Diplomatischer Eklat Struck wirft Powell Unverschämtheit vor

Wutausbruch des Verteidigungsministers: Peter Struck hat während seiner Nahostreise Kritik aus den USA am Irak-Engagement Deutschlands aufs Schärfste zurückgewiesen. US-Außenminister Colin Powell hatte sich darüber beschwert, dass Deutschland keine Nato-Offiziere in den Irak entsenden will.

Abu Dhabi - "Ich halte das für eine Unverschämtheit", sagte Struck heute beim Besuch des Bundeswehr-Ausbildungskommandos für irakische Soldaten in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Deutschland sei "das einzige Land, das schon praktische Ausbildungshilfe leistet und seine Zusagen erfüllt hat", betonte er.

Die harsche Kritik an Powell kommt nur wenige Stunden nach einem herzlichen Kneipenabend, zu dem Bundesaußenminister Joschka Fischer seinen scheidenden Amtskollegen gestern in Brüssel eingeladen hatte. Bei Schnitzel, Kartoffelsalat und ein paar Flaschen "Flensburger Pilsener" schwadronierten die beiden über gemeinsame Erlebnisse. Fischer hatte Powell zuvor als "immer fairen und offenen Partner" gelobt.

Die Bundeswehr wird dem Irak möglicherweise bereits Anfang kommenden Jahres weitere Ausbildungshilfe in den Bereichen Pionierwesen und Sprengstoffentschärfung gewähren. Struck kündigte im Ausbildungslager bei Abu Dhabi an, dass die Gespräche mit der irakischen Regierung darüber in der kommenden Woche in Berlin fortgeführt werden sollen. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte dieses Angebot bereits beim Besuch des irakischen Ministerpräsidenten Ijad Alawi vergangene Woche in Berlin gemacht.

Die Nato hatte dem Irak im Juni auf ihrem Gipfel in Istanbul Unterstützung bei der Ausbildung der Streitkräfte zugesagt. Neben Deutschland weigern sich allerdings auch Spanien, Belgien, Frankreich und Griechenland, ihre Soldaten in den Irak zu entsenden. Sie wollen deshalb im Falle einer Nato-Mission im Irak ihre Offiziere aus den Führungsstäben abziehen. Der scheidende US-Außenminister warf ihnen daraufhin gestern in Brüssel vor, die Glaubwürdigkeit der Allianz zu untergraben. Struck sagte dazu: "Deutschland hat sich überhaupt nichts vorzuwerfen."

Struck lässt sich Ausbildung vorführen

Der Bundesverteidigungsminister besuchte das deutsche Kommando in der Nähe von Abu Dhabi, das irakische Soldaten als Kraftfahrer und Kraftfahrzeugmechaniker ausbildet. Vor Ort ließ er sich den praktischen und theoretischen Unterricht vorführen. Der Sinn seines Besuches sei es, "geeignete Umstände für eine Fortsetzungskomponente" auszuloten, sagte er. Darüber habe er auch mit dem Kronprinzen von Abu Dhabi, dem Verteidigungsminister der Emirate, Mohammed bin Sajed Al Nahjan, gesprochen.

Wenn die irakische Regierung um die Ausbildung von Pionieren und Sprengstoffexperten bitte, sei die Bundesregierung dazu bereit. Die klimatischen Bedingungen erlaubten den Bundeswehrsoldaten die Ausbildungsmission allerdings nur bis April. Danach herrschen in der Wüste Temperaturen bis zu 50 Grad.

Bei Abu Dhabi sind 30 Bundeswehrsoldaten stationiert. Ihr Einsatz läuft seit 20. November und dauert bis zum 22. Dezember. In dieser Zeit sollen sie rund 100 Kraftfahrer und 25 Kraftfahrzeugmechaniker und Elektriker an Lastwagen ausbilden. Dazu lieferte die Bundeswehr auch 100 Lastwagen plus Ausstattung und Ersatzteile für ein bis zwei Jahre. Nach Abschluss der Ausbildung wird das Gerät in den Irak gebracht. Die Emirate stellen Infrastruktur bereit und bringen Ausbilder, Auszubildende und Dolmetscher unter.

Die Ausbildung ist Teil der praktischen Hilfe, die die Bundesregierung Bagdad für den Wiederaufbau zugesagt hat. In den Emiraten haben BKA-Experten bislang 420 irakische Kriminalbeamte ausgebildet. Den politischen Wiederaufbau unterstützt Deutschland mit fünf Millionen Euro. Außerdem hat sich die Bundesregierung zu einem substanziellen Schuldenerlass im Rahmen einer Vereinbarung des Pariser Clubs der Gläubigerstaaten bereit erklärt.