Diplomatentausch Iran wechselt Dutzende Botschafter aus

Iran will etwa 40 Botschafter und Diplomaten in ausländischen Vertretungen austauschen. Einem Zeitungsbericht zufolge sollen sie dem ultrakonservativen Präsidenten Ahmadinedschad zu liberal sein.


Teheran/Wien - "Der Einsatz von etwa 40 Botschaftern oder Diplomaten wird zum Jahresende auslaufen", teilte der iranische Außenminister Manuschehr Mottaki heute in Teheran mit. Sobald ihre Nachfolger benannt seien, würden die betroffenen Diplomaten im iranischen Außenamt weiterarbeiten. Mottaki gab keine weiteren Gründe dafür an, als dass die Missionen beendet seien oder verschiedene Diplomaten in Rente gehen wollten. Der Wechsel erfolgt drei Monate nach dem Amtsantritt des neuen Präsident Mahmud Ahmadinedschad.

Die britische Tageszeitung "Times" hatte zuvor berichtet, dass Iran etliche Botschafter auswechseln wolle, die der neuen Regierung unter Ahmadinedschad als zu liberal gelten. Dazu gehörten auch die iranischen Vertreter in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und bei den Vereinten Nationen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf westliche Diplomaten in Teheran. Diese hatten an den Verhandlungen um das umstrittene iranische Atomprogramm teilgenommen. Viele der bisherigen Botschafter seien Anhänger des ehemaligen Präsidenten Haschemi Rafsandschani. Der neue Präsident gilt als ultrakonservativ; zuletzt sorgte er international für Empörung, als er öffentlich zur Zerstörung Israels aufrief.

Iranische Medien berichteten heute, in London sei Irans Topdiplomat zurückgetreten. Die Amtszeit der Botschafter in Berlin und Paris sei abgelaufen, hieß es in diplomatischen Kreisen in Teheran. In Deutschland ist Botschafter Seyed Shamseddin Khareghani, der als aufgeschlossen und dialogbereit gilt, allerdings erst seit Januar 2003 im Amt ist. Wie in Berlin verlautete, soll er Ende November abgelöst werden. Auch der Botschafter Irans bei den Vereinten Nationen in New York und Genf sind den Medienberichten zufolge in ihre Heimat zurückgekehrt. Im Teheraner Außenministerium habe es ebenfalls personelle Änderungen gegeben.

Iran erlaubt Zugang zu geheimer Atomanlage

Unterdessen gestattete Iran Fachleuten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) den Zugang zu einer abgeschirmten militärischen Anlage, in der nach Vermutungen der USA an einem geheimen Atomwaffenprogramm gearbeitet wird. Wie aus diplomatischen Kreisen in Wien verlautete, durften die Inspektoren in Partschin Gebäude betreten, die ihnen bei einem ersten Besuch im Januar noch verschlossen blieben. Sie hätten Proben entnommen, die nun analysiert würden.

Bei dem ersten Besuch im Januar waren in Partschin keine Spuren von Radioaktivität gefunden worden. Die Inspektoren durften sich aber nur unter strenger Aufsicht iranischer Behörden bewegen. Danach blockierte Teheran monatelang einen weiteren Kontrollbesuch in dem Militärkomplex.

Das Auffinden radioaktiver Spuren in Partschin würde den Verdacht erhärten, dass Iran trotz offizieller Versicherungen ein Atomprogramm für nicht nur zivile Zwecke betreibt. Partschin ist eine Einrichtung der iranischen Streitkräfte. Ein Nachweis von Strahlung würde den Druck erhöhen, Iran wegen seines Atomprogramms vor den Sicherheitsrat zu bringen. Bislang liegt der Fall bei der IAEA in Wien.

Der britische Premierminister Tony Blair erklärte unterdessen in London, die internationale Gemeinschaft werde eine Missachtung der iranischen Verpflichtungen als Uno-Mitglied nicht hinnehmen. Allerdings spreche niemand von militärischen Drohungen und einer Invasion Irans.



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