Streit mit Ankara Deutschland soll Nato-Gipfel in der Türkei verhindert haben

Ursprünglich sollte der nächste Nato-Gipfel in Istanbul ausgerichtet werden. Doch dagegen stellten sich einem Zeitungsbericht zufolge vor allem Deutschland und Frankreich. Das Treffen soll nun in Brüssel stattfinden.

Recep Tayyip Erdogan (vorne), Emmanuel Macron (Mitte), Angela Merkel
AFP

Recep Tayyip Erdogan (vorne), Emmanuel Macron (Mitte), Angela Merkel


Die Nato-Staaten haben offenbar ein Angebot des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ausgeschlagen, im kommenden Jahr den Gipfel des Militärbündnisses auszurichten. Das berichtet die Zeitung "Die Welt" unter Berufung auf hohe Nato-Diplomaten, die mit der Angelegenheit vertraut sind.

Demnach hatte sich die Türkei als Gastgeber angeboten. Doch angeführt von Deutschland und Frankreich sollen sich etliche Nato-Mitglieder wie Dänemark, die Niederlande und Kanada gegen das Land ausgesprochen haben. "Wir wollen die Türkei nicht international aufwerten und den Eindruck vermeiden, dass die Nato die interne Politik der türkischen Regierung unterstützt", zitierte "Die Welt" aus Nato-Kreisen.

Offenbar hatte Erdogan das Angebot beim Treffen im Juli 2016 in Warschau gemacht. Ursprünglich sei auch der Plan gewesen, 2018 nach Istanbul zu kommen, auch wenn dazu kein formaler Beschluss gefasst wurde. Doch nun habe es die Kehrtwende gegeben. Auch beim Nato-Gipfel am vergangenen Wochenende soll über das Thema gesprochen worden sein.

Anstelle von Istanbul soll das nächste turnusmäßige Gipfeltreffen nun im neuen Hauptquartier der Allianz in Brüssel ausgerichtet werden. Ein Beschluss dazu soll demnach auf dem Treffen der Nato-Verteidigungsminister Ende Juni fallen.

Die Absage an Erdogan ist die nächste Runde im deutschen Streit mit der Türkei. Unter anderem verhindert Ankara Besuche deutscher Abgeordneter bei den deutschen Soldaten auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt in Incirlik. Die SPD fordert deshalb den Abzug der Bundeswehr. Eine Entscheidung darüber soll laut Bundesregierung innerhalb von zwei Wochen gefällt werden.

Außerdem gibt es Streit zwischen Österreich und der Türkei. Weil das Nato-Partnerland das Ende der EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei fordert, wollen die Türken ihrerseits die Österreicher von allen wichtigen Nato-Partnerprogrammen ausschließen.

max/dpa



insgesamt 86 Beiträge
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Seite 1
Na Sigoreng 31.05.2017
1. Gut so!
Dann kann Deutschland also auch mal ein bisschen böse sein!
hohnspiegel 31.05.2017
2. Richtige Entscheidung
Ein Nato Gipfeltreffen in Istanbul würde ein völlig falsches Signal setzen. Man sollte der Türkei keine solche Plattform mehr geben
gammoncrack 31.05.2017
3. Das hätte noch gefehlt, dass
dieser Tyrann auch noch dadurch eine Aufwertung erfährt. Und wenn dann der Gipfel ansteht, wird einigen Teilnehmern bzw. Begleitern die Einreise verweigert. Allein die Anfrage, die Türkei als Veranstaltungsart zu nehmen, zeigt doch, wie extrem realitätsfremd dieser Mann ist.
Papazaca 31.05.2017
4. Endlich Gegenwind
Erdogan hat es sich ja mit vielen vermasselt (das hat er mit Merkel gemeinsam). Und langsam erntet er die Früchte. Das kann letztlich nicht gut gehen. Aber es wird seine Zeit dauern. Und es passiert auf den unterschiedlichsten Ebenen (Turkish Airlines, Tourismus, Investitionen). Fortsetzung folgt.
ackergold 31.05.2017
5. Wenn es so gewesen sein sollte...
...dann war es wohl eine richtige Entscheidung. Schließlich weiß man inzwischen in Erdostan nicht mehr, ob die Delegierten überhaupt einreisen dürfen und Journalisten, die Erdogan nicht in den Kram passen, werden ja gerne mal ein paar Jahre eingesperrt. In so einem Land kann man keine Großveranstaltungen sicher abhalten - da beißt die Maus keinen Faden ab.
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