Djerba Ein Kranz für die Opfer

Zehn Tage nach dem mutmaßlichen Anschlag auf der tunesischen Ferieninsel Djerba hat Bundesinnenminister Otto Schily vor der jüdischen Synagoge einen Kranz niedergelegt. In Gesprächen mit deutschen und tunesischen Ermittlern ließ er sich über den neuesten Stand der Erkenntnisse unterrichten.


Hinweise auf ein Attentat verdichten sich: Synagoge in Djerba
AP

Hinweise auf ein Attentat verdichten sich: Synagoge in Djerba

Djerba/Washington - In der Öffentlichkeit wollte Schiuly über den Ermittlungsstand nichts sagen. "Ich gebe im Interesse des Erfolges keine Einzelheiten über den Stand der Ermittlungen bekannt", sagte er am Sonntag auf Djerba. Schily wird bei seinem zweitägigen Besuch unter anderem von Generalbundesanwalt Kay Nehm begleitet. Am Montag sind Gespräche mit dem Staatspräsidenten Zine el Abidine Ben Ali und dem tunesischen Innenminister geplant.

Wie die US-Regierung am Samstag in Washington mitteilte, gehe die Explosion vor der Synagoge auf Djerba, durch die 16 Menschen - darunter 11 Deutsche - ums Leben kamen - höchstwahrscheinlich auf einen Terroranschlag zurück. Bei einem Treffen mit US-Außenminister Colin Powell habe der tunesische Innenminister Habib Ben Yahia klargemacht, dass sich die Ermittlungen auf einen Terrorangriff mit internationalem Hintergrund konzentrierten.

Das Bundesinnenministerium in Berlin konnte die Berichte aus den USA am Samstag zunächst nicht bestätigen. Minister Schily gehe nach wie vor nur von einem möglichen Attentat aus, sagte dessen Sprecher Rainer Lingenthal. "Wir sind sicher über den Stand der Ermittlungen sehr gut informiert."

Unterdessen forderte der tunesische Tourismusminister Zenaidi eine internationale Zusammenarbeit beim Kampf gegen den Terrorismus. "Wir müssen eine weltweite Strategie zum Schutz von Touristen entwickeln", sagte Zenaidi der "Bild am Sonntag". Zusammenarbeit für den Tourismus bedeute Zusammenarbeit gegen den Terrorismus. Zugleich versicherte der Minister, dass die tunesische Regierung nach der Explosion zu keinem Zeitpunkt etwas vertuscht habe.

"Die ersten Ermittlungsergebnisse ließen auf einen Unfall schließen", sagte Zenaidi dem Blatt. Zudem seien die Sicherheitsbehörden seines Landes grundsätzlich zurückhaltender mit der Veröffentlichung von Untersuchungsergebnissen als die deutschen Behörden. Noch immer seien einige Fragen offen. "Unsere Vorgehensweise ist viel gründlicher, als die deutschen Medien es darstellen", sagte Zenaidi.



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