Diplomaten-Kabel WikiLeaks nimmt Russland ins Visier

Moskaus Mächtige müssen neue Enthüllungen fürchten: WikiLeaks-Gründer Assange hat angekündigt, in den kommenden Monaten zahlreiche weitere Dokumente über Russlands Politik und Wirtschaft zu veröffentlichen. Darin soll es um "die Oligarchen"und die "größten Unternehmen" gehen.

Russlands Premier Putin: Depeschen über Moskau sorgen für Verstimmungen
AFP

Russlands Premier Putin: Depeschen über Moskau sorgen für Verstimmungen


Moskau - Die Welt ist in Aufregung wegen hunderttausender US-Depeschen, die WikiLeaks enthüllt hat. Für Moskau ist kein Ende in Sicht - dem Kreml und russischen Wirtschaftsbossen drohen weitere unangenehme Monate: WikiLeaks-Gründer Julian Assange kündigte zahlreiche weitere Veröffentlichungen von Dokumenten über Russland an: "Wir haben tausende Dokumente, in denen es um Russland geht", sagte Assange in einem Interview mit dem russischen Fernsehsender NTV. Darin gehe es "um die Oligarchen, um den Moskauer Bürgermeister und die größten Unternehmen". "In den kommenden Monaten wird alles veröffentlicht", sagte Assange.

Bislang hat sich Moskau bezüglich der WikiLeaks-Enthüllungen betont unbeeindruckt gegeben. Tatsächlich hatten die von der Web-Organisation veröffentlichten und vom SPIEGEL analysierten US-Botschaftsdepeschen zahlreiche Details enthüllt, die Russlands Führung in wenig vorteilhaftem Licht erscheinen lassen. So kabelte die US-Botschaft in Moskau kurz nach dem August-Krieg zwischen Georgien und Russland nach Washington, dass Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei einem Gipfeltreffen aus der Haut fuhr und Russlands Außenminister Sergej Lawrow als "Lügner" beschimpfte. Außerdem legen die Berichte nahe, dass amerikanische Diplomaten der Auffassung zuneigen, Russlands Premier Putin habe Kenntnis von dem Mordanschlag auf den russischen Ex-Agenten Alexander Litwinenko 2006 in London gehabt.

Die Depeschen sorgen für Verstimmungen, WikiLeaks-Gründer Assange ist wegen eines internationalen Haftbefehls stark unter Druck geraten. Die Staatsanwaltschaft in Schweden ermittelt wegen des Verdachts auf Vergewaltigung gegen Assange. Gegen den 39-Jährigen wurde internationaler Haftbefehl erlassen. In dem Interview mit dem russischen Sender NTV erklärte Assange jetzt, er fühle sich trotzdem noch sicher. "Es gibt noch solche sichereren Orte, wir haben viele Freunde", sagte er. "Es gibt noch Länder, die uns wohlgesonnen sind", fügte er hinzu. "Die Devise von Wikileaks ist die völlige freie Meinungsäußerung, das ist ein Test für die Staaten. Viele haben es leider nicht geschafft, auch mein Geburtsland Australien nicht." In Europa könne er sich "ebenfalls nicht sicher fühlen", sagte Assange, hier müsse er "stets auf der Hut" sein.

Auf die Bemerkung des NTV-Journalisten, wonach sich viele wundern, dass Assange überhaupt noch am Leben ist, sagte der Wikileaks-Gründer, er denke nicht, dass ein Land wie die USA ihn töten könne, das "Risiko" sei "zu groß". "Ich stehe im Zentrum der Aufmerksamkeit, das ist mein Schutz." Anders hingegen sei es bei großen Firmen, "vor allem außerhalb der USA", sagte Assange, ohne diese Aussage zu erläutern.

anr/AFP

insgesamt 5854 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Waiguoren 28.11.2010
1.
"Merkel ist methodisch, rational und pragmatisch." Angie kommt doch gar nicht so schlecht weg.
Liberalitärer, 28.11.2010
2. Einstein
Zitat von sysopWie Amerika die Welt sieht - 251.287 geheime Dokumente aus dem Washingtoner Außenministerium enthüllen die Sicht der US-Diplomatie auf Freund und Feind.
Nein, das sind Einschätzungen und Kritik im Falle D schadet nicht. Niemand hier wird wohl G.W. Bush (den ich für ehrenwert halte) mit Einstein verwechseln.
werner thurner, 28.11.2010
3.
Zitat von sysopWie Amerika die Welt sieht - 251.287 geheime Dokumente aus dem Washingtoner Außenministerium enthüllen die Sicht der US-Diplomatie auf Freund und Feind.
Dann erfahren wir endlich mal die Wahrheit über die offizielle Denke in den USA. Die Wahrheit , oder annähernd die Wahrheit kann niemals irgendwas beschädigen. Das Verhätnis der USA zu den Verbündeten ist ja bereits durch die Bush Kriegspolitik und das Mitläufertum beschädigt, genauso wie die hierzu mißbrauchte NATO (Bündnsifall bis heute).
Smartpatrol 28.11.2010
4. Nicht schlecht
"Amerikas Botschafter können gnadenlos in der Beurteilung der Länder sein, in denen sie akkreditiert sind." Was man ihnen kaum vorhalten kann. Die Bewertung Westerwelles ist beispielsweise nichts als eine realistische, nüchterne Einschätzung. Keine der genannten Veröffentlichungen macht mir die USA unsympathischer, ganz im Gegenteil.
ramuz 28.11.2010
5. Nein.
Geht man von dem momentanen Level an Vertrauen, Ansehen, Kooperationswillen aus, das/den Akteure anderer Staaten den US entgegenbringen, kann es nicht beschädigt werden aus Sicht der anderen. Wenn die Akteure der US halbwegs intelligent sind, so wissen sie das auch. Theaterdonner halt...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.