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Krieg in Libyen: Rebellen rufen den finalen Kampf aus

Foto: Marius Becker/ dpa

Diplomatenschutz Deutschland schickt Spezialeinheit GSG 9 nach Libyen

Die Rebellen in Libyen rufen das Finale im Kampf gegen Diktator Gaddafi aus. Angesichts der angespannten Sicherheitslage bemüht sich die deutsche Regierung um den Schutz ihrer Diplomaten. Nach SPIEGEL-Informationen wurde die Spezialeinheit GSG 9 in das Kriegsland entsandt.

Hamburg - Für Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi könnte die Zeit der Herrschaft über das Land bald abgelaufen sein. Die Rebellen sind nach Tripolis vorgerückt und wollen in der Hauptstadt mit Hilfe der Nato den finalen Kampf gegen den Machthaber führen. Die Lage in dem Land ist unübersichtlich, ausländische Regierungen wollen aber mit Abgesandten präsent sein.

Nach SPIEGEL-Informationen wurden zum Schutz deutscher Diplomaten Elitepolizisten des Bundes entsandt. Die GSG 9, Spezialeinheit der Bundespolizei, ist bereits in Libyen im Einsatz. Die Beamten haben die Sicherheitsberatung des deutschen Verbindungsbüros in der Rebellenhochburg Bengasi übernommen, das Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) im Mai einrichten ließ.

Im Jahr 2005 war eine private deutsche Sicherheitsfirma mit ehemaligen GSG-9-Angehörigen in Libyen tätig. Sie bildete damals kurzzeitig libysche Sicherheitskräfte im Anti-Terror-Kampf aus. Der Bundesnachrichtendienst war über den Einsatz informiert.

Derzeit sorgt die Beteiligung von Bundeswehrsoldaten im Libyen-Krieg für Streit zwischen Regierung und Opposition. Elf deutsche Soldaten arbeiten im Nato-Gefechtsstab, obwohl die Bundesregierung einen Kampfeinsatz klar ablehnt. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) verteidigte das Engagement als normales Vorgehen im Bündnis. Er lehnt ein Parlamentsmandat dafür ab. Die Grünen schlossen aber den Gang vor das Verfassungsgericht nicht aus.

"Die Stunde null hat begonnen"

Seit sechs Monaten kämpfen Aufständische in Libyen mit Hilfe der Nato gegen Machthaber Gaddafi. Nun scheint die entscheidende Phase angebrochen. Denn die Rebellen sind nach eigenen Angaben erstmals in die Hauptstadt Tripolis vorgedrungen. In der Nacht zum Sonntag gab es Bewohnern zufolge in mehreren Stadtteilen stundenlange Kämpfe zwischen den Aufständischen und Truppen von Gaddafi. Auch nach Tagesanbruch waren Schüsse zu hören, wie Reporter aus dem Stadtzentrum berichteten.

Ein Aufständischer sagte in einem Telefonat mit einem Journalisten der Agentur Reuters, Scharfschützen hätten auf den Dächern der Gebäude um Gaddafis Militärkomplex Stellung bezogen. Viele Bewohner seien verletzt worden. Während er sprach, waren im Hintergrund Schüsse im Sekundentakt zu hören.

"Die Stunde null hat begonnen. Die Rebellen in Tripolis haben sich erhoben", sagte der Vizepräsident des Nationalen Übergangsrats, Abdel Hafis Ghoga. Auch Großbritannien sieht den Konflikt an einem entscheidenden Wendepunkt. "Wir befinden uns an einem außerordentlich entscheidenden Punkt im Streben nach Freiheit für das libysche Volk", sagte der britische Außenstaatssekretär Alistair Burt dem Fernsehsender Sky News.

Die Nato wollte nicht bestätigen, dass die Rebellen bis Tripolis vorgestoßen sind. Nato-Sprecher Oberst Roland Lavoie sagte am Sonntag in Brüssel, die Lage verändere sich allerdings ständig. Es sei schwer den Frontverlauf genau zu bestimmen. Die Nachrichtenagentur dapd berichtete unter Berufung auf Aufständische, die Front des Bürgerkriegs befinde sich weniger als 30 Kilometer von Tripolis entfernt.

Einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa zufolge hat Gaddafi die Hauptstadt bereits verlassen und will mit seiner Familie möglicherweise nach Algerien flüchten. Die Agentur beruft sich dabei auf gut informierte Kreise in Tripolis, von den Rebellen gab es aber zunächst keine Bestätigung für diese Nachricht.

Gaddafi verwirrt mit Durchhalteparolen

Noch am Morgen hatte Gaddafi in einer vom Staatsfernsehen gesendeten Tonbotschaft Durchhalteparolen an seine Anhänger ausgegeben. Die Angriffe seien abgewehrt und die Rebellenkämpfer eliminiert worden.

Laut der Agentur Reuters schienen sich die Kämpfe in Tripolis auf einzelne Stadtviertel zu begrenzen und zunächst nicht auf die ganze Stadt auszuweiten. Sie waren aber nach Angaben der Rebellen abgestimmt mit Aufständischen, die vom Westen und Süden aus versuchten, weiter auf die Hauptstadt vorzurücken. Unterstützt werden die Rebellen seit mehreren Monaten von der Nato. Diese habe auch in der Nacht zum Sonntag Luftangriffe geflogen, sagte ein Vertreter der Rebellen. Die kommenden Stunden seien entscheidend.

mmq/Reuters/dapd/dpa
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