Terroranschlag 2012 US-Spezialeinheit verpasste Flug nach Bengasi

Hätten die USA weitere Opfer beim Angriff auf ihre Vertretung in Bengasi verhindern können? Die Aussage eines früheren Spitzendiplomaten legt das nahe. Demnach erhielt eine US-Spezialeinheit keine Erlaubnis zum Abflug in die ostlibysche Stadt. Damit widerspricht er der Darstellung des Pentagon.
Beschädigtes US-Konsulat in Bengasi (im September 2012): Neue Diplomatenaussage

Beschädigtes US-Konsulat in Bengasi (im September 2012): Neue Diplomatenaussage

Foto: Stringer/ dpa

Washington - Bei der Untersuchung des Angriffs von Terroristen auf das US-Konsulat in Bengasi sind neue Details bekanntgeworden, die der Darstellung des Pentagon offenbar widersprechen. Eine Einheit von US-Spezialkräften, die der attackierten Botschaft zur Hilfe kommen sollte, wurde demnach auf dem Weg in die ostlibysche Stadt zurückgepfiffen.

Das sagte ein früherer Spitzendiplomat den Republikanern in einem Kongressaussschuss, der den Vorfall untersucht. Die Aussage dürfte den innenpolitischen Streit um die Geschehnisse in Bengasi im September 2012 neu entfachen.

Der Diplomat Gregory Hicks, damals stellvertretender Leiter der Botschaft in Tripolis, berichtete, man habe nach der ersten Attacke auf das Gelände um Erlaubnis gebeten, vier Spezialkräfte an Bord eines libyschen Militärflugzeugs nach Bengasi fliegen zu lassen. Aus Washington sei aber keine Genehmigung gekommen.

Auszüge seiner Äußerungen wurden von den Republikanern am Montag veröffentlicht. Am Mittwoch wird er dann vor dem gesamten Ausschuss aussagen.

Bei der Attacke am 11. September 2012 hatten Extremisten aus einer Demonstration heraus das Feuer auf das Konsulat eröffnet. Der US-Botschafter Chris Stevens und ein weiterer Amerikaner starben. Mehrere Stunden später wurde ein zweiter Gebäudekomplex angegriffen, wobei noch zwei Amerikaner ums Leben kamen.

"Sie hatten wohl nicht die richtige Genehmigung"

Bislang hatte das Pentagon angegeben, es habe keine Einheiten gegeben, um zumindest die zweite Attacke in Bengasi noch zu verhindern. Insofern dürfte Hicks' Aussage den Republikanern neues Futter liefern. Sie werfen der Obama-Administration und insbesondere der abgetretenen Außenministerin Hillary Clinton vor, nicht umgehend auf die erste Attacke reagiert zu haben und nun die Untersuchung zu behindern. Teil der Debatte ist die Frage, ob ein schnelles Eingreifen der Amerikaner weitere Opfer verhindert hätte.

Nach der Beschreibung von Hicks bereitete sich ein Team aus vier Spezialkräften in Tripolis auf die Abreise nach Bengasi vor. Das libysche Militär hatte demnach zugesagt, die Truppen in einem Transportflugzeug zu fliegen. Doch die Spezialkräfte erhielten keine Erlaubnis von amerikanischer Seite. "Sie durften nicht ins Flugzeug steigen und verpassten es dann", sagte Hicks nun den Republikanern. "Sie hatten wohl nicht die richtige Genehmigung von der richtigen Ebene."

Hicks berichtete ebenfalls, das Militär hätte nach der ersten Attacke Kampfjets über das Gebiet fliegen lassen und damit den zweiten Angriff in den Morgenstunden verhindern können.

Vergangene Woche hatte das FBI Fotos von drei Männern veröffentlicht, die im Zusammenhang mit dem tödlichen Angriff gesucht werden.

fab/AP
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