Diplomatenstreit Türkei bestellt deutschen Botschafter ein

Der diplomatische Disput zwischen Deutschland und der Türkei verschärft sich. Erst zitierte die deutsche Regierung den türkischen Botschafter ins Auswärtige Amt - nun reagiert Ankara. Der Abgesandte Eberhard Pohl musste im Ministerium vorsprechen.

Istanbul/Ankara - Der Streit zwischen Berlin und Ankara über das harte Vorgehen der türkischen Regierung gegen Demonstranten eskaliert. Das türkische Außenministerium bestellte am Freitag den deutschen Botschafter Eberhard Pohl ein, wie eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage bestätigte. Ankara reagierte damit auf die Einbestellung des türkischen Botschafters in Berlin, Hüseyin Avni Karslioglu, ins Auswärtige Amt kurz zuvor.

Das seltene diplomatische Ritual wird als Instrument genutzt, um die Regierung eines anderen Landes massiv und demonstrativ zu kritisieren. Grund für die Verstimmungen waren deutschlandkritische Äußerungen der Regierung in Ankara.

Die Türkei wirft Deutschland vor, wegen der jüngsten Unruhen und des harten Vorgehens der türkischen Sicherheitskräfte die Eröffnung eines weiteren Kapitels der Beitrittsverhandlungen des Landes zur EU zu verzögern.

Scharfer Ton aus Ankara

Der türkische Europaminister Egemen Bagis hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag gewarnt, den Türkei-Beitritt aus wahltaktischen Gründen zu blockieren. "Sollte Frau Merkel innenpolitischen Stoff für ihre Wahl suchen, darf dieser Stoff nicht die Türkei werden", sagte Bagis nach türkischen Medienberichten. Er ergänzte: "Wenn Frau Merkel sich die Angelegenheit anschauen wird, wird sie sehen, dass diejenigen, die sich in die Angelegenheiten der Türkei einmischen, kein vielverheißendes Ende nehmen."

Die Gespräche sind seit drei Jahren blockiert, das neue Kapitel sollte eigentlich in der kommenden Woche eröffnet werden. Deutschland hatte zuletzt jedoch kurzfristig noch Informationsbedarf geäußert. Ursache seien technische Gründe, erklärte das Auswärtige Amt am Freitag in Berlin.

Ob Gespräche nun noch im Juni unter irischer EU-Ratspräsidentschaft erfolgen können, ist unklar. Am Montag sollen die Beratungen darüber in Brüssel weitergehen.

jok/dpa
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