Erklärung von Merkel, Macron, Johnson Deutschland macht Iran für Angriff in Saudi-Arabien verantwortlich

Nach dem Angriff auf Ölraffinerien in Saudi-Arabien hatten sich Deutschland, Frankreich und Großbritannien zunächst mit Schuldzuweisungen zurückgehalten. Nun folgen sie den USA - und klagen Iran an.
Macron, Merkel, Johnson: "Deutlich, dass der Iran die Verantwortung für diesen Angriff trägt"

Macron, Merkel, Johnson: "Deutlich, dass der Iran die Verantwortung für diesen Angriff trägt"

Foto: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben erstmals Iran für die Angriffe auf die wichtigsten Ölanlagen in Saudi-Arabien verantwortlich gemacht. "Für uns ist deutlich, dass Iran Verantwortung für diesen Angriff trägt", hieß es in einer am Rande der Uno-Vollversammlung veröffentlichten gemeinsamen Erklärung  der Bundesregierung, der französischen sowie der britischen Regierung.

Die mit Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Bürgerkriegsland Jemen hatten die Angriffe für sich reklamiert. Saudi-Arabien erklärte, die Angriffe seien mit iranischen Waffen ausgeführt worden und macht wie die US-Regierung auch die Führung in Teheran verantwortlich. Iran bestreitet eine Verwicklung (lesen Sie hier mehr zu dem Angriff auf die wichtigsten Ölanlagen Saudi-Arabiens).

Angela Merkel, Emmanuel Macron und Boris Johnson riefen Iran in der gemeinsamen Erklärung zugleich auf, sich zu Verhandlungen über sein Atomprogramm bereit zu erklären. Es sei an der Zeit, dass Iran langwierige Gespräche über das Programm sowie über Sicherheitsfragen in der Region akzeptiere.

Die drei europäischen Regierungen würden ihre diplomatischen Bemühungen für einen Dialog jener Partner fortsetzen, die die Spannungen im Nahen Osten deeskalieren wollten, hieß es weiter. Man rufe auch Iran dazu auf, in einen solchen Dialog einzutreten, statt zu provozieren und die Eskalation zu suchen.

Arbeiter an einer der beschädigten Ölanlagen in Saudi-Arabien

Arbeiter an einer der beschädigten Ölanlagen in Saudi-Arabien

Foto: Hamad l Mohammed/ REUTERS

Auch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte nach einem Gespräch mit ihrem US-Kollegen Mark Esper in Washington eine iranische Verantwortung für die Attacken in Saudi-Arabien angedeutet. "Der Verdacht, dass es sozusagen in welcher Form auch immer eine iranische Beteiligung gibt, wird meiner Ansicht nach international geteilt", sagte die CDU-Chefin kurz vor ihrem Rückflug. Kramp-Karrenbauer betonte allerdings, dass die Hinweise, allen voran die Reste der eingesetzten Waffen, noch weiter analysiert würden. Dazu seien internationale Ermittler vor Ort.

Trump: "Sie wissen, wen sie anrufen müssen"

US-Präsident Donald Trump scheint an Vermittlungsversuchen zwischen seinem Land und Iran derweil wenig interessiert. Auf das Angebot von Frankreichs Präsident Macron, zwischen den Staaten zu vermitteln, sagte Trump laut der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir brauchen keinen Vermittler, sie wissen, wen sie anrufen müssen."

Die USA waren im Mai vergangenen Jahres einseitig aus dem internationalen Atomabkommen mit Iran ausgestiegen. Deutschland, Frankreich und Großbritannien gehören zu den Unterzeichnerstaaten, die das Abkommen retten wollen.

Vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen den USA und Iran beginnt am Dienstag die Generaldebatte bei der Uno-Vollversammlung in New York. Dort soll Trump als einer der ersten Redner das Wort ergreifen. Im vergangenen Jahr hatte er der Führung in Teheran bei der Uno-Vollversammlung vorgeworfen, "Chaos, Tod und Zerstörung" zu säen.

Der iranische Präsident Hassan Rohani wird am Mittwoch vor den Staats- und Regierungschefs bei den Vereinten Nationen sprechen. Vor seiner Abreise nach New York kündigte Rohani in Teheran an, er wolle bei der Uno-Vollversammlung für einen "langfristigen Frieden" im Nahen Osten werben.

fek/mgb/dpa/Reuters
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