Dienstpflicht in Frankreich Vier Wochen für die Grande Nation

Deutschland debattiert über eine "allgemeine Dienstpflicht". In Frankreich soll der Dienst bereits im kommenden Jahr für Jugendliche obligatorisch werden - allerdings nur für vier Wochen.
Emmanuel Macron

Emmanuel Macron

Foto: MICHEL EULER/ AFP

Frankreich fehlt es an nationalem Zusammenhalt - das meint zumindest Staatspräsident Emmanuel Macron. Bereits im Wahlkampf warb er für einen kurzen verpflichtenden Dienst, der das Gemeinschaftsgefühl stärken soll. Das erinnert an die Debatte zur allgemeinen Dienstpflicht, die derzeit in Deutschland geführt wird.

Allerdings ist Frankreich mittlerweile einen Schritt weiter: Vor Kurzem hat Macrons Regierungskabinett die rechtliche Grundlage geschaffen, damit der Präsident sein Wahlversprechen einlösen kann - zumindest in abgespeckter Form. Bereits im kommenden Jahr sollen Schüler ab 16 Jahren unabhängig vom Geschlecht zum sogenannten "Service national universel" (SNU), dem universalen Nationaldienst, verpflichtet werden.

Der Dienst soll Jugendliche aus unterschiedlichen Schichten und Regionen zusammenbringen und so nationalen Zusammenhalt schaffen. Angedacht sind vier Wochen, die zur Hälfte in den Sommerferien und zur anderen Hälfte zu Beginn des Schuljahres absolviert werden.

Auf dem Programm steht dabei eine Art Nachhilfe in Sachen Bürgerkunde. So sollen die Jugendlichen über ihre Rechten und Pflichten aufgeklärt werden. Anschließend muss zwei Wochen in der Armee, einem Krankenhaus oder einer anderen karitativen Einrichtung hospitiert werden.

Die Maßnahme soll auch einen Beitrag zur Integration leisten, schließlich richtet sie sich auch an Kinder aus Einwandererfamilien. Mit der ursprünglichen Idee von Macron hat der SNU allerdings nur noch wenig gemeinsam.

Widerstand der Generäle

"Ich will, dass jeder junge Franzose die Gelegenheit zu einer - wenn auch kurzen - Erfahrung des militärischen Lebens hat", sagte der jetzige Präsident noch im Wahlkampf 2017. Der ungediente Macron vertritt die Meinung, dass die Aussetzung der Wehrpflicht 1997 den Zusammenhalt im Land verringert hat. In seiner Vorstellung spielten Unterschiede der Herkunft in den Kasernen nur eine untergeordnete Rolle. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer Art "Rendezvous der Nation" mit den Streitkräften, das er etablieren wolle. Demnach sollte das Militär damit betraut werden, Hunderttausende Jugendliche maximal drei Monate lang auszubilden. Kaum an der Macht, wurde ihm diese Idee allerdings von den Generälen ausgeredet.

Die von Sparmaßnahmen gebeutelte Armee hätte nicht die Kapazitäten um jährlich zwischen 600.000 und 800.000 Jugendliche auszubilden, hieß es von den Verantwortlichen. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Generals Daniel Ménaouine entwickelte stattdessen das Konzept für den SNU.

Da es Macron ohnehin nicht um die Verteidigungsbereitschaft des Landes geht, ließ er sich von den Vorschlägen überzeugen. Rechtliche Hürden hat die Nationalversammlung bereits aus dem Weg geräumt. Laut Plan soll der erste Jahrgang bereits im Sommer 2019 den Nationaldienst absolvieren.

Hohe Kosten und offene Fragen

Viele Fragen sind allerdings noch offen. Um die "soziale Durchmischung" zu gewährleisten ist geplant, die Jugendlichen zwei Wochen lang gemeinsam unterzubringen. Wo jedoch der Platz dafür sein soll, steht noch nicht fest. Eine Arbeitsgruppe der Regierung hatte ausgerechnet, dass etwa 1,7 Milliarden Euro investiert werden müssten, um die entsprechenden Plätze in Studentenheimen und anderen Unterkünften zu schaffen. Mindestens weitere 1,5 Milliarden Euro seien für die Betreuung der Jugendlichen notwendig.

Neben der finanziellen Frage gibt es einen weiteren Haken: Während Umfragen zufolge mehr als die Hälfte der Bevölkerung die Dienstpflicht befürwortet, hat niemand die Betroffenen selbst gefragt. Mehrere Jugendorganisationen protestierten im Juni in einem offenen Brief gegen die Pläne "Man ist dabei, ein Projekt für die Jugendlichen ohne die Jugendlichen selbst zu schaffen", kritisierte der Vorsitzende der Studentenvereinigung Fage, Jimmy Losfeld.

Im Herbst wird nun eine Befragung an den Schulen durchgeführt. Erst danach will Frankreichs Regierung die genauen Bestimmungen für den Dienst festlegen.

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