Diplomaten-Mord Putin geht im Irak auf Terror-Jagd

Nach der Entführung und Ermordung von vier russischen Diplomaten im Irak hat Russlands Präsident Putin Spezialtruppen den Befehl gegeben, die Mörder dort "ausfindig zu machen und zu zerstören". Die Terror-Fahnder sind ermächtigt, "alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen".


Moskau - Nach der offiziellen Bestätigung des Todes der vier Diplomaten durch das Moskauer Außenministerium erteilte Wladimir Putin nun den Einsatzbefehl. Das Presseamt des Kremls teilte mit, Putin habe die nicht näher bezeichneten Spezialtruppen dazu ermächtigt, "alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen". Es scheint, als ob Putin damit Geheimagenten einen Persilschein ausstellt, auf fremdem Territorium zu operieren und falls nötig, auch zu töten. Irakische Terroristen, die in Verbindung mit der Terrorgruppe al-Qaida stehen, hatten am Sonntag Videos veröffentlicht, auf dem die Ermordung der Anfang Juni verschleppten Russen zu sehen war.

Wladimir Putin: Auftrag zur Terroristenjagd im Irak
AFP

Wladimir Putin: Auftrag zur Terroristenjagd im Irak

Nach dem Versöhnungsangebot der irakischen Regierung haben Aufständische nun erstmals konkrete Forderungen für eine Waffenruhe gestellt. Elf sunnitische Rebellengruppen haben eine Einstellung ihrer Angriffe auf die US-Streitkräfte angeboten, wenn alle ausländischen Truppen das Land innerhalb von zwei Jahren verlassen. Aus Kreisen der Regierung und der aufständischen Gruppen verlautete, die irakische Regierung und US-Präsident George W. Bush sollen einen Zeitplan für den Abzug der Besatzungstruppen vorlegen. Die elf Organisationen stammen aus den Provinzen Salahuddin und Dijala nördlich von Bagdad.Auch auch die einflussreiche islamistische Armee der Mudschahedin positiv zu dem Angebot der Regierung geäußert, das die Integration der bewaffneten Gruppen in den politischen Prozess vorsieht.

Auf einer Internetseite von Islamisten tauchte derweil eine Erklärung im Namen der islamistischen Terrorgruppe Ansar al-Sunna auf. Darin hieß es, die Gruppe lehne Al-Malikis Angebot ab, da dieser mit den Amerikanern kollaboriere. Der irakische Regierungschef hatte ausdrücklich gesagt, sein Angebot richte sich ohnehin nicht an Gruppen wie Ansar al-Sunna, an deren "Händen das Blut von Irakern klebt". Auch schloss er eine Generalamnestie für alle Aufständischen aus, die US-Soldaten getötet haben.

Der Nationale Sicherheitsberater Muwaffak al-Rubai sagte in Bagdad, die irakische Armee habe einen tunesischen al-Qaida-Terroristen festgenommen, der an dem Anschlag auf das schiitische Heiligtum von Samarra vor vier Monaten beteiligt gewesen sein soll. Außer dem Tunesier hätten auch zwei Iraker und mehrere Saudis am 22. Februar Sprengladungen an der Moschee angebracht. Der Anführer ihrer Terrorzelle sei ein gewisser Haitham al-Badri.

Dieser soll auch die Journalistin Atwar Bahdschat getötet haben, die kurz nach dem Anschlag in Samarra ermordet worden war. Bahdschat hatte für den Nachrichtensender al-Arabija gearbeitet. Der Anschlag auf den Schrein in Samarra hatte eine Welle der Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten ausgelöst.

Nach Angaben al-Rubais wurde der Tunesier vor einigen Tagen bei einem Angriff auf eine Straßensperre der irakischen Armee nördlich von Bagdad verletzt und festgenommen. 15 ausländische Extremisten, die gemeinsam mit dem Tunesier versucht hätten, den Kontrollposten zu stürmen, seien von den Soldaten erschossen worden.

Bei der Explosion eines Sprengsatzes auf einem Markt starben am Mittwoch in Bakuba zwei Zivilisten. In der Nachbarstadt al-Makdadija zündeten Extremisten zwölf Geschäfte von Sunniten an, die komplett zerstört wurden. Am Vortag hatten Schiiten bei Bakuba bereits eine sunnitische Moschee und drei Wohnhäuser in Brand gesetzt.

asc/AP/dpa



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