Die Körpersprache von Condoleezza Rice "Hypnotische Vorgehensweise"

Ihre Hände sind ausgerichtet wie eine Waffe, ihr Lächeln zeigt Zynismus: Der Psychotherapeut Ulrich Sollmann analysiert für SPIEGEL ONLINE die Körpersprache der US-Sicherheitsbeauftragten Condoleezza Rice. Sein Fazit: Ihr Versuch, bei Sabine Christiansen für die USA zu werben, konnte beim deutschen Zuschauer nicht ankommen.


Rhetorikkünstlerin Condoleezza Rice
REUTERS

Rhetorikkünstlerin Condoleezza Rice

SPIEGEL ONLINE:

Haben Sie verstanden, was Frau Rice uns sagen wollte?

Ulrich Sollmann: Sie ist deutlich emotional gespalten aufgetreten. Das war fast schon eine hypnotische Vorgehensweise. Sie gab positive Antworten, sprach sehr ruhig, kontrolliert und signalisierte dadurch: Wir sind brav. Doch gleichzeitig schüttelte sie oft mit dem Kopf gerade bei ihren positiven Antworten.

SPIEGEL ONLINE: Und was heißt das?

Sollmann: Das ist sehr irritierend für den Zuschauer und wirkt direkt kontraproduktiv. Ihr Ziel war es, Glaubwürdigkeit zu vermitteln. Das hat sie so nicht geschafft.

SPIEGEL ONLINE: Aber gemessen an dem öffentlichen Bild, das man von ihr hat, als kühle, kalte Machtpolitikerin, kam sie doch fast schon bescheiden rüber.

Sollmann: Sie ist voll durchtrainiert und sie war hoch konzentriert. An der Körpersprache, besonders bei Mimik und Händen konnte man dies feststellen. Der Blick, extrem auf ihr Gegenüber fixiert, sowie der oft leicht verzögerte Lidschlag machten deutlich, diese Frau läßt nicht locker. Die Hände wirkten oft entspannt, dienten in ihrer leicht geöffneten Haltung eher der Selbstsicherung.

SPIEGEL ONLINE: Hat sie nonverbal gepatzt?

Sollmann: Als es um den Tod des Amerikaners Berg ging, hat sie wie so oft in ähnlichen Situationen gelächelt. Das passte überhaupt nicht zusammen. Das signalisierte Zynismus und Arroganz: Sie präsentierte ein Opfer, von dem sie, und so muß ihr Lächeln verstanden werden, rhetorisch profitieren kann.

SPIEGEL ONLINE: Die Frau wirkte unangreifbar.

Ulrich Sollmann: Der Rhetoriktrainer und Psychotherapeut berät Manager und Politiker

Ulrich Sollmann: Der Rhetoriktrainer und Psychotherapeut berät Manager und Politiker

Sollmann: Sie war bemüht, ständig den eigenen Zustand trotz Nervosität wieder zu stabilisieren. Sie kann sich sehr gut zurückhalten, auch wenn sie sich aufregt.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn sie sich aufregt...

Sollmann:...dann ist mit der Frau nicht gut Kirschen essen. Es gab kurz vor Ende des Interviews zwei Momente, in denen sie mit den Händen unmißverständlich ausgedrückt hatte, was dann passiert: Sie würde auf keinen Fall weichen. Sie ist sich ihrer Position immer sicher. Sie entwickelte fast einen Hauch von kommunikativer Gefährlichkeit. Ihre Hände waren nämlich direkt auf ihr Gegenüber gerichtet, so wie eine rhetorische Waffe.

SPIEGEL ONLINE: Hat sie bei Christiansen gewonnen?

Sollmann: In ihrem Selbstbild hat sie es wahrscheinlich. Sie ist aber abgespalten vom emotionalen Erleben. Sie kann nicht den emotionalen Gehalt ihrer Aussagen spüren. Sie kann reagieren wie eine rhetorische Maschine. Aber sie hat nicht gemerkt, dass das in unserem Kulturkreis nicht funktioniert. Wir reagieren anders und zeigen es auch anders. Mich hat das Interview in puncto Zurückgewinnen von Vertrauen in keinster Weise beruhigt.

Die Fragen stellte Markus Deggerich



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.