hamburg - Küsschen hier, Küsschen da. Argentinien präsentiert sich als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse, und Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner genießt die Aufmerksamkeit. Bei ihrem Deutschland-Besuch traf sie sich mit Kanzlerin Angela Merkel, Außenminister Guido Westerwelle und Bundespräsident Christian Wulff. Es könnte alles so harmonisch sein. Wenn da nicht der Gerichtsvollzieher wäre.

Im Auftrag von Anlegern jagt eben jener hinter dem Vermögen der argentinischen Regierung her. Zahlreiche private Gläubiger aus dem Ausland fordern das Geld zurück, das sie einst in Staatsanleihen investierten - aber nicht zurückerhalten haben, seit Argentinien 2001 die Zahlungsunfähigkeit erklärte. Laut "Süddeutscher Zeitung" geht es dabei um zehn bis 15 Milliarden Dollar. Gerade in Deutschland lägen viele rechtskräftige Urteile zugunsten der privaten Anleger vor. Und diese wollten ihr Geld eintreiben.

Es gebe zwei Vollstreckungsaufträge, bestätigte der Vizepräsident des Frankfurter Amtsgerichts, Bernhard Olp, einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Es sei aber nichts Pfändbares gefunden worden. Als der Gerichtsvollzieher bei der Buchmesse Exponate pfänden wollte, seien ihm Urkunden vorgelegt worden, dass die Objekte nicht der Republik Argentinien gehörten, sagte Olp SPIEGEL ONLINE. Man war gut vorbereitet am Stand.

Bei der Suche nach pfändbaren Objekten sind die Geprellten in den vergangenen Jahren kreativ geworden. Sie versuchten, auf Konten europäischer Banken zuzugreifen oder auf eine einstige Botschaftsvilla in Bonn. Bei einer Dinosaurier-Ausstellung im Frühjahr in Rosenheim sahen die Gläubiger die Gelegenheit gekommen - doch das bayerische Kultusministerium habe die Exponate in letzter Minute zu unpfändbaren Kulturgütern erklärt.

Der Versuch, die Regierungsmaschine zu pfänden

Dann zielten die Gläubiger auf die Regierungsmaschine "Tango 1". Weil er offenbar Angst vor einer spektakulären Pfändung des Flugzeugs hatte, sagte der damalige Präsident Néstor Kirchner - Gatte der heutigen Staatschefin - 2003 eine Rede beim Jahrestreffen des Ibero-Amerika-Vereins in Hamburg ab. Sein Vizepräsident reiste schließlich per Linienflug an. Ähnliches ereignete sich drei Jahre später bei der Fußballweltmeisterschaft. Eine Pfändung des Flugzeugs wäre jedoch vermutlich schwierig, weil es juristisch der Fluglinie gehöre, nicht der Regierung, so ein Rechtsanwalt, der selbst Gläubiger vertritt, zur "Süddeutschen Zeitung".

Seit Jahren kämpfen die Kleinanleger aus Deutschland, Italien, Japan und anderen Ländern um ihr Geld. In den vergangenen Jahren wuchs die argentinische Wirtschaft wieder, sie erreichte sogar Wachstumsraten von bis zu neun Prozent, das gab ihnen Hoffnung. Sie haben sich organisiert, gründeten in den USA die American Task Force Argentina und in Deutschland die IG Argentinien, die sich allerdings im Juli 2010 aufgelöst hat.

In diesem Sommer gab es ein zweites Umtauschangebot der argentinischen Regierung. Eine erste Offerte hatte Buenos Aires 2003 vorgelegt: Die Anleger sollten auf bis zu 75 Prozent ihres Geldes verzichten. Es folgten zahlreiche Klagen, erst 2005 gab es eine Umschuldungsaktion. 75 Prozent der Investoren nahmen das klägliche Angebot an, doch es waren längst nicht alle. Auch nach dem zweiten Vorstoß gibt es noch zahlreiche Gläubiger, die weiterkämpfen.

"Solange die damals während der Argentinien-Krise nicht bedienten Staatsanleihen nicht getilgt worden sind, bleibt der erneute Zugang von Argentinien als Schuldner am internationalen Kapitalmarkt gesperrt", sagte Frank Engels, Rentenfondsmanager bei Union Investment, vor einigen Monaten zum manager magazin online.

Ungelöst bleibt zudem das Problem der Schulden gegenüber dem Pariser Club, der staatliche Institutionen vertritt. Der "Neuen Zürcher Zeitung" zufolge stehen noch sieben Milliarden Dollar aus. Bei dem Treffen mit Merkel am Mittwoch forderte Kirchner eine "weit gefasste Umwandlung" der argentinischen Altschulden.

In einem Interview mit dem SPIEGEL sagte die Staatschefin kürzlich, sie habe mit einer "bedeutenden Gruppe von Investoren gesprochen". Argentinien genieße "wieder mehr Vertrauen". Diese Meinung teilen zumindest jene nicht, die in Frankfurt am Main geklagt hatten.

kgp



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Seite 1
wolf-wolf 07.10.2010
1. !
Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner schreitet bei ihrer Deutschland-Visite mit der Kanzlerin über den roten Teppich und*posiert mit dem Bundespräsidenten.*Peinlich: In Frankfurt wurde der Besuch von Gerichtsvollziehern begleitet.* Wen Man in Casino spielt ist man selbst schuld. Wo ist die eigen Verantwortung. Gilt das nur für den "kleinen Mann" der arbeitslos wird weil seine Firma pleite geht und er hat seit paar Monate kein Geld gekriegt. Ist doch dem Geld gierigen Zocker zu recht geschehen.
fritzyoski, 07.10.2010
2. selber schuld
Zitat von sysopArgentiniens Präsidentin Cristina Kirchner schreitet bei ihrer Deutschland-Visite mit der Kanzlerin über den roten Teppich und*posiert mit dem Bundespräsidenten.*Peinlich: In Frankfurt wurde der Besuch von Gerichtsvollziehern begleitet.* http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,721759,00.html
Argentinien hat den Bankrott erklaert und damit hat sich die Sache. Wer dumm genug ist und sein Geld verleiht ist selber schuld. Aehnliches wird sich bald den USA, Japan und auch in der EU ereignen. Viel Spass dabei!
bolonch 07.10.2010
3. Seit Jahren kämpfen die Kleinanleger um ihr Geld
Mein Mitleid hält sich allerdings arg in Grenzen... Wer damals angesichts von Zinsätzen zwischen 10 und 20% leuchtende Augen bekommen hat, hat's nicht besser verdient. Die hohen Zinsen waren eben genau die Risikoprämie. Wer's hätte sicherer haben wollen, hätte ja eine Kreditausfallversicherung kaufen sollen und schnell bemerkt, dass das die Rendite auf normales Niveau gesenkt hätte. Hat damit wenig zu tun, aber der grosse Fehler Argentiniens war aber die Schulden aus den Zeiten der Diktaturen jahrelang weiterzubedienen (die Auslandschulden haben sich alleine währen der letzten Diktatur versechsfacht!). Wer einer Diktatur Geld leiht sollte nicht erwarten, das Geld zurueckzubekommen.
Andariel 07.10.2010
4. Peinlich....
Das ist peinlich für Deutschland, dass man nicht einmal soviel Repekt aufbringen kann, dass ohne die Öffentlichkeit einzutreiben. Ich frage mich, wie das wohl aussehen wird, wenn ein Gerichtsvollzieher hinter Merkel oder Vizewelle hermarschieren, bei den Schulden, die unser Staat hat und weiter macht. Solche Aktionen nenne ich mal eine internationale Blamage für die Diplomatiefähigkeiten Deutschlands!
faustjucken_tk 07.10.2010
5. ...
Zitat von AndarielDas ist peinlich für Deutschland, dass man nicht einmal soviel Repekt aufbringen kann, dass ohne die Öffentlichkeit einzutreiben. Ich frage mich, wie das wohl aussehen wird, wenn ein Gerichtsvollzieher hinter Merkel oder Vizewelle hermarschieren, bei den Schulden, die unser Staat hat und weiter macht. Solche Aktionen nenne ich mal eine internationale Blamage für die Diplomatiefähigkeiten Deutschlands!
Wieso peinlich? Was ist denn peinlicher, auf die Rückzahlung der eigenen Schulden zu bestehen oder in aller Welt herumreißen und sich öffentlich vor der Rückzahlung zu drücken? Die hätten die ganze Sippschaft gleich einsperren sollen. Sie würden nicht so schreiben, wenn sie damals ihr eigenes Rentengeld dort hereingesteckt hätten.
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