Diplomaten-Berichte Iran verschleiert offenbar Atomarbeiten

Neue Vorwürfe gegen Iran: Teheran soll in dem verdächtigen Militärkomplex Parchin Spuren verwischt haben. Entsprechende Hinweise liegen der Atomenergiebehörde IAEA vor. Geheimdienstler vermuten, dass in der Anlage Kernwaffen entwickelt werden.
Satellitenaufnahme der Militäranlage Parchin (Archivbild): Gebäude abgerissen

Satellitenaufnahme der Militäranlage Parchin (Archivbild): Gebäude abgerissen

Foto: AFP/ ISIS/ DigitalGlobe

Wien/Teheran - Iran hat nach Informationen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in einer verdächtigen militärischen Versuchsanlage Spuren beseitigt. Satellitenbilder zeigten, wie in Parchin südöstlich von Teheran Gebäude abgerissen worden seien. Das berichten die Nachrichtenagenturen dpa und Reuters übereinstimmend mit Verweis auf Diplomaten.

Die Fotos wurden nach Angaben von dpa zwischen dem 5. und 25. Mai aufgenommen. Außerdem hätten Bulldozer Boden abgetragen, teilte IAEA-Chefunterhändler Herman Nackaerts am Mittwoch in Wien mit. Das erfuhr dpa aus diplomatischen Kreisen.

Westliche Geheimdienste vermuten, dass die iranische Führung am Standort Parchin an einem geheimen Atomwaffenprogramm forschen lässt. So soll dort eine spezielle Kammer für Sprengtests eingerichtet worden sein. Die Führung in Teheran bestreitet dies.

In einem vor wenigen Tagen vorgelegten Bericht der IAEA heißt es, Satellitenbilder zeigten "umfangreiche Aktivitäten" in Parchin. IAEA-Chef Yukiya Amano hatte erst am 21. Mai mit Iran vereinbart, ein Abkommen mit Bedingungen für Kontrollen zu unterzeichnen. Die Atomenergiebehörde hatte bereits kurz zuvor Befürchtungen geäußert, dass Iran Spuren beseitigen könnte, um eine Überprüfung zu verhindern. Der Leiter des iranischen Atomprogramms sagte jedoch am Sonntag, es würden noch "nötige Dokumente" fehlen. Die Regierung in Teheran verweigert den Uno-Kontrolleuren seit längerem den Zugang zu der Anlage.

"Keine Wunder" in Moskau

Die Staatengemeinschaft und die IAEA verlangen von Iran, die umstrittene 20-prozentige Urananreicherung zu stoppen. Diese gilt als wichtiger Schritt in Richtung einer höheren Anreicherung, mit der auch waffenfähiges Uran hergestellt werden könnte.

Allerdings machte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Gespräch mit dem Fernsehsender France24 am Mittwoch erneut klar, dass er die Urananreicherung nicht aufgeben werde. Diese sei das Recht seines Landes, sagt er.

Die Verhandlungen über das Atomprogramm zwischen der internationalen Staatengemeinschaft und Iran werden am 18. und 19. Juni in Moskau fortgesetzt. Ahmadinedschad sagte dazu, dass er dort "kein Wunder" erwarte.

heb/dpa/Reuters
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