Bürgerkrieg in Syrien Uno dokumentiert immer mehr Menschenrechtsverletzungen

Die Zahl der Menschenrechtsverletzungen in Syrien nimmt drastisch zu, die Uno berichtet von Morden, Inhaftierungen und sexueller Gewalt. Rebellen sprechen von den heftigsten Militär-Attacken seit Wochen: Bei Luftangriffen sollen mehr als 90 Menschen getötet worden sein.

Zerstörte Häuser in der Stadt Maaret al-Numan: Heftige Attacken des syrischen Militärs
AFP

Zerstörte Häuser in der Stadt Maaret al-Numan: Heftige Attacken des syrischen Militärs


Damaskus/Istanbul/Beirut - Bei Luftangriffen der syrischen Armee auf Städte nahe der türkischen Grenze sind nach Angaben von Aktivisten mehr als 90 Menschen gestorben. Die Attacken in den Provinzen Idlib und Aleppo seien "konzentriert und intensiv" gewesen, sagte auch der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdul-Rahman. Allein auf die Stadt Maaret al-Numan seien zwölf Angriffe innerhalb einer Stunde geflogen worden.

Rebellen sprachen von den heftigsten Attacken in den vergangenen Wochen. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad lasse Vergeltungsangriffe fliegen, um Rache an den Bewohnern von Unruheregionen zu nehmen, hieß ein einer Mitteilung der Allgemeinen Kommission für die Syrische Revolution (SRGC). Die Vereinten Nationen hatten vor kurzem erstmals von mehr als 30.000 Toten in Syrien gesprochen.

Die Kriegsparteien nehmen nach Erkenntnissen der Uno immer weniger Rücksicht auf Menschenrechte. "Mord, ungerechtfertigte Inhaftierung, sexuelle Gewalt, Gewalt gegen Kinder - die Lage wird immer schlimmer", sagte der brasilianische Diplomat Paulo Pinheiro, der im Auftrag der Uno Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentiert. Deren Zahl habe "in den vergangenen Monaten dramatisch zugenommen", berichtete Pinheiro.

Erst am Dienstagnachmittag meldeten Menschenrechtler, dass Mohammed Sakarija al-Nasar, ein Professor der Universität Damaskus, in der Haft zu Tode gefoltert worden sei.

Humanitäre Lage verschlimmert sich

Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen warnte unterdessen, dass durch den Bürgerkrieg immer mehr Menschen von Hunger bedroht seien. Etwa 1,4 Millionen Menschen waren im September auf Lebensmittelhilfen der Uno angewiesen, wie das WFP in Genf mitteilte. Aufgrund der anhaltenden Kämpfe sei es den Helfern aber nicht möglich, alle Bedürftigen zu erreichen, sagte WFP-Sprecherin Elisabeth Byrs. Dazu zählten unter anderem die Regionen Homs, Aleppo, Daraa sowie einige ländliche Gebiete bei Damaskus.

Das WFP bereite sich zudem darauf vor, bis zum Jahresende mehr als 460.000 syrische Flüchtlinge zu versorgen, sagte Byrs. Bis Dienstag waren nach Angaben der Uno knapp 344.000 Syrer als Flüchtlinge registriert oder hatten Hilfe des Uno-Flüchtlingshilfswerks in Anspruch genommen, sagte dessen Sprecher Adrian Edwards.

Der Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi ringt indes weiter um eine Waffenruhe, um den Menschen in Syrien wenigstens während des islamischen Opferfestes eine kurze Atempause zu verschaffen. Die Arabische Liga unterstütze den Appell, sagte deren stellvertretender Generalsekretär Ahmed Ben Hilli.

Das Assad-Regime zeigte sich zumindest gesprächsbereit: Der Sprecher des syrischen Außenministeriums, Dschihad Makdisi, sagte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, in Damaskus warte man gespannt auf die Vorschläge Brahimis. In der Vergangenheit sei die Umsetzung von Vorschlägen der Arabischen Liga jedoch daran gescheitert, dass sich die bewaffneten Regimegegnern an keine Vereinbarung gehalten hätten.

usp/dpa/Reuters

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Seite 1
Schroekel 17.10.2012
1. die welt schaut tatenlos zu...
Zitat von sysopAFPDie Zahl der Menschenrechtsverletzungen in Syrien nimmt drastisch zu, die Uno berichtet von Morden, Inhaftierungen und sexueller Gewalt. Rebellen sprechen von den heftigsten Militär-Attacken seit Wochen: Bei Luftangriffen sollen mehr als 90 Menschen getötet worden sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/die-humanitaere-lage-in-syrien-wird-schlimmer-90-tote-bei-luftangriff-a-861696.html
...wie Assad wie ein Mafiapate diejenigen mit seiner von Russland und dem Iran ausgerüsteten Luftwaffe, Artillerie und Panzern rücksichtlos meuchelt, die ihn angeblich gewählt haben und sich jetzt weigern weiteres Schutzgeld zu bezahlen. Assads Bodentruppen weigern sich, er setzt Luftwaffe und Artillerie ein. Die Welt braucht dringend eine handlungsfähige UN. Je schneller dieser Mann mitsamt seinem Clan in die schon vorbereitetn Hütten mit oder ohne Pool östlich des Urals oder an anderer, profanerer Stelle verschwindet, desto besser. Da Putin ihn militärisch ausrüstet, soll er auch für die Entsorgung aufkommen.
raskolnikov.. 17.10.2012
2. Aha.....
......die UNO beruft sich auf irgendwelche Aussagen irgendwelcher "Rebellen"; Erdogan riecht in jedem syrischen Furz einen Angriff auf die Türkei, schafft es aber trotz aller Zündelei nicht Gestank in Explosion zu verwandeln, die mehr oder weniger verdeckte Protektion der "Rebellen" durch die üblichen Verdächtigen läuft auf Hochtouren, bloß.......Syrien will nicht fallen. Was nun? Wie immer wenn imperialistische Größen die Klingen kreuzen, trägt die Zivilbevölkerung die Hauptlast.
SysLevel 17.10.2012
3.
Wann hört SPON endlich auf, "Rami Abdul-Rahman" als Quelle anzugeben? Das ist ja fast wie comical Ali, nur dass Letzterer echt, vor Ort, und (unfreiwillig) komisch war.
kanario 17.10.2012
4. Wo bleiben denn eigentlich
Zitat von sysopAFPDie Zahl der Menschenrechtsverletzungen in Syrien nimmt drastisch zu, die Uno berichtet von Morden, Inhaftierungen und sexueller Gewalt. Rebellen sprechen von den heftigsten Militär-Attacken seit Wochen: Bei Luftangriffen sollen mehr als 90 Menschen getötet worden sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/die-humanitaere-lage-in-syrien-wird-schlimmer-90-tote-bei-luftangriff-a-861696.html
die Berichte über die "Rebellen" die schon so oft die entscheidende Schlacht wie z.B. in Aleppo geschlagen haben? Kann es sein das die "Rebellen" fast geschlagen sind oder warum gibt es keine "Erfolgsmeldungen im Mainstream mehr?
kleindoofi 17.10.2012
5. Na dann dokumentiert mal schön
Zitat von sysopAFPDie Zahl der Menschenrechtsverletzungen in Syrien nimmt drastisch zu, die Uno berichtet von Morden, Inhaftierungen und sexueller Gewalt. Rebellen sprechen von den heftigsten Militär-Attacken seit Wochen: Bei Luftangriffen sollen mehr als 90 Menschen getötet worden sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/die-humanitaere-lage-in-syrien-wird-schlimmer-90-tote-bei-luftangriff-a-861696.html
Wie schön, dass da auch einer mal Buch führt. Das ist doch eine verantwortungsvolle Aufgabe für unsere Uno - oder?
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