Türkei Tote und Verletzte nach Explosionen auf Wahlveranstaltung

In der Türkei haben zwei Explosionen auf einer Kundgebung der prokurdischen Partei HDP zwei Menschen getötet. Es gab hundert Verletzte. Danach kam es zu Ausschreitungen zwischen Kurden und Polizei.

Detonation in Diyarbakir: Möglicherweise ist ein Trafo explodiert
AFP

Detonation in Diyarbakir: Möglicherweise ist ein Trafo explodiert


Zwei Tage vor der Wahl in der Türkei sind bei einer Kundgebung der prokurdischen Partei HDP mindestens zwei Menschen gestorben. Das berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu. Zudem wurden bei den zwei Explosionen in der Metropole Diyarbakir laut dem Landwirtschaftsminister Mehdi Eker mehr als hundert verletzt.

Nach ersten Informationen ist ein Trafo detoniert. Unklar war zunächst, ob die Explosion Folge eines Anschlags oder einer technischen Störung war. Später am Abend wies der türkische Energieminister, Taner Yildiz, im Sender CNN Turk Vermutungen zurück, es habe einen Kurzschluss gegeben.

Ein Reporter der dpa in Diyarbakir sagte, Zehntausende Menschen hätten an der Veranstaltung zwei Tage vor der Parlamentswahl teilgenommen. Nach der Explosion hätten HDP-Anhänger Steine auf Polizisten geworfen. Die Polizei habe Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt. HDP-Anhänger hätten Präsident Recep Tayyip Erdogan in Sprechchören als "Mörder" bezeichnet.

Die Explosion ereignete sich kurz vor einer Rede von HDP-Chef Selahattin Demirtas. Am Donnerstag hatte es bei einem Wahlkampfauftritt von Demirtas in Erzurum im Norden des Landes Randale zwischen HDP-Anhängern und Nationalisten gegeben. Während des Wahlkampfes habe es über 70 Übergriffe gegen seine Partei gegeben, sagte Demirtas CNN Turk.

Eine zentrale Frage bei der Parlamentswahl im Sonntag ist, ob die HDP die Zehnprozenthürde überwindet. Sollte der prokurdischen Partei der Einzug ins Parlament gelingen, könnte Erdogans AKP ihre absolute Mehrheit verlieren.

Sollte die HDP den Einzug verpassen, könnte die AKP eine 60-Prozent-Mehrheit von 330 Sitzen erzielen. Diese Mehrheit ist erforderlich für ein von der AKP angestrebtes Referendum über eine Verfassungsreform. Ziel ist die Einführung eines Präsidialsystems mit Erdogan an der Spitze. Bislang ist der Ministerpräsident Regierungschef in der Türkei.

fab/dpa/Reuters



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